Experte besorgt: Immer mehr junge Menschen greifen zu Schlafmitteln – trotz hoher Suchtgefahr

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Von: Nadja Orth

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Eine aktuelle Untersuchung hat sich mit den Einschlafhilfen von Erwachsenen auseinandergesetzt. Trotz erheblicher Risiken ziehen viele Personen Schlaftabletten vor.

München – Rund 30 Prozent der Deutschen haben Probleme beim Einschlafen, mehr als jeder Zweite wacht nachts auf. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Krankenkasse Pronova BKK, die im vergangenen Jahr das Schlafverhalten von Erwachsenen in Deutschland untersucht hat. Angesichts der weit verbreiteten Schlafprobleme greifen vor allem junge Menschen offenbar auf Hilfsmittel zurück – doch diese reichen von pflanzlichen Mitteln bis hin zu verschreibungspflichtigen Tabletten mit hoher Suchtgefahr.

Einschlafprobleme bei Erwachsenen: Vor allem die Generation Z greift häufig auf Hilfsmittel zurück

Ein Vergleich der Generationen habe ergeben, dass vor allem die Generation Z gelegentlich auf Schlafmittel zurückgreift. Mit einem Anteil von fast 60 Prozent unter den 18- bis 29-Jährigen schneidet die Generation laut der Studie schlechter als alle anderen Altersklassen ab. Der Beratungsarzt der Krankenkasse, Gerd Herold, vermutet, dass der Grund für Schlafprobleme in dem Alter vor allem in der intensiven Mediennutzung liegen könnte, aber auch im wachsenden Stress bei jungen Erwachsenen.

Ein Mann sitzt nachts neben der aufgeschlagenen Bettdecke und kann nicht schlafen
Schlafprobleme können auf Dauer den Alltag beeinträchtigen. Gesunde Schlafgewohnheiten können deshalb Gold wert sein. (Symbolbild) © Frédéric Cirou /IMAGO

Als Folge würde „schnell zu einem Präparat gegriffen [werden], ohne über mögliche Risiken nachzudenken“, so Herold im Hinblick auf die Ergebnisse. Umso wichtiger sei es, junge Erwachsene ausreichend über gesunde Schlafgewohnheiten und gesündere Alternativen zu risikoreichen Mitteln aufzuklären. Die Ergebnisse würden darauf hindeuten, dass die Medikamente in dem Alter zu leichtfertig genommen werden.

Über die Studie

Nach eigenen Angaben hat die Krankenkasse Pronova BKK für ihre Studie 2.000 Männer und Frauen ab 18 Jahren repräsentativ nach Alter, Geschlecht und Bundesland in den Monaten September und Oktober 2024 online zu ihrem Schlafverhalten befragt.

Einschlafprobleme bei Erwachsenen: Das nehmen die Deutschen am häufigsten ein

Auch Generationen übergreifend gibt es laut dem Arzt viele Ursachen für Schlafprobleme: „Stress, belastende Gedanken oder ein volles Abendprogramm, das zu wenig Zeit zum Entspannen lässt. Oft spielt auch ein hoher Medienkonsum eine Rolle – sei es das Handy oder zu spannende Filme vor dem Schlafengehen. Das Gedankenkarussell kommt dann nicht zur Ruhe, sondern bleibt aktiv.“ Dabei haben Bewegung und Schlafen statt Fernsehen außergewöhnliche Effekte auf den Körper.

Insgesamt setzt ein Großteil der Befragten (29%) bei Schlafschwierigkeiten aber auf pflanzliche Hilfsmittel. Dazu zählen zum Beispiel Baldrian, Passionsblume oder Melisse. Diese seien laut Herold beliebt, weil sie das Einschlafen unterstützen, ohne abhängig zu machen. Zudem seien sie meist gut verträglich.

Jeder vierte Erwachsene nimmt melatoninhaltigen Schlafmittel, jeder fünfte verschreibungspflichtige Medikamente

Kritischer hingegen sieht der Arzt den Einsatz von melatoninhaltigen Schlafmitteln, zu denen laut der Studie mehr als jeder vierte Erwachsene greift. Melatonin ist ein vom Körper eigen hergestelltes Hormon, das den Schlaf-Wach-Zyklus reguliert. „Die Einnahme kann zu morgendlicher Benommenheit, verringerter Aufmerksamkeit oder verlängerten Reaktionszeiten führen“, warnt er. „Deshalb sollte mit ihnen vorsichtig umgegangen werden.“

Jeder fünfte Erwachsene in Deutschland nimmt den Ergebnissen zufolge verschreibungspflichtige Schlafmittel ein. Dabei sollen diese mit großer Vorsicht und „nur gezielt“ eingenommen werden, mahnt Herold. Besonders chemische Mittel wie Benzodiazepine (Valium) würden zwar beim Einschlafen helfen, „bergen aber ein hohes Abhängigkeitsrisiko, vor allem wenn sie über mehrere Wochen eingenommen werden“. Eine Einnahme sollte daher nur im Ernstfall, über kurze Zeit und nach Absprache mit dem behandelnden Arzt eingenommen werden.

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