Steigende Masernfälle in Nachbarländern – „Eines der ansteckendsten Viren, die wir kennen“

Aktualisiert:

Von: Diana Serbe

Uns auf Google folgen

Masern galten als ausgerottet. Neue Todesfälle und erhöhte Fallzahlen sorgen aber für Unruhe unter Medizinern und Bevölkerung.

Hamm – Masern zählen zu den hoch ansteckenden Viruserkrankungen, die tödlich enden können und auch Langzeitschäden nach sich ziehen. Seit 2020 gilt in Deutschland eine Impfpflicht, ab 95 Prozent Impfquote gilt eine Bevölkerung als geschützt. Die Krankheit breitet sich nun besonders unter Kindern nun weltweit wieder aus, es kam zu Todesfällen. Auch deutsche Nachbarländer melden alarmierende Zahlen.

Masern in Europa wieder auf dem Vormarsch: Doppelt so viele Fälle in der Niederlande

Seit 2001 herrscht in Deutschland eine Meldepflicht für Masernerkrankungen. Durch Impfungen und Aufklärungskampagnen konnte die in schlimmen Fällen tödlich verlaufende Masern-Erkrankung bestmöglich eingedämmt werden. Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigen, dass in Europa im Jahr 1980 noch mehr als 850.000 Fälle verzeichnet wurden. Wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilt, war in der Covid-19-Pandemie auch wegen der Abstandsregeln ein deutlicher Rückgang der Fälle festzustellen. Seit 2023 steigen diese allerdings wieder an. Neue Ausbruchswellen in Nachbarländern Deutschlands besorgen nun Experten.

Die WHO meldet weltweit den höchsten Anstieg an Masern-Fallzahlen seit 27 Jahren. Wie das Mediennetzwerk Dachist berichtet, gebe es in den Niederlanden 2025 bisher mehr als doppelt so viele Masernfälle wie im Vorjahr: 108 Infizierte, darunter große Herde an vier Grundschulen. Da auch die letzte große Masernwelle im Land in den Jahren 2013/2014 Gemeinden mit niedriger Impfquote betraf, sehen Experten darin eine Ursache. Die Zunahme der Fälle soll auf Infektionen im Ausland zurückzuführen sein. Mindestens 17 Erkrankte hätten sich in Marokko angesteckt.

Mangelnde Impfmoral Grund für Ansteigen von Masernfällen in den Niederlanden

Das marokkanische Gesundheitsministerium hat seit Anfang 2025 insgesamt 3631 Masernfälle und fünf Todesfälle aus allen Regionen des Landes gemeldet. Seit 2023 wurden 116 Todesfälle registriert. Weitere drei Fälle in den Niederlanden wurden nachweislich aus Rumänien importiert, wo die Krankheit seit Jahren wieder floriert. 2024 wurden dort EU-weit die meisten Masernfälle gemeldet.

Obwohl seit 1976 die Masernimpfung zum staatlichen Vorsorgeprogramm in den Niederlanden gehört, habe die Impfmoral stetig nachgelassen. Grund seien Überzeugungen in religiösen Gemeinschaften und eine neue Impfskepsis. Das macht vor allem Schulen zu Ausbreitungsherden. In den USA starb ein ungeimpftes Mädchen an einer Lungenentzündung als Folge der Masern-Infektion. Dort schockierte der neue unter Donald Trump (78) agierende Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. (71) mit einer seltsamen Empfehlung als Masernschutz.

Auch in Belgien warnt man vor dem Virus. LaLibre gegenüber empfiehlt die Expertin Laura Cornelissen, sich vor Masern in Acht zu nehmen, da „es eines der ansteckendsten Viren“ sei, „die wir kennen“.

Auch in Belgien weisen Abwasserproben auf Masernherd hin

Wie das belgische Medium berichtet, weiß man aus Abwasserproben in Belgien, dass sich eine marokkanische Variante verbreite. Das Risiko für schwere Krankheitsverläufe ist bei Kindern unter fünf Jahren und bei Erwachsenen über 20 Jahren erhöht. Dazu zählen laut Bundesgesundheitsministerium Mittelohr- und Lungenentzündungen oder sogar eine Gehirnentzündung. Wer sich ansteckt, läuft Gefahr, Spätfolgen davonzutragen, die sich erst bis zu zehn Jahre nach der Infektion zeigen und dann immer noch tödlich verlaufen können.

Zwischen der Infektion und dem Auftreten der ersten Symptome (Inkubationszeit) liegen sieben bis manchmal 21 Tage. Die Ansteckungszeit beginnt drei bis fünf Tage vor dem Auftreten der ersten Symptome und hält bis vier Tage nach dem Auftreten des für Masern typischen Hautausschlags im Gesicht und hinter den Ohren auf. Zu den Symptomen zählen laut Robert-Koch-Institut (RKI) Fieber, Bindehautentzündung, Schnupfen und Husten. In der ersten Phase treten an der Mundschleimhaut Entzündungen mit Rötungen und Bläschen auf.

Masern verbreiten sich wieder in Europa. Das soll auch an Nachlässigkeit beim Impfen liegen.
Masern verbreiten sich wieder in Europa. Das soll auch an Nachlässigkeit beim Impfen liegen. © Panthermedia/IMAGO

Eine wirksame antivirale Therapie gegen Masern existiert laut RKI nicht. Die Symptome wie Fieber können einzeln mit fiebersenkenden Medi­kamenten behandelt werden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine erste Impfung gegen Masern als Masern-Mumps-Röteln-Kombinationsimpfung (MMR) bei Kindern im Alter von elf Monaten. Die zweite Impfung sollte im Alter von 15 Monaten erfolgen. Zwischen den beiden Impfungen muss ein Abstand von mindestens vier Wochen liegen. Auch Erwachsene können sich noch immer anstecken und sollten ihren Impfschutz nachholen.

Für Reisen ins Ausland sind verschiedene Impfungen Pflicht – eine Übersicht. (diase)

Kommentare

$Teilen