Wichtiges Medikament im Rückruf: Erhebliches Gesundheitsrisiko durch fatalen Fehler

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Von: Julia Hanigk

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Einzelne Clopidogrel-Pille.
Ein Blutverdünner wird zurückgerufen. © SoniPhotography/Pond5 Images/IMAGO

In Blutverdünnern wurden inkorrekte Beipackzettel entdeckt. Der Hersteller ruft die betroffenen Chargen zurück und warnt Patienten.

München – In Deutschland nehmen etwa eine Million Menschen Blutverdünner ein. Bei einem Präparat kam es nun zu einer schweren Verwechslung: In den Verpackungen des Blutverdünners „Clopidogrel Aurobindo“ entdeckte man falsche Beipackzettel. Statt der korrekten Informationen für dieses lebenswichtige Medikament fanden Apothekerinnen und Apotheker in einigen Packungen die Gebrauchsanweisung eines anderen Medikaments – und das auf Niederländisch. Der Hersteller hat daher einen Rückruf eingeleitet.

Medikamenten-Rückruf: Blutverdünner enthalten falschen Beipackzettel

Betroffen sind die Packungen von Clopidogrel Aurobindo 75 mg mit der Chargennummer AAAA24092A und der PZN 10012754 in der 100-Stück-Packung. Der Hersteller Puren Pharma informiert, dass die Packungen mit den Beipackzetteln des Blutdruckmittels Perindopril vermischt wurden. Der Rückruf wurde über die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (ABDA) bekanntgegeben, die diesen offiziell auflistet.

Der Hersteller erklärt: „Aufgrund der Untermischung der Gebrauchsinformation von Perindopril Aurobindo auf Niederländisch in Packungen von Clopidogrel Aurobindo 75 mg Filmtabletten, ruft die Firma Puren Pharma GmbH & Co. KG die genannte Charge [...] zurück.“

Verwechslung bei wichtigem Medikament – Falscher Beipackzettel führt zu Rückruf

Clopidogrel wird laut Apotheken Umschau hauptsächlich eingesetzt, um die Bildung von Blutgerinnseln zu verhindern und schwerwiegende Ereignisse wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle zu vermeiden. Der Wirkstoff hemmt die Blutplättchen und verhindert so die Entstehung gefährlicher Gerinnsel. Üblicherweise wird eine Tablette täglich eingenommen.

Im Gegensatz dazu ist Perindopril ein ACE-Hemmer, der laut Pharmaindex der Gelben Liste bei Bluthochdruck, symptomatischer Herzinsuffizienz und stabilen koronaren Herzkrankheiten eingesetzt wird. Diese Medikamentenklasse hat andere Wirkungen und Risiken. Perindopril blockiert das Enzym, das Angiotensin I in Angiotensin II umwandelt, was zu einer blutdrucksenkenden Wirkung führt. Dies birgt ein erhebliches Risiko für die Patientinnen und Patienten, da sie falsche Informationen zur Anwendung, Dosierung und möglichen Nebenwirkungen erhalten könnten. Ein Mann soll eine Frau mit einem Blutverdünner sogar vergiftet haben. Eine Krankenschwester soll damit einen Mordversuch begangen haben.

Puren Pharma fordert alle Apotheken dringend auf, ihre Lagerbestände zu überprüfen und betroffene Packungen über den Großhandel zurückzusenden. Bestände aus der Klinikversorgung sollten an folgende Adresse geschickt werden: Puren Pharma GmbH & Co. KG, c/o Movianto Deutschland GmbH, In der Vogelsbach 1, 66540 Neunkirchen.

Rückruf von Medikament: Hersteller erneut betroffen

Der Hersteller Aurobindo/Puren geriet bereits mehrfach wegen Rückrufaktionen in die Kritik. Anfang 2020 musste das Unternehmen ein Ibuprofen-Granulat zurückrufen, da Hinweise zur Überdosierung und zu Nebenwirkungen fehlten, wie die Pharmazeutische Zeitung berichtete. Auch das Medikament Pantoprazol war betroffen, da Nebenwirkungen, die Ende 2018 in die Packungsbeilage hätten aufgenommen werden müssen, fehlten. Bei Paracetamol wurden ebenfalls die Warnhinweise im Beipackzettel aktualisiert.

Patientinnen und Patienten, die Clopidogrel Aurobindo einnehmen, sollten umgehend ihre Packung auf die Chargennummer überprüfen. Im Zweifelsfall sollte sofort die Apotheke oder der behandelnde Arzt bzw. die behandelnde Ärztin kontaktiert werden. Kürzlich musste auch ein anderes weit verbreitetes Medikament zurückgerufen werden. (jh)

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