Gardasee: „besonders spannend“ für neu entdeckte Touristen-Gruppe
Uns auf Google folgenDer Gardasee erlebt einen ungebremsten Tourismus-Aufschwung. Eine spezielle Kulturgruppe findet plötzlich Gefallen an Italien. Was das mit der Region macht.
Torri del Benaco – Der Gardasee ist schon seit Jahrzehnten beliebtes Ziel für Urlaub in Italien – nicht nur für Italiener im eigenen Land, auch für Tausende Touristen aus Nachbarländern wie Deutschland, Österreich und der Schweiz. Trotz Dürre und ansteigender Preise reißt die Beliebtheit der Region um den Benaco, wie der See in Norditalien auch genannt wird, nicht ab. Zu den bisherigen Urlaubern gesellt sich nun eine weitere Gruppe, die man dort so nicht erwartet hätte.
Italien-Urlaub am Gardasee: Nicht mehr nur bei Deutschen beliebt
Im Westen die Lombardei, im Osten Venetien: Der Gardasee als größter See Italiens liegt in einer der landschaftlich eindrucksvollsten Regionen der Appeninenhalbinsel. Vor allem im Sommer genießen Besucher die Vorzüge des klaren Wassers, der sauberen Strände und natürlich Dolce Vita mit mediterraner Kost bei Sonne und lockeren Gesprächen. Dabei fällt auf, dass unter ihnen ein Kulturkreis immer mehr zunimmt.
Wie die italienische Zeitung Corriere della Serra berichtet, interessieren sich arabische Touristen für den Gardasee. In einer anderen italienischen Ferienregion wurden Touristen gerade großflächig zur Kasse gebeten.
Das Medium befragte dazu Wael Farouq, Professor für arabische Sprache und Kultur an der Università Cattolica del Sacro Cuore in Mailand.
Der stellt über das Reiseverhalten der neuen Gardasee-Fans fest: „Besonders spannend ist, dass sie auch im Winter kommen“. Immerhin herrschen dort gerade teils einstellige Temperaturen mit einigen Regentagen. Für die Reisende aus der heiß-trockenen Region ist das eine enorme Klimaumstellung.
Arabische Touristen am Gardasee: Was die Faszination ausmacht
Die Golfstaaten um Bahrain, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate wie Dubai und Abu Dhabi warten selbst mit spektakulären Sehenswürdigkeiten auf. Es vergeht kein Tag, an dem nicht an einem neuen Mega-Projekt auf der Arabischen Halbinsel gebaut wird oder ein neuer Rekord erzielt werden soll. Was also fasziniert die arabischen Touristen an den norditalienischen Landschaften? Experte Farouq erklärt: „Die arabischen Touristen schätzen die besondere Natur, die Kulinarik, die Geräusche der Umgebung und die einzigartigen Farben der Landschaft, etwa die Herbstwolken, die sie in ihrer Heimat nicht finden können.“

Die Golfstaaten hätten seit den 1990er Jahren tiefgreifende gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen erlebt. Etwa zwei Millionen Studenten seien dank ihrer Ausbildung in westlichen Ländern auch „semi-westlich geprägt“. Die arabischen Touristen seien zwischen 20 und 55 Jahre alt und würden oft mehrere Sprachen sprechen.
Auch wenn sie in puncto Gastfreundschaft Italienern ähneln würden, Araber suchten Erfahrungen und Begegnungen mit anderen Kulturen, wenn sie reisen. Dabei sei Authentizität sehr wichtig und der Gardasee diene als ideale Brücke zwischen den Kulturen. Wo sonst die Schweizer Seen bisher beliebt waren, entwickle sich der Gardasee wegen seiner besonderen Mischung aus Natur, Kultur und Herzlichkeit zu einem attraktiven Ziel für diesen Kulturkreis. Neben Arabern sehe man der italienischen Lokalzeitung Quibrescia zufolge auch bei Polen ein deutlich zunehmendes Interesse an der Region Gardasee.