Internet-Schnäppchen stellt sich als Gemälde von Raffael heraus – und ist plötzlich Millionen wert

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Von: Anna Laura Müller

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Ein Sammler kauft, ohne es zu wissen, ein Gemälde des italienischen Renaissancekünstlers. Experten belegen die Herkunft und entdecken weitere Details.

Paris –  Was wäre, wenn sich das Gemälde, dass man auf dem Flohmarkt für ein paar Euro kauft, plötzlich als wertvolles Original eines großen Künstlers herausstellt? Etwa so, aber in einer etwas größeren Dimension, hat es sich jetzt für einen französischen Kunstsammler ereignet. Zwar waren es nicht nur ein paar Euro, sondern etwa 35.000, verglichen mit dem tatsächlichen Wert trotzdem ein Schnäppchen. Der Käufer, der anonym bleiben möchte, kaufte für diese Summe online ein Bild von einer Londoner Kunstgalerie. Erst im Nachhinein stellt sich das Gemälde dann als eines des berühmten Malers Raffael heraus. Und ist damit wahrscheinlich einige Millionen wert.

Im Internet gekauftes Schnäppchen stellt sich als Millionen-Gemälde heraus

Raffaello Sanzio (1483-1520), wie der italienische Maler auch genannt wurde, gilt als einer der bedeutendsten Künstler der italienischen Hochrenaissance. Vor allem für seine Madonnenbilder wurde er berühmt. Das nun aufgetauchte Werk zeigt die Heilige Maria Magdalena vor einem schwarzen Hintergrund. „Als ich sie zum ersten Mal auf einem Foto im Internet sah, erregte diese Heilige Maria Magdalena sofort meine Aufmerksamkeit“, sagte der Käufer der Nachrichtenagentur AFP. Er entschied sich zum Kauf für 35.000 Euro, nicht wissend, dass es ein Werk des berühmten Raffaels ist. Bis dahin war man davon ausgegangen, dass es sich um ein Gemälde eines nicht bekannten Schülers von Leonardo da Vinci handelte.

Person hält ein Gemälde einer Frau vor schwarzem Hintergrund, das der Maler Raffael gemalt haben soll.
Das Bild der Heiligen Maria Magdalena wird in Paris präsentiert. Experten haben es dem Renaissancekünstler Raffael zugeordnet. © Geoffroy van der Hasselt/AFP

Doch es kam anders: Eine französisch-italienische Expertengruppe verkündete nach mehreren Analysen, das Werk dem Künstler und Architekten Raffael zuordnen zu können. Das geschah aber nicht ohne zweifelnde Stimmen: Die Experten gaben im September auf einer internationalen Konferenz in der italienischen Stadt Pergola bereits erste Einblicke in ihre Studie. Laut einem Bericht des Kunsthandel-Dienstleisters Artnet, zeigten sich dort nicht alle Anwesenden überzeugt von der Echtheit. Anfang Oktober veröffentlichte die Expertengruppe dann aber einen Artikel auf Iste Open Science mit dem Titel „Raffaels Maria Magdalena oder wenn der Schüler den Meister übertrifft“ (Originaltitel: „La Marie-Madeleine de Raphaël ou quand l’élève dépasse le Maître“), in dem sie die Zuordnung zu Raffael belegten.

Schnäppchen aus dem Internet: Bild ist unter Einfluss von Leonardo da Vinci entstanden

Das Bild soll demnach in der Zeit um 1505 entstanden sein, als Raffael auf Leonardo da Vinci traf. Zuvor war Raffael als Schüler unter dem Maler Pietro Perugino beeinflusst. Das neu entdeckte Bild zeige aber den neu dazugekommenen Einfluss von da Vinci auf Raffael, der sich zum Zeitpunkt ihrer Begegnung von der Kunst Peruginos emanzipierte, so die zwei Kunstexpertinnen Annalisa Di Maria und Nathalie Popis gegenüber der AFP. Die Experten gehen davon aus, dass Chiara Fancelli, die Frau von Perugino, als Vorbild für das Gemälde diente.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich die Kunstwelt uneinig ist, wenn es um die Feststellung der Echtheit eines Gemäldes geht oder um die Zuordnung verloren geglaubter Werke. Manchmal verschwinden Originale sogar im Fundus von Museen und werden erst später wiederentdeckt. Der Handel mit Fälschungen ist ein lukratives Geschäft und so landen immer wieder als original geglaubte Bilder bei Sammlern oder in Galerien. Erst vor kurzem musste ein „Bares für Rares“-Kandidat in der Sendung erfahren, dass sein Dalí-Gemälde, dass er als solches gekauft hatte, gar keines ist. Ein echter Picasso löste dagegen in der gleichen Sendung schon einmal einen Bieter-Wettstreit aus. (alm)

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