Drängen auf EU-Verbot: Zusatzstoff steckt in über 2500 Lebensmitteln und ist potenziell krebserregend

Aktualisiert:

Von: Kai Hartwig

Uns auf Google folgen

Der Süßstoff Aspartam ist Inhaltsstoff vieler Produkte – darunter Kaugummis und Light-Softdrinks. Verbraucherschützer fordern Konsequenzen.

München – Aspartam, ein weit verbreiteter Süßstoff, steht im Fokus der Diskussion um gesundheitliche Risiken. Laut der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch ist dieser Zusatzstoff „europaweit in etwa 2.500 Lebensmitteln“ zu finden. Vor allem Diätprodukte und zuckerfreie Getränke wie Coca-Cola Zero, Fanta Zero, Mezzo Mix Zero, Sprite Zero, Pepsi Zero Zucker, Pepsi Max oder Schwipp Schwapp Zero enthalten Aspartam.

Auch in Kaugummi, Eiscreme und Joghurt ist der Süßstoff verarbeitet, wie das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) mitteilt. Aspartam besitzt eine 200-mal stärkere Süßkraft als Zucker. Der Haken: Der Süßstoff gilt als potenziell krebserregend.

Warnung vor Aspartam (E 951): Süßstoff ist laut Experten „möglicherweise krebserregend“

Verbraucherschützer betrachten Aspartam, das als Zusatzstoff E 951 in vielen Lebensmitteln und Getränken vorkommt, daher mit großer Skepsis. Sie warnen vor seiner „möglicherweise krebserregenden“ Wirkung. Diese Einschätzung stammt von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), die in Zusammenarbeit mit dem gemeinsamen Sachverständigenausschuss für Lebensmittelzusatzstoffe der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Welternährungsorganisation (JECFA) Aspartam untersucht hat.

Die Ergebnisse dieser Analyse wurden 2023 veröffentlicht. Sie legen nahe, dass Aspartam für Menschen nicht ganz ungefährlich ist. Die IARC teilt Substanzen nach ihrer krebserregenden Wirkung in vier Kategorien ein:

  • krebserregend (Gruppe 1)
  • wahrscheinlich krebserregend (Gruppe 2A)
  • möglicherweise krebserregend (Gruppe 2B)
  • nicht einzustufen (Gruppe 3)
Ein Regal mit Getränken in einem Supermarkt, daneben zwei Löffel – einer mit Zucker, einer mit Tabletten
Der Süßstoff Aspartam ist in zahlreichen Lebensmitteln enthalten – darunter Kaugummis und Light-Softdrinks. Doch es gibt gesundheitliche Bedenken. © Depositphotos/Imago/Hendrik Schmidt/dpa

Bundeszentrum für Ernährung: Aspartam hat „krebsfördernde Wirkung“ – EU-Verbot gefordert

Das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) hebt auf seiner Website hervor: „Die Einteilung spiegelt wider, wie deutlich die wissenschaftlichen Beweise für die krebserregende Wirkung sind und nicht wie hoch das Risiko ist, bei einer bestimmten Aufnahmemenge Krebs zu entwickeln.“ Bei Aspartam gibt es „begrenzte Hinweise“ auf eine „krebsfördernde Wirkung“, „insbesondere für Leberzellkrebs“. Zudem könnte Aspartam „oxidativer Stress und chronische Entzündungen“ verursachen, was die Tumorbildung begünstigen könnte.

Foodwatch fordert ein Verbot von Aspartam in Europa. Gemeinsam mit der App Yuka und der französischen Organisation La Ligue contre le cancer setzt sich Foodwatch dafür ein, die EU-Kommission zu einem Verbot zu bewegen. Sie argumentieren: „Aspartam wird seit Jahrzehnten in wissenschaftlichen Studien mit gesundheitlichen Risiken wie Krebs, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht.“ Und weiter: „Neuere Untersuchungen legen nahe, dass es auch das Darmmikrobiom beeinflussen könnte.“

Experten nennen „akzeptable tägliche Aufnahmemenge“ von Aspartam

Das BZfE betont jedoch, dass der Konsum von Aspartam in Lebensmitteln und Getränken nach aktuellem Wissensstand unbedenklich ist, solange er in Maßen erfolgt. Die JECFA-Experten „sehen keine ‚überzeugenden Belege‘ für ein konkretes Krebs-Risiko durch die Aufnahme von Aspartam.“ Sie kamen zu dem Schluss, dass die „akzeptable tägliche Aufnahmemenge“ von 40 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht beibehalten werden kann. Ein 70 Kilogramm schwerer Erwachsener müsste mehr als neun Dosen eines Diät-Softdrinks mit 200 bis 300 Milligramm Aspartam täglich konsumieren, um diese Menge zu überschreiten.

Gleichzeitig fordern IARC und WHO weitere umfassende Langzeitstudien, um Wissenslücken zu schließen und mögliche gesundheitliche Risiken durch Aspartam zu klären. Eine weitere Studie legt unterdessen nahe, dass ein beliebtes Lebensmittel das Risiko für Darmkrebs wohl senken kann. (kh)

Kommentare

$Teilen