Aufschrei nach Zettel an Eingangstür von Restaurant – „Immer dieses Gejammer“

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Von: Lennart Niklas Johansson Schwenck

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Ein Lokal besteht auf Barzahlung und löst damit eine Debatte aus. Das Thema brodelt, wie der Beitrag zeigt.

München – Ein Ausdruck an der Eingangstür eines Restaurants sorgt derzeit im Netz für Aufsehen. Der Zettel bittet die Gäste, möglichst bar zu zahlen, da die Kosten für Kartenzahlungen den Betrieb inzwischen mehrere „tausende von Euro“ pro Jahr kosten würden. Laut dem Aushang akzeptiert das Lokal Girocard erst ab einem Betrag von 25 Euro, Kreditkarten sogar erst ab 50 Euro. Im Internetforum Reddit löste der Aushang eine hitzige Debatte aus.

Restaurant-Zettel über Kartenzahlung entfacht Diskussion

„Unter 25 Euro kriegt man ja heutzutage eh nicht mal mehr ein Glas Wasser“, schrieb ein Nutzer sarkastisch. Andere machten sich über die Einstellung des Restaurants lustig. Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt der Kommentar eines Nutzers, der schrieb: „Immer dieses Gejammer der Gastronomen. Ich werde nie meinen ersten Arbeitsplatz/Arbeitgeber vergessen nach der Ausbildung (gelernter Koch). [...]Long Story Short[...]: Ein Gastronom, der keinen Gewinn macht, gibt es meiner Meinung nach nicht.“

Ein anderer Nutzer brachte praktische Gegenargumente vor. Die Geräte für Kartenzahlungen seien günstig in der Anschaffung, so etwa mit einem Kartenzahlungsterminal ab 19,99 Euro. Auch die Gebühren von 1,39 Prozent pro Transaktion seien verschmerzbar: „Wenn ich bei einem Mittagstisch für 9,99 Euro nicht 14 Cent für die Zahlung abdrücken kann, mache ich vielleicht was falsch.“ Für das Restaurant dürfte es sich eigentlich nicht rechnen: Eine Studie kam zu dem Ergebnis, dass Restaurants ohne Kartenzahlungsoption viele Gäste verlieren.

Aushang im Restaurant
Für Gastronomen wird die Wahl des Zahlungsmittels auch zur öffentlichen Frage. Die Debatte zeigt: Wer sich gegen Kartenzahlung ausspricht, steht schnell unter Verdacht – sei es aus wirtschaftlichen oder anderen Gründen. © Reddit

Auswertung der Deutschen Bundesbank: Was das Zahlen im Restaurant wirklich kostet

Eine aktuelle Untersuchung der Deutschen Bundesbank vergleicht die Kosten unterschiedlicher Zahlungsmittel und gibt der Debatte eine sachliche Grundlage. Die Studie analysierte nicht nur Gebühren, sondern auch Zeitaufwand sowie erstmals die Weitergabe persönlicher Daten. Demnach verursacht Bargeld durchschnittlich 0,38 Euro pro Bezahlvorgang. Debitkarten wie die Girocard liegen bei 0,74 Euro. Rechnet man jedoch die Kosten in Relation zum Umsatz, ist die Debitkarte mit 1,49 Prozent günstiger als Bargeld mit 1,74 Prozent. Deutlich teurer schneiden Kreditkarten ab: Mit 1,34 Euro pro Vorgang oder 2,38  Prozent vom Umsatz sind sie laut Studie die kostenintensivste Variante.

Bargeldzahlungen als Steuerlücke: Bundesregierung will Betrug eindämmen

Der Vorwurf, dass Bargeld Steuerhinterziehung begünstige, kam in der Reddit-Debatte mehrfach zur Sprache – mal mit Ironie, mal ganz direkt. „‚Wir hinterziehen Steuern, bitte helfen Sie uns dabei‘“, lautete einer der Kommentare, die den Tenor im Thread widerspiegeln. [Anm. d. Red.: Konkrete Hinweise auf ein Fehlverhalten des betreffenden Restaurants gibt es nicht – es handelt sich um eine Meinung aus dem Internetforum.]

Gerade in der Gastronomie, so der Tenor einiger Beiträge, sei Bargeld nicht nur günstiger, sondern auch schwerer nachzuvollziehen. Die Diskussion um den Aushang berührt damit auch eine politische Ebene. Denn digitale Zahlungen lassen sich nachvollziehen, Bargeld hingegen nicht. Letzteres muss dennoch als Vorteil betrachtet werden, der oft übersehen wird: Bargeld ist anonymisiert und schützt die Privatsphäre. Ein wichtiger Punkt, der auch im neuen Koalitionsvertrag in Zeile 1582 verankert ist.

Union und SPD planen derzeit eine Reform des Zahlungsverkehrs. Ziel ist es, eine verpflichtende digitale Zahlungsoption für alle Händler einzuführen – zusätzlich zum Bargeld. Damit soll Steuerbetrug effektiver bekämpft werden. „Wir setzen uns für eine echte Wahlfreiheit im Zahlungsverkehr ein“, erklärte SPD-Finanzexperte Michael Schrodi. Wichtig anzumerken: Die digitale Pflichtzahlung würde nicht das Ende des Bargelds bedeuten, wohl aber einen Schritt hin zu mehr Transparenz. (ls)

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