ESC 2025 wird zur politischen Bühne: Kontroversen im Überblick

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Von: Lisa Mahnke

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Von wegen unpolitisch: Den ESC 2025 überschatten diverse Kontroversen – das Flaggenverbot, die Teilnahme Israels, Nationalismus und mehr. Ein Überblick.

Basel – Deutschland tritt am Samstagabend (17. Mai) gegen 25 Länder beim Finale vom Eurovision Song Contest (ESC) an. Eigentlich soll der Wettbewerb unpolitisch sein. Die Europäische Rundfunkunion (EBU) sorgt mit Verboten dafür: Texte, Ansprachen und Gesten politischer Natur sind ebenso wie Werbung verboten. Dennoch wird der ESC immer wieder auch Schauplatz politischer Einstellungen und Konflikte. Kontroversen um ein Flaggenverbot, Israels Teilnahme am Wettkampf und Nationalismus prägen den ESC 2025.

Nur Länderflaggen erlaubt: Queere Community kritisiert Flaggenverbot beim ESC

Die EBU will in diesem Jahr ihre Flaggenregelung schärfer durchsetzen. Erlaubt ist den Künstlerinnen und Künstlern nur der Auftritt mit ihrer offiziellen Landesflagge. Wird sich nicht daran gehalten, kann sogar die Disqualifikation drohen. Durch die Verschärfung sollen politische Botschaften vermieden werden.

In der queeren Community stieß die Änderung auf Kritik, da beispielsweise Regenbogenflaggen oder Nonbinary-Flaggen ebenfalls nicht mehr erlaubt sind. Bei seinem Sieg im schwedischen Malmö 2024 trat der non-binäre Künstler Nemo in der Schweiz entgegen der Regelungen mit einer Nonbinary-Flagge auf. Das wäre nach den aktuellen Regularien nur mit harten Konsequenzen möglich.

Anders sind die Regularien beim Publikum: Das darf mit allen nach Schweizer Gesetzen zulässigen Flaggen erscheinen. Damit sind zum Beispiel auch palästinensische Fahnen erlaubt, die vereinzelt zu sehen waren. Auch alle Flaggen der LGBTGIA+-Community sind erlaubt – die wurden beim ESC 2024 in Malmö noch konfisziert.

Kontroverse um Israels Teilnahme beim ESC 2025: Frühere Teilnehmer fordern Ausschluss

Für Israel, das ebenfalls Mitglied der EBU ist, tritt im Finale Yuval Raphael an, eine Überlebende des Hamas-Terroranschlags auf Israel am 7. Oktober 2023. Auch in diesem Jahr wird wieder über die Teilnahme Israels diskutiert. Wegen des gewalttätigen Konflikts im Gazastreifen gab es vereinzelt Proteste dagegen, zum Beispiel bei einer Probe zum Halbfinale, bei der Anwesende mit Trillerpfeifen störten.

Musikfans halten israelische Fahnen beim Auftritt von Yuval Raphael beim zweiten Halbfinale des 69. Eurovision Song Contests.
Auch in diesem Jahr wurde um die Teilnahme Israels beim ESC diskutiert – Behörden warnen Israelis und Juden. © picture alliance/dpa | Jens Büttner

Ein offener Brief von 70 früheren Teilnehmenden forderte im Vorfeld, dass Israel wie Russland vom ESC ausgeschlossen werden solle. „Wir akzeptieren diese Doppelmoral gegenüber Israel nicht“, hieß es. Auch der Vorjahressieger Nemo hat den Brief unterzeichnet. Ähnlich äußerten sich Sender sowie Politikerinnen und Politiker in Spanien, Island und Slowenien. Der EBU antwortete, dass Israel durch den öffentlichen-rechtlichen Sender KAN vertreten würde und nicht durch die Regierung. Der deutsche Kulturstaatsminister Wolfram Weimer bezeichnete die Forderungen als „skandalös“.

Antisemitismus beim ESC 2025? Israels Nationaler Sicherheitsrat warnt

In Malmö sollen im letzten Jahr laut WDR Zuschauerinnen und Zuschauer auf dem Weg zu den Shows zum Boykott aufgefordert und beschimpft worden sein, das passiert in Basel offenbar nicht in solchem Ausmaß. Nach einem Vorfall bei der Eröffnungszeremonie reichte KAN laut dem Spiegel allerdings Anzeige gegen einen pro-palästinensischen Demonstranten ein. Er soll eine Geste gemacht haben, die als Drohung interpretiert wurde, jemandem die Kehle durchzuschneiden.

