Supermärkte und Discounter betroffen

Sonnenblumenöl wohl bald gar nicht mehr in den Märkten verfügbar – „da kommt nichts mehr“

  • Jason Blaschke
    VonJason Blaschke
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Der Krieg in der Ukraine wirkt sich auch auf die Versorgung mit Lebensmitteln in Deutschland aus. Ein Alltags-Produkt könnte es bald nicht mehr geben.

Neckarsulm – In der Ukraine tobt seit Wochen ein blutiger Krieg. In Deutschland sind die massiven Auswirkungen unlängst spürbar – zum einen an der Anzahl der Flüchtlinge, zum anderen im Portemonnaie. Auch in Stuttgart kommen immer mehr Flüchtlinge an. Die ersten Kommunen kommen schon an ihre Grenzen und versuchen, die Kapazitäten auszuweiten. Spürbar sind die Kriegsfolgen aus der Ukraine auch am Geld – sowohl die Preise für Sprit, als auch für Lebensmittel sind enorm gestiegen.

Sehr extrem ist die Lage am Speiseöl-Regal. Hier findet man – wenn überhaupt – fast bloß noch die teureren Markenprodukte. Die Eigenmarken sind in vielen Filialen von Kaufland, Lidl und Co. vielerorts regelmäßig ausverkauft. Die ersten Händler mussten schon mit Lebensmittel-Rationierung reagieren, um die Versorgung an einzelnen Standorten sicherzustellen. Laut der WirtschaftsWoche ist in einigen Rewe-Märkten die Abgabemenge von Speiseöl mittlerweile auf eine Flasche pro Kunden begrenzt.

Immer mehr Produkte ausverkauft – ein Lebensmittel ist besonders gefragt

Und auch in Filialen der Discounterkette Aldi Süd wurde die Abgabemenge von Speiseöl begrenzt und laut HEIDELBERG24* auf vier Flaschen pro Kunde rationiert. Aldi-Konkurrent Lidl reagiert ebenfalls: Eine Sprecherin teilte BW24 auf Anfrage mit, dass Speiseöle in allen Filialen bloß noch in „haushaltsüblichen Mengen“ abgegeben würden. Auf Nachfrage bestätigte die Sprecherin zudem, dass Produkte wie Speiseöle und Konserven derzeit „sehr stark nachgefragt“ werden – und genau das ist ein Problem.

Es sind nicht bloß die Lieferengpässe in Bezug auf wichtige Alltags-Lebensmittel, die zu leeren Regalen und teuren Preisen führen – auch die Hamsterer machen Kaufland, Lidl und Co. zu schaffen, indem sie trotz Rationierungen Produkte in großen Mengen einkaufen. Ganz oben auf der Liste: Sonnenblumenöl. Doch damit sollte bald Schluss sein, denn: Das begehrte Hamster-Produkt könnte bald für nicht absehbare Zeit aus Supermarkt- und Discounter-Regalen verschwinden, sagen Experten.

Begehrtes Hamster-Produkt könnte bald komplett aus den Regalen verschwinden

Der Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (Ovid) geht davon aus, dass das Produkt womöglich nicht mehr verfügbar sein wird, denn: Russland und die Ukraine fallen als wichtigste Importländer weg. „Da kommt jetzt nichts mehr“, heißt es vom Verband. Verbandschef Gerhard Brankatschk hatte schon am 14. März prophezeit, dass es mit der Versorgung besonders von Sonnenblumenöl eng wird.

Deutschland deckt seinen Sonnenblumenöl-Bedarf zu 94 Prozent aus Importen. Russland und die Ukraine spielen dabei eine wichtige Rolle.

„Die Vorräte reichen voraussichtlich noch für wenige Wochen“, sagte er der Deutschen-Presse-Agentur (DPA). Doch die Hamsterer waren hier noch nicht einkalkuliert, weshalb es wohl schon früher zum Sonnenblumenöl-Aus kommt. Brankatschk rät deshalb allen Verbrauchern, auf andere Speiseöle wie Rapsöl umsteigen. Hier seien keine Engpässe zu erwarten. Obwohl Rapsöl aktuell ebenfalls in den Supermarktregalen knapp wird, ist dafür laut inFranken.de Nachschub in Aussicht.

Speiseöl-Lieferengpässe in Europa: Mehrere Faktoren spielen eine Rolle

Der Krieg in der Ukraine ist übrigens bloß ein Grund, weshalb die Preise für Speiseöle anziehen und es vermehrt zu Lieferengpässen kommt. Missernten in Kanada und coronabedingte Logistikprobleme machen der Branche ebenso zu schaffen, wie der Wegfall von zwei wichtigen Speiseöl-Produzenten in Europa. Letztendlich ist es laut Experten ein Zusammenspiel aus der anhaltenden Corona-Pandemie, schlechten Ernten, steigenden Herstellungskosten und Krieg in Europa.

Zu allem Überfluss machen die steigenden Spritpreise der Logistikbranche zu schaffen, die eine wichtige Stellung in der Versorgung einnimmt. Experten warnen: „Ohne die Diesel-Lkws bleiben Supermarkt-Regale leer.“ Um eine drohende Pleitewelle abzuwenden in der Branche abzuwenden, wird über Maßnahmen wie einen „Gewerbediesel“ oder einen „Tankrabatt“ diskutiert. Mit Blick auf das Öl werden sich die Verbraucher mittelfristig Alternativen suchen müssen.

Gute Alternativen zu Sonnenblumenöl: Facebook-Nutzer teilen ihre Tipps

Es ist zumindest keine gute Idee, das nötige Sonnenblumenöl im Internet zu kaufen, denn: Die Preise für Speiseöl auf eBay nehmen absurde Ausmaße an und bewegen sich zum Teil schon bei über 50 Euro pro Liter. Fest steht, die meisten Verbraucher wissen sich zu helfen. Unter einen Facebook-Post von BW24 zum Speiseöl-Wahnsinn schreibt eine Userin: „Öl kommt bei mir nur in Salat. Zum Braten greife ich zu Butterschmalz.“ Und im Salat sei ihr Olivenöl ohnehin lieber.

Eine andere Nutzerin ergänzt: „Ich benutze Sonnenblumenöl so gut wie nie. Eine Flasche reicht bei mir ein Jahr“ und bekommt für ihren Kommentar viel Zuspruch. Ein Großteil der Facebook-Community sieht das Speiseöl-Problem also gelassen. Nur ein paar der Nutzer, die den Facebook-Beitrag kommentiert haben, sehen ein Problem.

„Nicht nur bei eBay – auch bei Amazon Fresh gab es das Sonnenblumenöl im 10-Liter-Kanister für 85 Euro“, schreibt zum Beispiel eine Nutzerin. *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Panthermedia/Imago

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