Kritik an Kaufland-Filialen: RTL-Sendung deckt katastrophale Bedingungen auf
Uns auf Google folgenKaufland muss sich aktuell mit Vorwürfen wie Schimmel, Mäusen und unterbrochenen Kühlketten auseinandersetzen. Das Unternehmen ergreift nun Maßnahmen.
Neckarsulm – Kaufland steht in der Kritik. Und reagiert. Nachdem Reporter des Sterns und der RTL-Sendung „Team Wallraff“ für ihre Recherche 50 Kaufland-Märkte untersucht haben, wurden zwei Filialen geschlossen. Die Ergebnisse der Sendung dürften bei vielen Menschen Ekel hervorrufen. Am Donnerstag (3. April) wurde die Sendung ausgestrahlt, gedreht wurde sie im Herbst 2024.
Das Unternehmen Kaufland
Seinen Hauptsitz hat Kaufland in Neckarsulm im Norden Baden-Württembergs. Die Supermarktkette hat nach eigenen Angaben mehr als 770 Filialen und über 90.000 Beschäftigte in Deutschland. Eine Filiale ist durchschnittlich 4200 Quadratmeter groß. Kaufland ist wie der Discounter Lidl ein Tochterunternehmen der Schwarz-Gruppe.
Für ihre Recherchen arbeiteten zwei Reporterinnen verdeckt in zwei Filialen. Die Undercover-Reporterin in Homburg berichtet von beschlagenen Kühltruhen, tropfenden Kühltheken und sich darin befindlichem Schimmel – etwa an den Scheiben.
„Das ist ein großes Sicherheitsrisiko“, ordnete Britta Schautz von der Verbraucherzentrale Berlin in dem TV-Beitrag ein. Der Schimmel könne natürlich auf Lebensmittel übergehen, so die Expertin. Sie fuhr fort: „Oder, ich kann, wenn ich in diese Kühltheke fasse, das wirklich an der Hand mittragen und vielleicht auf andere Lebensmittel, wie Äpfel oder was ich sonst noch einkaufe, übertragen.“ Die Bilanz der RTL-Sendung: In 41 von 50 geprüften Kaufland-Filialen befand sich Schimmel.
„Überall Mäuse“: TV-Beitrag legt Missstände in Kaufland-Filialen offen
Den Recherchen zufolge soll es in der Homburger Filiale auch Mäuse gegeben haben. Ein Kaufland-Mitarbeiter, der an der Fleischtheke arbeitet, sagte in der Sendung zu der Undercover-Reporterin: „Wenn wir hier sind, wirst du irgendwann merken, hier sind überall Mäuse. Überall. Die kriegst du nicht raus, die sind teilweise in der Decke.“
Im Backshop entdeckt sie an einem weiteren Tag eingetrockneten Mäusekot. Allerdings nicht nur am Boden, sondern auch in jenen Behältern, in denen verpacktes Brot gelagert wird. In dem TV-Beitrag befindet eine Mitarbeiterin im Gespräch mit der Undercover-Reporterin: „Das ist ekelhaft. Ich will nicht wissen, was für Krankheiten die haben und was für Keime. Dort, wo das Toastbrot ist, ist es ganz gefährlich.“ Und bei den Chips seien schon einmal „ganz viele Packungen angefressen“ worden, ergänzt sie.
Eine platzierte Nachtkamera zeigt schließlich, wie die Mäuse unter einem Regal mit Keksen und Kuchen nach Ladenschluss ihr Unwesen treiben. Gegenüber dem Stern räumt eine Kaufland-Sprecherin einen „Schädlingsbefall“ ein.
Schimmel und stinkender Fisch: Kaufland wegen Mängel bei der Lebensmittelsicherheit in der Kritik
In einer Kaufland-Filiale in Bad Tölz in Bayern sollen Beschäftigte hinter der Frischetheke mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum von Waren getrickst haben. Auch hier: Schimmel in den Kühltheken. Und: Stinkender Fisch sowie Käse, dessen verschimmelte Stellen abgeschnitten wurden.