Israels Nationaler Sicherheitsrat warnte Jüdinnen und Juden sowie Bewohnerinnen und Bewohner Israels vor einem Besuch des ESC. Sie wurden angehalten, keine jüdischen oder israelischen Symbole zu zeigen und ihren Aufenthaltsort nicht in sozialen Medien preiszugeben.

Erstmals hat der ESC einen verpflichtenden Verhaltenskodex und Awareness-Teams. Mit pinkfarbenen Westen bieten sie Hilfe bei Diskriminierung oder Belästigung. Dazu gibt es eine 24-Stunden-Hotline für Betroffene, die von Opferhilfestellen in mehreren Sprachen geführt wird. Sogenannte „Safer Spaces“ sollen außerdem als Rückzugsort nutzbar sein, insgesamt vier Standorte sind dafür verfügbar. Rund 1300 Polizeikräfte sind an diesem Wochenende in Basel im Einsatz.

Doppeladler-Geste beim ESC 2025 sorgt für Kritik aus Serbien – EBU hält Füße still

Kontrovers war auch eine Handgeste der albanischen Kandidatin: Bei der Verkündung der Qualifikation Albaniens für das ESC-Finale zeigte die Sängerin der Gruppe Shkodra Elektronike, Beatriçe Gjergji, eine Doppeladler-Geste in die Kamera. Serbische Medien forderten daraufhin die Disqualifikation Albaniens. Sie interpretierten die in Albanien beliebte Geste, die den Adler auf der Nationalflagge nachahmt, als Provokation. Die Geste wird in Folge der angespannten Beziehungen nach dem Kosovo-Krieg häufig so gelesen – Serbien beansprucht den Kosovo nach wie vor für sich, trotz Abspaltung des Gebiets.

Die EBU stufte die Geste nicht als Regelverstoß ein. Sie wurde als Bezug zur Nationalflagge und als „Ausdruck albanischer Identität“ gewertet. Bei vergleichbaren Situationen in Fußballmeisterschaften gab es für die Doppeladler-Geste Konsequenzen: Die Fifa verteilte Warnungen und Geldstrafen, ein Journalist verlor seine Akkreditierung.

Deutschland ist automatisch im Finale – Vorjahresgewinner macht trotzdem Hoffnung auf gute Platzierung

Für Deutschland ist in diesem Jahr das Geschwisterduo Abor & Tynna im Rennen. Von Vorjahressieger Nemo bekamen sie Lob: „Ein unglaublich starker Act“. Weiter hieß es: „Das ist ein Sound, bei dem es einfach Spaß macht mitzusingen. Ich habe das Gefühl, Top 10, das könnte wirklich drin liegen.“ Ein Sieg von Abor & Tynna würde eine lange Durststrecke beenden: Für Deutschland gewann zuletzt im Jahr 2010 Lena Meyer-Landrut mit ihrem Song „Satellite“.

Deutsche Kandidaten nach Lenas Sieg (nach Jahr)Platzierung
Isaak (2024)12
Lord Of The Lost (2023)26
Malik Harris (2022)25
Jendrik (2021)25
Ben Dolic (2020)-
S!sters (2019)25
Michael Schulte (2018)4
Levina (2017)25
Jamie-Lee (2016)26
Ann Sophie (2015)27
Elaiza (2014)18
Cascada (2013)21
Roman Lob (2012)8
Lena Meyer-Landrut (2011)10

Allerdings hat die Teilnahme im Finale noch nichts zu sagen: Deutschland ist automatisch im Finale dabei, da es einer der größten Geldgeber der Europäischen Rundfunkunion (EBU) ist. Die weiteren sogenannten „Big Five“ des ESC sind Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien. Auch der Titelverteidiger Schweiz ist für das Finale gesetzt. Aktueller Favorit ist, zumindest Wettbüros nach, die finnische Gruppe KAJ, die für Schweden antritt. Mit ihrem Saunasong und lustigen Tanzmoves sollen sie im Gedächtnis bleiben. (lismah/dpa/AFP)

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