„Beleidigt eine ganze Kultur“: Riesen-Ärger um ESC-Beitrag in Italien
Uns auf Google folgenDer ESC-Song „Espresso Macchiato“ von Tommy Cash stößt in Italien auf massive Kritik. Einige Politiker und Vereinigungen fordern sogar seinen Ausschluss vom Wettbewerb.
München - Politische Botschaften, skurrile Auftritte, schräge Kostüme: Beim Eurovision Song Contest (ESC) ist in der Regel so einiges geboten. Aktuell sorgt der Rapper Tommy Cash für Aufsehen. Mit seinem Song hatte er in der vergangenen Woche nicht nur den Vorentscheid in Estland deutlich gewonnen – sondern auch für einen Riesen-Ärger in Italien gesorgt. Dort fordern die ersten bereits einen Ausschluss vom diesjährigen ESC in der Schweiz.
Estland schickt Rapper zum ESC 2025: Tommy Cash will mit „Espresso Macchiato“ überzeugen
In seinem Lied „Espresso Macchiato“ bedient Tommy Cash ausführlich die verschiedensten Klischees über Italien: von Amore über Spaghetti bis hin zur Mafia ist alles dabei. Das Ganze wird in einer wilden Mischung aus fehlerhaftem Italienisch und Englisch vorgetragen.
Bei seinen Fans in Estland kommt der Song gut an. Cash gewann nicht nur den ESC-Vorentscheid seines Landes, inzwischen hat „Espresso Macchiato“ auf YouTube sogar schon knapp 2,4 Millionen Aufrufe (Stand: 20. Februar). Und von denen dürften einige auch aus Italien kommen.

Riesen-Aufregung um ESC-Betrag in Italien: „Beleidigt eine ganze Kultur“ – Ausschluss gefordert
Denn dort empören sich gerade viele Menschen – insbesondere auch aus der Politik – öffentlich über den estnischen Beitrag für den ESC in Basel. Gian Marco Centinaio, der Vizepräsident des italienischen Senats, sah sich sogar gezwungen, einen Social-Media-Beitrag zu verfassen und forderte einen Ausschluss vom Wettbewerb. „Wer Italien beleidigt, muss der Eurovision fernbleiben“, verlangte der Abgeordnete der Rechtspartei Lega.
Centinaio legte nach: Cash singe in „furchtbarem Italienisch“ über jemanden, der nur durch Kaffeetrinken und „Schwitzen wie ein Mafioso“ reich geworden sei. „Er sollte nach Italien kommen, um zu sehen, wie anständige Leute arbeiten, bevor er sich erlaubt, solche dummen Lieder voller Klischees zu schreiben“, polterte der Politiker weiter.
Auch der italienische Verbraucherschutzverband Codacons forderte einen Ausschluss des ESC-Rappers – und kündigte eine offizielle Beschwerde bei der Europäischen Rundfunkunion (EBU) an. Der Song zeichne ein „verzerrtes und beleidigendes Bild“ von Italien. „Wenn Lieder mit sexistischem Inhalt ausgeschlossen wurden, wäre es dann nicht auch angemessen, ein Lied auszuschließen, das eine ganze Kultur beleidigt?“, so die Organisation weiter.
ESC-Beitrag überzeugt im Netz: „Italiens zwölf Punkte gehen nach Estland!“
Blickt man hingegen bei YouTube in die Kommentare unter dem Musikvideo zu „Espresso Macchiato“, bleibt die große Empörung aus. Ganz im Gegenteil: Viele Nutzer aus Italien finden den Song witzig und hinterlassen positive Kommentare. „Als Italiener finde ich diesen Song schön und lustig“, schreibt beispielsweise einer und ergänzt: „Ich verstehe nicht, wie man sich von so einem Lied angegriffen fühlen kann. Ich hoffe, es gewinnt den ESC.“
Eine weitere Nutzerin ist sicher: „Italiens zwölf Punkte gehen nach Estland!“ Ob es für Tommy Cash mit „Espresso Macchiato“ am Ende tatsächlich für den Sieg reicht, wird sich am 17. Mai beim ESC-Finale in Basel zeigen. Auch in Deutschland läuft inzwischen der Eurovision-Vorentscheid: Stefan Raab will mit der Show „Chefsache ESC 2025“ den deutschen ESC-Vertreter finden. (ph)