Aus dem RTL-Beitrag geht hervor: Homburg und Bad Tölz sind wohl keine Einzelfälle. Allerdings sei man in diesen beiden Filialen schon mit einer neuen Führung im Einsatz, teilte das Unternehmen zunächst mit. „Die Darstellungen in dem Bericht entsprechen in keiner Weise unseren strengen Vorgaben im Umgang mit Lebensmitteln sowie für Sauberkeit und Hygiene“, hieß es dpa zufolge.
Außerdem hieß es von Seiten des Unternehmens: „Bereits vor der Berichterstattung haben wir die Vorfälle umfassend überprüft und Maßnahmen zur Behebung der Mängel eingeleitet.“ Ein Großteil sei mittlerweile behoben. Außerdem laufe aktuell eine umfassende und detaillierte Aufarbeitung, wie es zu diesen Vorfällen habe kommen können. Im Lauf des Freitags (4. April) ging aus Medienberichten dann hervor, dass beide Filialen vorläufig geschlossen wurden.
Informationen der Bild zufolge soll das Unternehmen seit Wochen an einem Maßnahmenpaket für seine 770 Filialen arbeiten. Kaufland teilte IPPEN.MEDIA mit, das Unternehmen reagiere mit einem 5-Punkteplan „auf die Vorfälle, die derzeit in der Berichterstattung thematisiert werden“.
- Jedes Jahr eine halbe Milliarde Investment in neue Kühlmöbel
- Grundreinigung aller Filialen
- Einsatz externer Institute zur Qualitätssicherung
- Grundlegende Sanierung in Homburg
- Neues Führungsteam in Bad Tölz
Weiter teilt das Unternehmen mit: „Anstatt wie ursprünglich geplant im laufenden Betrieb ab Mai, wird die Filiale für eine grundlegende Sanierung für rund sechs Monate geschlossen. Kaufland investiert einen zweistelligen Millionenbetrag, um den Kunden bis Ende des Jahres eine moderne Kaufland-Filiale zu bieten. In Bad Tölz wurden bereits in den vergangenen Wochen umfassende Maßnahmen ergriffen, um sicherzustellen, dass die strengen Hygienevorgaben jederzeit eingehalten werden. Bis zum Abschluss dieser Maßnahmen bleibt die Filiale jetzt für eine Woche geschlossen. Das Team wird mit neuer Führung intensiv in Sachen Hygiene und Umgang mit Lebensmitteln geschult.“
Kaufland wendet sich an seine Kunden – Gespaltene Meinungen
Mit einem Statement trat der Supermarkt bereits am Donnerstagabend seinen Kunden in den sozialen Medien gegenüber. „Was wir heute Abend gesehen haben, ist absolut nicht hinnehmbar. Die Kunden erwarten etwas anderes von Kaufland. Und das zu Recht. Wenn es um Sauberkeit und Hygiene geht, haben wir sehr strenge Regeln und klare Kontrollen. Warum diese in den gezeigten Filialen nicht gegriffen haben, prüfen wir sehr sorgfältig“, hieß es unter anderem.
Die Meinungen dazu sind gespalten: Von „Also wir kaufen da nicht mehr, das war zu krass“ über „Unfassbar“ bis zu „Bleibe Kunde“ ist alles dabei. Einiger User auf Instagram mutmaßen sogar, dass in anderen Supermärkten und Discountern ähnliche Probleme vorherrschen. Allerdings weisen einige ebenso daraufhin, dass 41 Filialen von 770 ein recht kleiner Anteil sei. „Wir haben hier in der Stadt drei Stück und davon sieht keine so aus. Allerdings waren die Zustände in den gezeigten Filialen nicht hinnehmbar, ganz klar. Dennoch ist es nicht überall so“, so eine der vielen Meinungen. Indes machte ein Kaufland-Kunde andernorts den „Deal des Tages“ – und bereute es sofort. (mbr mit dpa)