„Viel Potenzial“: Barmer fordert mehr Aufklärung über Gesundheitsapps
Uns auf Google folgenTeuer und nutzlos oder Zukunft der Medizin? Experten erklären, warum wir mehr Informationen über digitale Gesundheitsanwendungen brauchen.
„Die Entwicklung der Digitalen Gesundheitsapps steht noch am Anfang“, eröffnet Prof. Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Krankenversicherung Barmer, die Präsentation des Arztreports 2024 am 27. Februar in Berlin. Im Zentrum stehen Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA).
Apps auf Rezept, die Ärzte ihren Patienten für verschiedene Beschwerden wie Depression, Adipositas oder Diabetes verschreiben können und von Krankenkassen bezahlt werden. Obwohl die digitalen Gesundheitsanwendungen „nicht vollständig in der Versorgung“ angekommen seien, sei die bisherige Entwicklung positiv zu bewerten, so der Experte.
Damit fällt das Fazit von Barmer deutlich positiver aus, als das des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen (GKV). Dieser veröffentlichte schon zu Beginn des Jahres einen Bericht. Demnach seien die meisten Digitalen Gesundheitsapps nicht nur zu teuer, sondern auch nutzlos.
Patienten benutzen Apps nicht richtig
Es gebe zu viele Anwendungen, die trotz ihrer Aufnahme in den gesetzlichen Leistungskatalog des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) keinen Nutzen für Patienten nachweisen konnten, hieß es im Bericht der GKV. Laut GKV haben die Hersteller der Apps nur bei jeder fünften digitalen Anwendung einen positiven Effekt für Patienten nachgewiesen, etwa eine medizinische Verbesserung oder auch die regelmäßigere Einnahme von Medikamenten.
Auf Nachfrage von BuzzFeed News Deutschland, ein Portal der Ippen.Media, wie Barmer zu den Ergebnissen des GKV-Berichts stehe, antwortet Straub: „Der erwartbare Nutzen tritt nur ein, wenn sich alle an die indikationsgerechte Anwendung halten. Viele Patienten nutzen die Anwendung aber nicht über den gesamten Zeitraum von 90 Tagen“. Die Krankenkassen müssten dennoch für den vollen Zeitraum bezahlen. Laut GKV beläuft sich die Summe seit Einführung der DiGA im Jahr 2020 auf 113 Millionen Euro.
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„Weiterer Anstieg zu erwarten“ – Generationswechsel bei Versicherten und Ärzten
Trotzdem haben DiGA „viel Potenzial“, so Straub, vor allem bei chronischen Krankheiten habe „jeder Impuls der Interaktion mit der Erkrankung einen wichtigen therapeutischen Effekt“. „Falschen Erwartungen“ aufgrund mangelhafter Benutzung der Anwendung könne man mit mehr Transparenz und Informationsvermittlung entgegentreten. In der Pflicht sieht der Krankenkassenmanager einerseits die behandelnden Ärzte gegenüber ihren Patienten, aber auch das BfArM, das den Ärzten mehr Informationen zu den einzelnen Anwendungen zur Verfügung stellen sollte.
Besonders in Anbetracht der Demografie. Noch seien DiGA nicht in allen Bevölkerungsgruppen angekommen. Das sei möglicherweise auf eine Skepsis der älteren Generationen zurückzuführen, so der Autor des Arztreports Prof. Joachim Szecsenyi. „Sowohl bei den Behandlern als auch bei den Behandelten“. Über 80 Prozent der befragten Ärzte haben laut Barmer noch nie eine DiGA verschrieben. Doch das werde sich ändern. „Ein Generationswechsel steht an. Eine junge Generation wächst mit Apps auf, so wird auch die Bereitschaft und die Kompetenz zur interaktiven Auseinandersetzung mit einer Erkrankung“ steigen.

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Experte und Nutzerin sind sich einig: Apps sind eine gute Unterstützung
Dennoch dürfe man die digitalen Gesundheitsanwendungen nicht „überbewerten“. Szecsenyi erklärt: „DiGA sind eher ein Co-Therapeutikum zur Unterstützung und um Versorgungslücken zu überbrücken. Um zu sehen, welche Effekte sie haben und ob sie die hohen Kosten rechtfertigen, muss man sie über einen langen Zeitraum beobachten.“
Ähnliches berichtet eine Nutzerin BuzzFeed News Deutschland. Anja verwendet eine DiGA gegen Stress und Burnout. „Die App allein kann dich nicht rausholen, wenn du schon richtig tief drin bist“, erklärt sie. „Aber es ist eine gute Unterstützung.“