Wird Wandern vegetarisch? Österreichischer Alpenverein fährt Öko-Offensive – DAV macht mit

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Von: Anna Laura Müller

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Beim Einkehren in die Berg-Hütte könnte zukünftig vor allem fleischloses Essen auf die Gäste warten. Denn der Speiseplan soll klimafreundlich werden.

Innsbruck – Nach einer anstrengenden Wanderung erstmal ein erfrischendes Getränk und etwas Herzhaftes zu essen. Bei einer der vielen Hütten, die der Österreichische Alpenverein (ÖAV) betreibt, können Bergsteiger da gut fündig werden. Weil die Hütten zunehmend auf umweltfreundliche Standards umgebaut werden, soll sich aber was im Speiseplan ändern. Denn vegetarische Kost liegt auch hoch in den Bergen im Trend. Um eines der vereinsinternen Umweltgütesiegel zu erlangen, ist es deswegen wichtig, die Ernährung auf den Hütten klimafreundlich zu gestalten. Und das bedeutet auch: Mehr vegetarische Gerichte.

Österreichischer Alpenverein will vermehrt vegetarische Gerichte auf den Hütten

Die hätten einen wesentlich geringeren CO₂-Fußabdruck, so Georg Unterberger, Leiter der Abteilung Hütten und Wege im Gespräch mit der Austria Presse Agentur (APA). Bei der Vergabe des Gütesiegels wird unter dem Punkt „Klimafreundliche Ernährung“ der Speiseplan auf den Hütten auch darauf überprüft, ob er regional und saisonal ist.

„Wir wollen Fleisch auf Hütten nicht eliminieren, aber es ist einfach nicht nachhaltig, wenn ich ein Gulasch um acht Euro verkaufe“, sagt Unterberger zu suedtirolnews.it. Deshalb verlange das Gütesiegel „weitgehend vegetarische Hüttenkost“.

Öko-Hütten müssen vegetarische Gerichte anbieten: DAV erarbeitete Kriterienkatalog mit ÖAV

„In Betrieben mit Speisenangebot muss mindestens ein vegetarisches Hauptgericht angeboten werden“, heißt es im aktuellen Kriterienkatalog Umweltgütesiegel. Der wurde neben dem ÖAV auch gemeinsam mit dem Deutschen Alpenverein (DAV) und dem Alpenverein Südtirol (AVS) erstellt.

Die neuesten Gütesiegel-Träger sind drei Hütten des ÖAV. Das Freschen-Haus (Vorarlberg), die Franz-Senn-Hütte (Innsbruck) und das Arthur-von-Schmid-Haus (Graz) haben die Prüfung zuletzt bestanden. Aber auch Hütten des DAV konnten sich schon als besonders klimafreundlich beweisen. 2022 erhielten die Martin-Busch-Hütte und das Hochjoch-Hospiz (beide in der Sektion Berlin) das Siegel.

Kaiserschmarrn auf einem Teller auf der Raaz Alm.
Zumindest der Kaiserschmarrn ist auf Alpenhütten sowieso schon vegetarisch. Bald könnten es aber noch mehr Gerichte werden. © Imago Images

Dabei ist das Gütesiegel kein neuer Trend für die Alpenhütten. Der ÖAV gibt an, schon seit 1996 solche Prüfungen durchzuführen. Allgemein sei „seit jeher“ der Gedanke „Vermeidung und Reduktion“ von der Planung bis zum Erhalt der Schutzhütten ein ständiger, nicht weg zu denkender Begleiter, so der ÖAV auf deren Webseite. Das hätte vor allem auch mit der Lage der Hütten, in meist unerschlossenen Gebieten zu tun.

Mobilität ist eine große Herausforderung

Und die ist auch ein Problem für einen weiteren Punkt, den die Nachhaltigkeitsstrategie der Alpenvereine in den Blick nimmt: Die Mobilität. Denn bei der Vergabe der Umweltgütesiegel wird die auch bewertet. Demnach müssten Gäste und Personal darüber informiert werden, wie sie sowohl die Hütte, als auch nah gelegene Ziele mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen können, heißt es im Kriterienkatalog. Die Hütten sind aber oft nicht ausreichend angebunden.

Auch deswegen nutzen die meisten Gäste trotz hohem Umweltbewusstsein ihr eigenes Auto zur Anreise für eine Bergtour. Das ergab eine Umfrage, die 2022 vom Alpenverein in Auftrag gegeben wurde. 80 Prozent fahren demnach immer noch mit dem Auto zum Startpunkt ihrer Bergtour. Hauptgrund ist für die Befragten die mangelhafte Anbindung ans öffentliche Verkehrsnetz.

Östereichischer Alpenverein möchte bis 2033 klimaneutral werden

Der ÖAV hat sich trotz großer Herausforderung ein ambitioniertes Ziel gesetzt. Nicht nur sollen mehr vegetarische Gerichte, die Hüttenbewirtung umweltverträglicher machen, bis spätestens 2033 will der Verein komplett klimaneutral sein. Das verkündet der ÖAV auf einer Pressekonferenz am 20. Oktober. Dabei stehen im Zuge einer dafür eigens entwickelten Klimastrategie vier Bereiche im Fokus: Mobilität, Infrastruktur (also Bau, Instandhaltung und Betrieb der Hütten), Bildung und Ausbildung und Finanzen.

Clemens Matt, Alpenvereins-Generalsekretär, zeigte sich bei der Vorstellung der Strategie optimistisch: „Unser Verein lebt vom Miteinander und so leben wir das auch beim Thema Klimastrategie. Wir erarbeiten sie gemeinsam und entwickeln im Austausch viele Ideen für die praktische Umsetzung der klimastrategischen Ziele.“

Innerhalb der Alpenvereine ist Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit kein neues Thema. Und auch in Sachen Ernährung ist ihr Vorschlag nicht unbedingt gegenläufig zu den Essgewohnheiten. In Deutschland sank der Fleischkonsum zuletzt und laut der Umweltstiftung WWF ist weniger Fleisch auf dem Teller nachweislich gut fürs Klima. Die Vorstöße des ÖAV treffen aber nicht immer auf positive Reaktionen. Zuletzt war eine hitzige Debatte über das Aufstellen von neuen Gipfelkreuzen in Österreich entbrannt. Der ÖAV sieht schon seit den 80er Jahren wenig Sinn in der Neuerrichtung. Auch dort spielt die Nachhaltigkeit eine Rolle. (alm)

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