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„Ohne Diesel-Lkw bleiben Supermarkt-Regale leer“: Transportbranche schlägt wegen Spritpreisen Alarm

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Von: Jason Blaschke

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Der rasante Spritpreis-Anstieg in Deutschland bedroht zunehmend die Transportbranche. Das könnte massive Auswirkungen für die Situation in Supermärkten haben.

Frankfurt am Main – Der Spritpreis-Irrsinn in Baden-Württemberg und ganz Deutschland ist ein Thema, das die Verbraucher seit ein paar Wochen viele Nerven kostet. Auf Facebook, Twitter und Co. wird darüber gestritten, ob und welche Maßnahmen die Politik ergreifen sollte. Die einen sehen die Mehrwertsteuersenkung als wirksamstes Instrument, andere begrüßen den FDP-Vorschlag für einen „Tankrabatt“. Beide Vorschläge brächten jedoch der Transport- und Logistikbranche keine Vorteile, die zunehmend unter den Auswirkungen der Spritpreiserhöhung leidet.

Für die Branche geht es sogar bis hin zur Existenzfrage, denn ein Großteil der Güter wird in Deutschland noch immer mit Lkws von A nach B transportiert. Viele der Fahrzeuge sind nach wie vor mit Diesel unterwegs. Dirk Engelhard, Vorstandssprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL), formuliert es direkt: „Ohne den Diesel-Lkw bleiben morgen die Supermarkt-Regale leer.“ Der Verband fordert von der Politik konkrete und schnelle Hilfen.

Spritpreise bedrohen Transportbranche: Pleitewelle der Spediteure droht

Sonst, so prognostiziert es der Verband, drohe eine Pleitewelle der Spediteure, die sich die Kraftstoffe für ihre Lkws nicht mehr leisten können. Das würde sich massiv auf die Verbraucher auswirken, die aktuell schon mit teuren und knappen Alltags-Produkten zu kämpfen haben. Die Gründe dafür sind vielfältig: Zum einen sind Russland sowie die Ukraine wichtige Importländer für Speiseöl und Getreide, zum anderen belasten Faktoren wie schlechte Ernten oder die Corona-Pandemie die Lieferketten.

Die Versorgung der Verbraucher mit Produkten ist aufgrund mehrere Faktoren kniffliger geworden. Wenn zusätzlich noch logistische Schwierigkeiten hinzukämen, könnte das die Händler noch mehr belasten. Gerade jetzt könnte das schwere Folgen haben. Einige Warengruppen wie Speiseöl und Konserven werden im Moment „sehr stark nachgefragt“, teilt eine Sprecherin von Lidl auf BW24-Anfrage mit. Viele Händler mussten daraufhin bereits erste Alltags-Produkte rationieren.

BGL sieht Versorgungssicherheit gefährdet – Experte mit klarer Forderung

Um die Versorgung in Deutschland weiter zu gewährleisten, fordert das Transportgewerbe konkrete Sofortmaßnahmen. Der BGL ist für die Einführung eines „Gewerbediesels“ als verbilligten Kraftstoff für das Transport- und Lkw-Gewerbe. „Wenn die Regierung auf unsere Warnungen nicht reagiert, wird sie die Realität einholen“, sagte Engelhard. Berichten von Focus Online zufolge sieht der BGL die Versorgungssicherheit der deutschen Bevölkerung gefährdet, wenn die Politik nicht schnell reagiert.

Wenn das Ministerium auf unsere Warnungen nicht reagiert, wird sie die Realität einholen.

Dirk Engelhard, Vorstandssprecher BGL

Dass bisher noch nichts Konkretes in die Wege geleitet wurde, können einige Verbraucher nicht nachvollziehen. „Unsere Regierung schafft es nicht, schnell zu reagieren. Es ist eine Frechheit“, schreibt eine Userin auf Facebook und bekommt dafür viel Zuspruch. Maßnahmen wie die Einführung eines „Gewerbediesels“ hätten schon längst eingeführt werden sollen, meint ein anderer. Eine von mehreren Usern, die in die Diskussion mit einsteigt, meint: „Das ist doch den Regierenden völlig egal.“

Spritpreise belasten Verbraucher und Wirtschaft: BGL fordert „Soforthilfen“

Konkrete Beschlüsse für Hilfen gibt es noch nicht. Zwar liegen erste Vorschläge zur Spritpreis-Deckelung laut HEIDELBERG24* vor, bisher kann man sich in der Politik aber noch auf keinen festlegen. Für die Transport- oder die Logistikbranche ist dies ein Problem, denn hier werden laut Verbandssprecher Engelhard sofort Hilfen benötigt. *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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