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Die Nebenwirkungen der Pille müssen transparenter gemacht werden

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Von: Sina Alonso Garcia

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Seit ihrer Jugend schlucken zahlreiche Frauen jeden Tag die Antibabypille. Über mögliche Risiken werden sie von Frauenärzten nur mangelhaft aufgeklärt - das muss sich ändern. Ein Kommentar.

Stuttgart - Für viele Frauen ist die Antibabypille eine sichere Bank: Jeden Tag zu einer festen Uhrzeit geschluckt, gilt sie als der Superstar unter den Verhütungsmitteln. Auch für mich war die Pille seit meinem 18. Lebensjahr ein stetiger Begleiter - bis ich sie vor kurzem nach zehn Jahren abgesetzt habe und angefangen habe, mich mit alternativen Verhütungsmethoden zu befassen. Anders, als es vielen jungen Frauen durch ihren Frauenarzt vermittelt wird, gibt es durchaus weitere Optionen. Immer häufiger erfahre ich im Gespräch mit Freundinnen oder Bekannten, dass sie die Pille ebenfalls abgesetzt haben. Die Gründe sind vielfältig.

Neben Stimmungsschwankungen und Kopfschmerzen, die insbesondere zu Beginn der Pilleneinnahme auftreten können, lesen sich andere Nebenwirkungen noch deutlich gravierender. Laut einer Studie der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA ist das Risiko für Thrombosen und Lungenembolien bei einigen neuen Pillen der dritten und vierten Generation eineinhalb bis zweimal so groß wie bei den älteren Pillen. Von sechs bis sieben Millionen Frauen, die in Deutschland laut der Techniker Krankenkasse mit der Pille verhüten, sind statistisch jedes Jahr mehrere Tausend Frauen von gefährlichen Thrombosen und Embolien betroffen. Im Vergleich zu den Frauen, die nicht die Pille nehmen, sind das rund zehnmal so viele.

Verschreibung der Antibabypille: Frauenärzte preisen sie als das Nonplusultra an

Trotz der bekannten Nebenwirkungen läuft die Beratung beim Frauenarzt häufig so ab, dass junge Mädchen die Antibabypille quasi als Nonplusultra präsentiert bekommen. Wer sich zum „Team Sicherheit“ zählt, wird sich angesichts der zunächst eher mau scheinenden Alternativen mit dieser Option zufriedengeben. Zudem heißt es häufig, man solle die Pille - auch in Zeiten ohne sexuelle Kontakte - nicht absetzen und lieber einfach weiter nehmen, da der Hormonhaushalt sonst durcheinanderkommen könnte. Wer einmal damit anfängt, die Tablettchen zu schlucken, hört irgendwann auf, zu hinterfragen, inwiefern diese den eigenen Körper, die Stimmung und die Libido beeinflussen.

Als sichere, hormonfreie Alternative zur Pille wird von Frauenärzten gerne die Kupferspirale oder Kupferkette genannt. Bei dem Gedanken, jahrelang einen Fremdkörper in sich zu tragen, bei dem alleine das Einsetzen bestialische Schmerzen verursachen kann, dürften wohl die meisten Frauen wenig überzeugt von dieser Option sein. Erfahrungsberichte über die leidvolle Prozedur im Netz bestätigen einen dann endgültig darin, sich diese Qual lieber nicht anzutun. Und schon ist das Thema Pille absetzen wieder vom Tisch.

Es tut sich was: Immer weniger junge Frauen nehmen die Pille

Wie eine aktuelle Analyse der GKV-Verordnungsdaten, die der AOK vorliegen, zeigt, kann man in der Gesellschaft heute aber ein Umdenken in Bezug auf die Pille beobachten. Während der Verordnungsanteil im Jahr 2010 noch auf einem 20-Jahres-Höchststand von 46 Prozent lag, wurden im vergangenen Jahr (2021) nur noch 32 Prozent verzeichnet. Seit Jahren ist der Anteil der gesetzlich versicherten Mädchen und Frauen, die kombinierte orale Kontrazeptiva zur Verhütung auf Kosten der Krankenkasse verschrieben bekommen, rückläufig. „Eine Erklärung für den insgesamt rückläufigen Trend bei den Pillenverordnungen kann sein, dass immer mehr jungen Frauen bewusst ist, dass es sich bei der Pille nicht um ein Lifestyle-Präparat handelt, sondern dass in den Hormonhaushalt eingegriffen wird“, sagt Dr. Eike Eymers, Ärztin im Stab Medizin des AOK-Bundesverbandes.

Frau mit Beipackzettel der Pille
Wenig erbaulich: Der Beipackzettel der Pille macht nicht gerade Lust auf mehr. © Imago/Panthermedia

Ich bin der Meinung: Wer hormonfrei verhüten will, findet heutzutage einen Weg. Zugegeben, sehr viel Auswahl hat man bei den Alternativen nicht. Und ich verstehe jeden, der lieber die Pille nimmt, als auf eine der wenig ansprechenden verbleibenden Optionen zurückzugreifen. Die Pille erspart einem viele Unsicherheiten und die Nebenwirkungen fühlen sich in der Regel nicht dramatisch an. Dennoch: Statt jungen Frauen, die noch unerfahren mit solchen Themen sind, direkt ohne Umschweife zur Pille zu raten und sie damit viele Jahre auf diese Methode zu polen, sollten Frauenärzte von Anfang an ausführlich über Nebenwirkungen aufklären.

Einfach mal machen: Die Pille abzusetzen fühlt sich richtig an

Die meisten meiner weiblichen Bekannten verhüten inzwischen mit Kondomen. Und - man glaubt es kaum: Bisher ist noch keine von ihnen schwanger geworden. Andere sind auf die Kupferspirale umgestiegen und sehr zufrieden. Damit hat man erstmal drei bis fünf Jahre Ruhe vom Thema Verhütung und spürt, wenn das Ding mal eingesetzt ist, auch kein bisschen was. Vermutlich ist es ohnehin wenig ratsam, sich vor dem Einsetzen noch mit Horror-Geschichten im Netz zu befassen, bei denen es sich wohl eher um Einzelfälle handelt. Ich kann jedem empfehlen, die Pille - sofern man sich um eine Alternative gekümmert hat - einfach mal abzusetzen. Man wird quasi gezwungen, sich mit dem weiblichen Zyklus zu befassen und natürliche Prozesse im Körper zu verstehen. Schon alleine die Gewissheit, dass man wirklich man selbst ist - ohne Hormone - fühlt sich nur richtig an.

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