„Nicht einsetzbar“

Curevac-Impfstoff floppt: Lauterbach fällt vernichtendes Urteil - Herdenimmunität verschiebt sich wohl

  • Thomas Schmidtutz
    VonThomas Schmidtutz
    schließen

Die Zweifel am Corona-Impfstoff-Kandidaten von Curevac waren zuletzt gewachsen. Jetzt ist klar: Die Wirksamkeit ist nicht so gut wie erhofft. SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach

Update vom 17. Juni, 12.23 Uhr - Der SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe Karl Lauterbach hat den Impfstoff von Curevac weitgehend abgeschrieben. „Mit der zu erwartenden geringen Wirksamkeit, selbst wenn sie sich bei der Endauswertung noch leicht verbessert, ist der Curevac-Impfstoff nicht einsetzbar in Deutschland“, sagte der Politiker der Rheinischen Post. Curevac werde „bei der Delta-Variante wahrscheinlich noch schwächer sein, somit keine Rolle mehr spielen.“ Lauterbach bedauerte das unerwartete schwache Abschneiden: „Schade, das Team aus Tübingen hätte Erfolg verdient gehabt“, schrieb der Politiker auf Twitter.

Zugleich warnte Lauterbach vor einer möglichen Verlangsamung der Impfkampagne. Der erwartete Ausfall des Impfstoffs von Curevac sei ein Dämpfer für den Impffortschritt in Deutschland. Die erhoffte Herdenimmunität werde nun wohl erst Mitte September erreicht, erklärte Lauterbach.

Curevac: Impfstoff weniger wirksam als erhofft - Börsenwert halbiert sich nahezu

Update vom 17. Juni, 09.45 Uhr - Geringer als erwartete Wirksamkeitsziele des Corona-Impfstoffkandidaten haben den Börsenwert von Curevac am Donnerstag nahezu halbiert. Am frühen Vormittag notierten die Titel bei knapp 45 Euro und damit rund 43 Prozent tiefer als am Vortag. Zum Handelsauftakt hatte das Minus sogar bei 50,1 Prozent gelegen.

Curecvac hatte am späten Mittwochabend in einer Pflichtbörsenmitteilung eingeräumt, dass der eigene Impfstoffkandidat CVnCoV in einer Zwischenanalyse nur eine vorläufige Wirksamkeit von 47 Prozent gegen eine Corona-Erkrankung „jeglichen Schweregrades“ erzielt habe. Damit habe er die vorgegebenen statistischen Erfolgskriterien nicht erfüllt.

Curevac-Impfstoff floppt: Investoren reagieren entsetzt, Aktie stürzt ab - fataler Morgen für Unternehmen

Erstmeldung vom 17. Juni, 7.15 Uhr – Das Tübinger Biotech-Unternehmen CureVac muss bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs einen schweren Rückschlag verkraften. Eine Analyse zur Wirksamkeit des eigenen Covid-Impfstoff-Kandidaten CVnCoV habe eine „vorläufige Wirksamkeit von 47 Prozent ergeben und erreichte damit nicht die vorgegebenen statistischen Erfolgskritieren“, teilt das Unternehmen am späten Mittwochabend mit. Die Überprüfung mit rund 40.000 Testpersonen solle jedoch weitergeführt werden, hieß es.

Investoren reagieren entsetzt. Im nachbörslichen US-Handel stürzte die Curevac-Aktie um über 50 Prozent ab. Zum Handelsstart in Frankfurt dürfte sich der Ausverkauf auch in Deutschland fortsetzen.

Curevac: Beobachter zweifelten bereits länger an Impfstoff-Kandidaten

Curevac war zuletzt von Aussagen abgerückt, wonach der Impfstoff – wie geplant – noch im zweiten Quartal zur Zulassung gebracht werden sollte. Unter Beobachtern waren daher die Zweifel am Impfstoff von Curevac gewachsen. Erst vor wenigen Tagen hatte auch Gesundheitsminister Jens Spahn auf einem Treffen mit den Gesundheitsministern der Länder erklärt, man rechne nicht vor August mit dem Impfstoff von Curevac. Viele Investoren trennten sich daraufhin von ihren Curevac-Papieren. Zum Handelsstart am Donnerstag dürfte die Aktie richtig unter die Räder kommen.

„Wir hatten auf stärkere Ergebnisse in der Zwischenanalyse gehofft“, sagte Vorstandschef Franz-Werner Haas laut Pressemitteilung. Man habe „aber gesehen, dass es bei dieser beispiellosen Bandbreite an Varianten eine Herausforderung darstellt, eine hohe Wirksamkeit zu erzielen. Wir setzen die Studie bis zur finalen Analyse mit mindestens 80 weiteren Fällen fort. Die endgültige Wirksamkeit könnte sich noch verändern“, erklärte Haas. 

Curevac: Wettbewerber bei mRNA-Technologie mit großem Vorsprung

Ähnlich wie das Mainzer Unternehmen Biontech und der US-Konzern Moderna setzt auch Curevac auf mRNA-Technologie. Bei diesem neuartigen Ansatz sollen Boten (Messenger) genetische Baupläne zur Produktion von unvorstellbar winzigen Mengen von Antigenen in die Zellen transportieren. Die produzierten Eiweiße sollen eine Abwehrreaktion des Immunsystems auslösen, die den Körper dann auch gegen Viren wie das Coronavirus SARS-CoV-2 schützen soll. *Merkur.de ist Teil von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare