6 diskriminierende Redewendungen, die wir aus der Alltagssprache kicken
Uns auf Google folgenManche unserer „flotten“ Sprüche sind rassistisch oder beleidigend. Ob du sie nutzt und welche Alternativen es gibt, liest du hier.
Debatten über die Umbenennung von Lebensmitteln oder ein „Gender-Verbot“ zeigen: Nur weil wir dieselbe Sprache sprechen, sind wir uns noch lange nicht einig, was wir sagen dürfen oder sollten. Es gehören auch immer noch frauenfeindliche Begriffe zu unserer Alltagssprache.
Beim genaueren Blick auf Sprachbilder erkennen wir nicht nur Geschlechterunterschiede. Wir nutzen – oft unbewusst – ebenso Ausdrücke, die andere Nationalitäten angreifen oder sie herabwürdigen. Bei manchen liegt das Problem auf der Hand, bei anderen müssen wir etwas länger überlegen, um zu erkennen, warum sie problematisch sind.
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7 diskriminierende Redewendungen
Auch wenn wir manche Ausdrücke ohne böse Absichten verwenden oder einfach einen Witz machen wollen, können wir Menschen damit verletzen. Deswegen ist es wichtig, immer wieder über die eigene Wortwahl nachzudenken. Welche Redensarten diskriminierend sein können und welche Alternativen du stattdessen nutzen kannst, hat BuzzFeed News Deutschland für dich recherchiert.

1. „Einen polnischen machen“
Hast du schon mal einen „polnischen Abgang“ hingelegt? Also eine Party oder eine gesellige Runde verlassen, ohne dich zu verabschieden? Oft als Witz gemeint, ist dieser Begriff aber nicht ganz unproblematisch. Es gibt verschiedene Theorien, wie dieser Ausdruck seinen Weg in unseren Sprachgebrauch gefunden hat. Eine besagt, dass er mit dem Vorurteil entstan, dass Menschen aus Polen häufig stehlen würden und sich deswegen heimlich – eben ohne Gruß – davonschleichen.
Es gibt auch eine Herleitung, die dagegen spricht, dass es hier speziell um Vorurteile gegen Polinnen und Polen geht. Denn diesen Ausdruck gibt es auch in anderen Sprachen. So sagen Menschen in Polen „einen englischen Abgang machen“. Dieser Ausdruck ist auch in Frankreich üblich. In der Sprachwissenschaft geht man deswegen davon aus, dass es sich um Kriegsressentiments handelt, um anderen Völkern Unhöflichkeiten und schlechtes Benehmen nachzusagen.
Besser wäre, jegliche Länder aus dem Spiel zu halten und wertfreie Alternativen zu nutzen, wie „sich grußlos verabschieden“. Vielleicht hast du auch schon mal die Redewendung „...dann ist Polen offen gehört“? Diesen und sieben weitere Begriffe aus dem Kriegsjargon und Nazi-Sprech erklären wir hier.
2. „Das kommt mir spanisch vor“
Diese Floskel stammt aus dem 16. Jahrhundert, als „ungewöhnliche“ Bräuche mit Karl V. nach Deutschland kamen. Dieser König gehörte zum Haus der Habsburger, war aber gebürtiger Spanier. So wollte er Spanisch als Verkehrssprache einführen.
Heute sind wir weiter als die Menschen zwischen Mittelalter und Neuzeit. Deswegen müssen wir fremde Kulturen nicht mehr als Synonym für „seltsam“ nutzen und können einfach sagen: „Das kommt mir komisch vor“.
3. „Sack Reis in China“
Der berühmte Sack Reis, der in China angeblich ständig umfällt, ist eine Redensart, die Unerheblichkeit ausdrückt. Wenn jemand auf deine Geschichte antwortet, „und in China fällt ein Sack Reis um“ kannst du davon ausgehen, dass sie kein Aufreger ist. Den Ausdruck gibt es in verschiedenen Varianten, etwa „wenn ein Rad in Holland umfällt“ oder auch „wenn in Peking ein Rad umfällt“.
Auch wenn sie nicht böse gemeint sind, reproduzieren solche Bemerkungen Klischees. In China gibt es nicht nur Reis und die Niederlande werden nicht nur von radfahrenden Menschen bevölkert.
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4. „Treulose Tomate“
Wer Verabredungen sausen lässt oder ein gegebenes Versprechen bricht, ist im deutschen Volksmund eine treulose Tomate. Woher das Wort Tomate und viele andere Alltagswörter ursprünglich kommen, erfährst du hier. Laut der wahrscheinlichsten Theorie stammt die Redensart aus dem Ersten Weltkrieg.
Das Königreich Italien verbündete sich erst mit Deutschland und Österreich-Ungarn, wurde dann wortbrüchig und schlug sich auf die Seite der Alliierten (in Italien war der Tomatenanbau zu dieser Zeit bereits etabliert). Besser wären Wendungen wie „auf dich ist kein Verlass“. Das drückt dasselbe aus und hat keine fragliche Hintergrundgeschichte.
5. „Sieht aus wie bei den Hottentotten“
Dieser Begriff geht auf die Kolonialzeit zurück. Als „Hottentotten“ bezeichnete die niederländische Krone verschiedene in Südafrika und Namibia lebende Völker. Die Kulturwissenschaften gehen heute davon aus, dass sich die ungewohnten Laute der lokalen Sprachen für die Siedlerinnen und Siedler wie Stottern anhörten, sodass sie die dort lebende Bevölkerung als „Stotterer“ (im nördlichen Dialekt des Afrikaans „hottentots“) bezeichneten.
„Sieht aus wie bei den Hottentotten“ nutzen Deutsche heute vor allem, um einen chaotischen Zustand auszudrücken. Aus historischen Quellen geht hervor, dass unter diesem Namen jegliche Völker gruppiert wurden, die nach Ansicht der Kolonialmächte „kulturlos“ oder „nicht zivilisiert“ waren. Da es sich also um eine Fremdbezeichnung handelt, die rassistische Stereotype verbreitet, sollten wir diesen Begriff nicht mehr benutzen.
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6. „Etwas türken“
Die Wendungen „etwas türken“ oder „einen Türken bauen“ bedeuten so viel wie etwas vortäuschen oder improvisieren. Klar ist, dass der Ursprung bei türkischstämmigen Menschen liegt. Wie genau sich diese Redensart entwickelt hat, ist aber strittig. Laut einer Herleitung liegt der Ursprung im Krieg gegen das Osmanische Reich, als Soldaten vorgetäuschte Militärmanöver ausführten.
Aber auch ein manipulierter Schachautomat, in dem ein türkischer Mann gesessen und die Figuren bewegt haben soll, wird in etymologischen Wörterbüchern erwähnt. So oder so drückt das Wort ein großes Misstrauen gegenüber türkischen Menschen aus und bedient Vorurteile.
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