Nur Wortklauberei oder Faktum: Ist jeder Stern eine Sonne?

Aktualisiert:

Von: Paul Luka Schneider

Uns auf Google folgen

Unsere Sonne überstrahlt zumindest tagsüber auf der Erde alles. In der Nacht leuchten dann nur scheinbar winzige Sterne. Sind das auch Sonnen? Es liegt im Auge des Betrachters.

München – Im Alltag sprechen wir eigentlich immer von einer Sonne, die uns Licht und Wärme spendet. In der Nacht bewundern wir dann oft ein Himmelsgestirn aus allerlei Sternen. Die für die allermeisten Betrachter, vor allem die ohne Teleskop, alle augenscheinlich identisch aussehen. Doch das sind sie nicht. Und gerade deswegen ist auch die Sonne ein Stern. Die Frage, die sich dann natürlich umgekehrt stellt: Ist jeder Stern dann auch gleichzeitig eine Sonne? Vorab: Es gibt keine allgemeingültigen Definitionen.

Der Sternenhimmel leuchtet über einem Rapsfeld bei Neukirchen in Schleswig-Holstein. Daniel Reinhardt/dpa
Faszinierendes Schauspiel: Der Sternenhimmel leuchtet über einem Rapsfeld. © dpa

Definition für einen Stern ist klar – bei der Sonne scheiden sich die Geister

Für Sterne allerdings schon. Sie sind unfassbar warme Kugeln aus Wasserstoff-Gas. Durch die Hitze im Inneren beginnen sie, zu glühen und leuchten als Ganzes. Seine Energie zehrt der Stern dabei aus Wasserstoff-Atomkernen. So wie die Sonne. Der Stern, welcher der Erde am nächsten ist, wurde wegen seiner unwiderlegbaren, eminent wichtigen Wirkung auf die Erde von den Menschen als „die Sonne“ klassifiziert, wie IFL Science schreibt.

Durch die „Deplanetarisierung“ von Pluto und neu geschaffenen Kategorien wie Zwergplaneten weichte dieser vermeintliche Konsens aber auf. Kurzzeitig wurden auch scheinbar unspektakuläre und öde wirkende Himmelskörper, die andere Planeten umkreisen, aber im Gegensatz zu „dem“ Mond – mit einem großen Wirken auf die Erde – nicht so einflussreich sind, als Monde bezeichnet.

Dies könnte man vermeintlich nun auch in Bezug auf die Sterne und den Begriff Sonne tun. Aber nicht bei allen. Weiße Zwerge etwa sind „tot“. Sie strahlen nur noch Restwärme ab. Die für eine Klassifizierung im Kontext einer „Sonne“ notwendige Eigenschaft – eine aktive Kernfusion im Inneren – geht ihnen also ab.

Am Waldrand scheint die Sonne.
Sonnenstrahlen lassen die Erde in satten Farben leuchten und spenden zudem überlebenswichtige Wärme für die Menschheit. © stock&people / Imago

Nur Leuchten allein reicht nicht aus – Venus ist kein „Morgen- oder Abendstern“

Die Venus ist derweil nach der Sonne und dem Mond das dritthellste Licht in unserem Sonnensystem. Der im Volksmund geläufige Begriff „Morgen-“ oder „Abendstern“ ist dabei irreführend. Denn nur weil die Venus leuchtet, ist sie kein Stern, sondern ein Planet.

Ein Stern muss par Definition eigenständig leuchten können. Die Venus allerdings tut das nicht und unser Nachbarplanet ist mit einer mittleren Temperatur von etwas über 460 Grad Celsius auch relativ kalt statt heiß, wie aus Daten des Deutschen Wetterdienstes hervorgeht. Zum Vergleich: Die kältesten Sterne haben eine Oberflächentemperatur von 2500 Grad Celsius, wie die European Space Agency festhält. Von der Erde aus sind Planeten nur dann sichtbar, wenn sie von Sternen Licht gespendet bekommen beziehungsweise angestrahlt werden.

Exoplaneten etwa haben einen anderen, eigenen Stern oder Braunen Zwerg als unsere Sonne, den sie umkreisen. Quasi ihre eigene Sonne. Ohne diese wären sie auch gar nicht entstanden. Der Stern ist also eminent wichtig für das „Leben“ des Exoplaneten. Genauso wie wir ohne unsere Sonne nicht leben könnten. Ob sonnenähnliche Sterne also den Namen Sonne verdienen, liegt deswegen weitestgehend im Auge des Betrachters. (pls)

Kommentare

$Teilen