Kroatien verliert Spitzenplatz: Neue Urlaubs-Perle tut sich bei deutschem Nachbarn auf
Uns auf Google folgenImmer mehr Tschechen verbringen ihren Sommer inzwischen an der polnischen Ostsee – und Kroatien als Top-Reiseziel ablösen.
Prag – Tschechische Touristen haben ein neues Lieblingsreiseziel entdeckt: Die polnische Ostseeküste. Dieser überraschende Trend zeichnet sich seit dem letzten Jahr ab und könnte weitreichende Folgen für den europäischen Tourismus haben. Während Kroatien jahrzehntelang als das „tschechische Meer“ galt, wenden sich immer mehr Urlauber aus der Tschechischen Republik nun dem Norden zu.

„Seit letztem Jahr ist die Präsenz tschechischer Touristen an der Ostsee wirklich spürbar“, berichtet der Journalist Jakub Medek vom polnischen Nachrichtenradio TOK FM gegenüber Deutsche Welle. „Ich habe das Gefühl, dass sie in diesem Sommer die größte Gruppe unter den Ausländern bilden.“
Rekordandrang: Immer mehr Tschechen zieht es an Polens Ostseeküste
Dieser Eindruck wird durch offizielle Statistiken bestätigt. Laut Pavel Trojan von der tschechischen Vertretung der polnischen Tourismusbehörde wurden im vergangenen Jahr 410.000 Übernachtungen tschechischer Touristen in Polen verzeichnet. Noch beeindruckender sind die Prognosen für dieses Jahr: Die polnische Website Gazeta.pl schätzt, dass die Zahl der tschechischen Besucher an der Ostsee in diesem Jahr 800.000 erreichen könnte – mehr als je zuvor nach Kroatien reisten.
Jan Papež vom Verband der tschechischen Reisebüros fasst die Gründe für diesen neuen Trend im Gespräch mit dem MDR zusammen: „Für viele Tschechen sei es bequemer, nach Polen zu fahren, also in ein Land, in dem es praktisch keine oder nur eine sehr kleine Sprachbarriere für sie gibt. Und das alles zu Preisen, die erschwinglich und in einigen Bereichen sogar günstiger seien, als zum Beispiel in Kroatien.“
Neue Verkehrswege fördern Tourismus zwischen Tschechien und Polens Ostseeküste
Auch klimatische Faktoren spielen eine Rolle. Piotr Piwowarczyk, Vorsitzender der Swinemünder Tourismusorganisation, erklärte gegenüber der Ostsee-Zeitung.: „Die Tschechen schätzen auch das kühlere Klima“. Die verbesserte Infrastruktur in Polen trägt ebenfalls zur Attraktivität des Landes bei. Mit dem Bau der Schnellstraße S3 verkürzt sich die Fahrzeit an die Ostsee auf fünf Stunden. Zudem gibt es nun viermal täglich den „Baltic Express“ von Prag nach Gdynia, Sopot und Danzig.
Wie die Deutsche Welle schreibt, hat die „tschechische Invasion“ an der polnischen Ostseeküste auch wirtschaftliche und politische Auswirkungen. Hanna Mojsiuk, Vorsitzende der Nördlichen Handelskammer in Stettin, erklärte der Ostsee-Zeitung: „Viele Polen fahren am Wochenende nach Prag, viele Tschechen dagegen an die polnische Küste. Ein solcher touristischer Austausch zeigt, welches Potenzial wir noch haben“. (jal)