Brenner-Sperrung steht an: Tirol macht womöglich sogar die Grenzen dicht – Urlaubern droht Tiefschlag
Uns auf Google folgenAnwohner am Brenner gehen am kommenden Wochenende wegen der akuten Lärmbelästigung auf die Straße. Behörden warnen Autofahrer vor Einschränkungen.
Mitten in den Pfingstferien wird die Brennerautobahn am Samstag (30. Mai) von 11 bis 19 Uhr in beide Richtungen gesperrt – und Behörden, Polizei sowie ADAC warnen vor einem Verkehrschaos historischen Ausmaßes. Auslöser ist eine Anwohner-Demonstration, die ein Gericht erstmals direkt auf der Autobahn genehmigt hat. Initiiert hat die Aktion Karl Mühlsteiger, Bürgermeister der 1.400-Seelen-Gemeinde Gries am Brenner – als Protest gegen die seit Jahren wachsende Verkehrsflut.

Der einfachste Rat von ADAC und Behörden: An diesem Tag, besser am gesamten Wochenende, gar nicht erst ins Auto steigen. Wer dennoch Richtung Süden oder zurück nach Hause muss, steht vor einem Dilemma. Denn neben der Autobahn werden auch die Brennerstraße B182 und weitere Straßen für den Durchgangsverkehr gesperrt. Wer kleinere Straßen nutzen will, muss nachweisen, dort ein konkretes Ziel zu haben. Die Polizei wird nach Angaben von suedtirolnews.it verstärkte Kontrollen durchführen.
Anwohner legen Brenner lahm – ADAC warnt vor Überlastungen auf Ausweichrouten
Großräumige Umfahrungen ab Rosenheim oder dem Inntaldreieck sind theoretisch möglich – etwa über den Gotthard, den San Bernardino, den Reschenpass oder die Felbertauernstraße. Doch ADAC und Tiroler Behörden warnen auch dort vor Überlastung. Die Tauernautobahn A10 gilt nur eingeschränkt als Alternative, Abfahrtsverbote sind angekündigt. Timmelsjoch und Stallersattel empfehlen Experten ausdrücklich nicht.
Auch Reisende, die gar nicht über den Brenner wollen, bleiben nicht verschont. Auf den Autobahnen südlich von München sei mit stehendem Verkehr zu rechnen, teilt die Autobahn GmbH des Bundes mit. „Regionale Fahrten südlich von München und Memmingen in Richtung Alpen sollten an diesem Tag nach Möglichkeit vermieden werden.“ Das Landratsamt Rosenheim warnt vor Rückstaus auf der A8 und der Inntalautobahn A93. Betroffen dürften auch die A95 Richtung Garmisch-Partenkirchen sowie die A7 Richtung Füssen und Tirol sein.
„Katastrophenschutzsonderplan Autobahn“ greift ab 7 Uhr – Grenzübergänge eventuell gesperrt
Das Landratsamt Rosenheim reagiert mit einem „Katastrophenschutzsonderplan Autobahn“. Ab 7 Uhr morgens ist eine Koordinierungsgruppe im Lagezentrum besetzt, die Verkehrslage und mögliche Entwicklungen fortlaufend beobachtet und Hilfsmaßnahmen organisiert. Ziel ist es, die Handlungsfähigkeit von Rettungs- und Einsatzkräften zu sichern. Auch die Tiroler Behörden haben Eskalationsstufen geplant: Bei extremen Verkehrsbehinderungen, die die Versorgungssicherheit gefährden, könnten Grenzübergänge nach Tirol dosiert oder ganz gesperrt werden – eine Einreise wäre dann schlicht nicht möglich.
Schleichwege über Landstraßen und Dörfer sind keine Option. In Teilen Oberbayerns und Tirols gelten Abfahrts- und Durchfahrtsverbote, Verwarngelder drohen. Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd kündigte zwar an, Entscheidungen würden „im Rahmen der Verhältnismäßigkeit“ getroffen – Ziel sei es, Gefahren- und Notsituationen zu vermeiden.
Allen, die dennoch im Stau landen, rät Stauforscher Michael Schreckenberg zu Gelassenheit: nicht ständig beschleunigen, nicht abrupt bremsen, nicht dicht auffahren. Denn genau daraus entstünden die Stauwellen, die sich nach hinten durchziehen. „Ganz locker im Fahrersitz bleiben und einfach mitrollen – so schnell wie der Vordermann“, sagte Schreckenberg im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. Grundsätzlich empfehlen Autobahn GmbH und ADAC: ausreichend Getränke und Proviant einpacken, den Tank vorher vollfüllen.
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Keine allgemeingültige Kulanzregel: Urlauber sollten Hotelstornierungen lieber rechtzeitig tätigen
Wer auf die Bahn umsteigen kann, fährt derzeit besser. Für den Zugverkehr über den Brenner sind bislang keine Einschränkungen angekündigt, die Verbindungen zwischen Deutschland und Italien sollen regulär fahren. Eine Sitzplatzreservierung wird empfohlen.
Urlauber, die ihre Reise verschieben oder absagen müssen, sollten sich direkt und frühzeitig beim Hotel melden. Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des DEHOGA Bayern, stellt klar: „Unser Rat lautet: frühzeitig handeln, direkt beim Hotel melden und nicht einfach fernbleiben. Eine allgemeine Kulanzregel können wir nicht aussprechen, weil jede Buchung unterschiedlichen Bedingungen unterliegt.“ Rechtlich trägt bei Verkehrsproblemen in der Regel der Gast das Risiko, nicht der Hotelbetrieb. Dennoch: „Viele Gastgeberinnen und Gastgeber werden aber bemüht sein, gemeinsam mit ihren Gästen eine faire Lösung zu finden.“ (Quellen: dpa, ADAC, Südtirol News) (jaka)