Australien fällt umstrittenen Beschluss: Tausende Wildpferde sollen abgeschossen werden
Uns auf Google folgenAbschuss aus dem Helikopter. In einem Wildpark in Australien sollen Wildpferde radikal dezimiert werden. „Wir müssen handeln“, sagt die Umweltministerin.
Sidney – Australien ist bekannt für seine einzigartige Tierwelt. Neben den landestypischen Kängurus sind auf der Insel auch viele giftige Spinnenarten, Schlangen und mysteriös aussehende Insekten zu Hause. Doch eine Tierart steht gerade besonders im Fokus: die Wildpferde im Kosciuszko Nationalpark. Die örtlichen Behörden haben vergangenen Freitag (27. Oktober) den Abschuss von Tausenden der Pferde angekündigt. Dabei soll auch der Abschuss per Hubschrauber erlaubt sein. Das soll dem heimischen Artenschutz dienen. Denn die sogenannten Brumbies, wie die Wildpferde heißen, gelten in Australien als Plage.
Tausende Wildpferde sollen in Australien von Helikoptern abgeschossen werden
Die Pferde wurden ursprünglich im 18. Jahrhundert als domestizierte Pferde von europäischen Siedlern nach Australien gebracht. Als diese keinen Nutzen mehr für sie hatten, ließen sie die Tiere einfach frei. Seitdem haben sie sich massiv verbreitet. Im Kosciuszko-Nationalpark wurden im November 2022 laut Angaben des Umweltministeriums von North South Wales rund 19.000 Wildpferde gezählt. Nach Plänen der Umweltbehörde soll die Zahl bis 2027 auf 3000 reduziert werden.
Neben dem Abschuss per Helikopter sollen auch bisherige Methoden, wie das Aufstellen von Fallen, die klassische Jagd am Boden und die Umsiedlung der Pferde weiterhin dazu beitragen, die Population zu regulieren. Es seien einfach zu viele Wildpferde im Kosciuszko Nationalpark, teilte Umweltministerin von North South Wales Penny Sharpe mit. „Heimische Arten sind vom Aussterben bedroht und das gesamte Ökosystem ist gefährdet. Wir müssen handeln“, so Sharpe in einer Mitteilung des Umweltministeriums.
Australiens Pflanzenvielfalt leidet unter den Wildpferden
Der negative Einfluss auf die Biodiversität im Kosciuszko-Nationalpark wird immer wieder als Grund genannt, die Population der Wildpferde zu regulieren. Die Pflanzenvielfalt dort ist enorm und besonders niedrig wachsende Pflanzen, die den Pferdeherden relativ ungeschützt ausgesetzt sind, sind gefährdet. Werden die Pflanzen regelmäßig niedergetrampelt, können sie sich nicht rechtzeitig erholen, um nachzuwachsen. Auch Lebensräume von seltenen heimischen Tieren werden durch die Ausbreitung der Wildpferde zerstört. Naturschützer sehen die Tiere deswegen als Plage an. Auch, weil sie sich sehr schnell vermehren.

Laut der Umweltbewegung „Invasive Species Council“ leben heute bis zu 400.000 Brumbys in ganz Australien. Die Nichtregierungsorganisation reagierte mit Zustimmung auf die Entscheidung der Behörden von New South Wales. „Jetzt können unsere Park-Ranger endlich mit der schwierigen Arbeit fortfahren, tausende Wildpferde zu entfernen, bevor unsere Berge und Flüsse irreparabel niedergetrampelt werden“, so Sprecher Jack Gough.
Gegner des Abschusses der Wildpferde argumentieren hingegen mit dem Wert der Pferde als Teil der Geschichte und Kultur Australiens. Sie fordern einen gesonderten Schutz der Brumbies.
Abschuss von Wildpferden aus Helikoptern war schon einmal erlaubt
Schon im Jahr 2000 war von den australischen Behörden der Abschuss der Wildpferde per Hubschrauber erlaubt worden. Innerhalb von drei Tage wurden damals mehr als 600 Tiere getötet. Daraufhin folgten heftige Proteste und die Methode wurde wieder verboten. Ministerin Penny Sharpe betonte bei der Verkündung der erneuten Einführung der Abschuss-Methode, es sei keine einfache Entscheidung gewesen. „Niemand möchte Wildpferde töten.“ Sie wolle aber sicherstellen, dass die Mitarbeiter der Nationalparks alle Optionen hätten, die sie brauchen, um das Populationsziel zu erreichen und die wertvolle alpine Umwelt beschützen zu können.
Die Wildpferde sind nicht die einzigen, die als Nutztiere einst nach Australien gebracht wurden und dann auswilderten. In den 1840er Jahren wurden Kamele eingeführt und ähnlich wie die Wildpferde später freigelassen. Auch die Kamele haben sich rasant vermehrt und gelten mittlerweile mancherorts als Plage. (alm)