Große Debatte in Österreich entfacht: „Es braucht nicht auf jedem Gipfel ein Kreuz”

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Von: Bettina Menzel

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Über Gipfelkreuze wird derzeit in Österreich besonders gestritten. (Symbolbild) © IMAGO/Fotofeeling/Westend61

Österreich führt eine emotional aufgeladene Debatte über Gipfelkreuze. Dabei sind sich die Gegenseiten einig: Alte Kreuze sollen bleiben.

Innsbruck – Die Debatte über Gipfelkreuze schwappt von Italien nach Österreich. Die Frage, ob die religiösen Symbole auf Bergen noch zeitgemäß sind, berührt grundsätzliche Weltanschauungen. Während Politiker der FPÖ und VP mit Tradition und alpiner Kultur argumentieren, braucht es aus Sicht des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV) keine neuen Gipfelkreuze mehr – diese Haltung vertritt der Verein allerdings schon seit den 80er-Jahren.

Österreichischer Alpenverein gegen Neuerrichtung von Gipfelkreuzen – alte Kreuze sollen bleiben

Angestoßen hatte die aktuelle Gipfelkreuz-Debatte laut Medienberichten der italienische Alpenverband Club Alpino Italiano, der die Gipfelkreuze als nicht mehr zeitgemäße religiöse Symbole bezeichnete. Der Club selbst wies allerdings zurück, bestehende Kreuze entfernen zu wollen. Gleiches vertritt auch der Österreichische Alpenverein seit über 30 Jahren: Bereits im Jahr 1989 hatte sich der Verein in einem Beschluss grundsätzlich gegen die Errichtung neuer Gipfelkreuze ausgesprochen. Die Entscheidung habe allerdings keine religiösen Gründe, erklärte der Präsident des ÖAV, Andreas Ermacora, dem ORF-Tirol am Mittwoch (28. Juni). „Der Alpenverein hat ja schon vor 100 Jahren beschlossen, keine neuen Wege und Hütten mehr zu bauen. Die Alpen sind erschlossen. In der Satzung wird die Erhaltung der Ursprünglichkeit und Schönheit der Bergwelt genannt“, so Ermacora.

Der ÖAV-Präsident bezeichnete die Gipfelkreuze ebenfalls als Kulturgut, stellte aber sachlich fest: „Es gibt genug.“ Es brauche nicht auf jedem Gipfel ein Kreuz. Deshalb habe man schon in den 80er-Jahren beschlossen, keine neuen Gipfelkreuze mehr aufzustellen. Warum das Thema aktuell erneut heiß diskutiert wird, liegt wohl daran, dass es Aspekte wie Religion, Kultur, Identität und Tradition berührt. Am Status Quo soll sich auch aus Sicht des Alpenvereins nichts ändern, wie Ermacora betont: „Die bestehenden Gipfelkreuze sollen natürlich bleiben. Und wenn ein altes Kreuz morsch geworden ist, wird man es austauschen. Neue brauchen wir aber nicht mehr“, bekräftigte der ÖAV-Präsident.

Konservative Parteien sprechen in Gipfelkreuz-Debatte von „christlicher Tradition“ und „alpiner Kultur“

Bundeslandwirtschaftsminister Norbert Totschnig von der konservativen Volkspartei (VP) spricht im Zusammenhang mit den Gipfelkreuzen von „christlicher Tradition“ und der „alpinen Kultur“ in Tirol. „Wie die Kirche in jedem Dorf ihren fixen Platz hat, sind Gipfelkreuze aus unserem alpinen Landschaftsbild nicht mehr wegzudenken. [...] Die Gipfelkreuze gehören zu unseren Bergen und dort sollen sie auch bleiben!“, zitiert das Portal MeinBezirk Minister Totschnig.

Totschnigs Parteikollege Jakob Wolf, Vorstand der VP in Tirol, bezeichnete Gipfelkreuze als Teil der „Tiroler Identität“. „Sie sind nicht nur markante Orientierungspunkte und stehen symbolisch für den Gipfelsieg und eine bewältigte Herausforderung, sondern repräsentieren auch Tradition und Glaube“, so der Klubobmann laut MeinBezirk. „Gipfelkreuze dürfen nicht politisch instrumentalisiert werden, sie sind ein Zeichen für das christliche Erbe Tirols, und daher Teil der Identität unseres Landes“, sagte der Landesvorsitzende der rechtspopulistischen Partei FPÖ, Markus Abwerzger, über die Position der parteipolitisch neutralen Organisation ÖAV. 

Zuletzt war die Gipfelkreuz-Debatte im Jahr 2016 hochgekocht, als mehrere Kreuze etwa in Bayern und der Schweiz mutwillig abgesägt worden waren. Der Schweizer Künstler Christian Maier trug damals seinen Teil zur Debatte bei, indem er auf einem Schweizer Berggipfel einen fast drei Meter großen Halbmond statt eines Kreuzes aufstellte, „um zu provozieren“, wie er sagte. Der Österreichische Alpenverein warnte im März vor einem gefälschten Schreiben, das über WhatsApp verbreitet würde, in dem unterstellt wurde, der ÖAV würde „die Anbringung eines Halbmondes an einem Berggipfel“ vorschlagen. Gegen die Fälschung gibt es ein rechtskräftiges Urteil. (bme)

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