„Wird explodieren“: Uefa-Boss prognostiziert Boom im Frauenfußball
Uns auf Google folgenDie Frauen-EM in der Schweiz erzeugt großes Interesse bei den Fans – und eine Insiderin prognostiziert dem Frauenfußball immenses Wachstumspotenzial.
Nyon – Während der Frauenfußball in der Vergangenheit mitunter belächelt wurde, zeigt die derzeit in der Schweiz ausgetragene Europameisterschaft, dass das Interesse mittlerweile immens ist. Bereits das Auftaktspiel der deutschen Mannschaft gegen Polen, bei dem sich Kapitänin Giulia Gwinn schwer verletzte, lockte rund 8,22 Millionen TV-Zuschauer in Deutschland hervor.
„Wird explodieren“: UEFA-Boss Keßler lässt mit Prognose über Frauenfußball aufhorchen
Beim Viertelfinale gegen Frankreich, das die DFB-Elf nach einem sensationellen Kampf im Elfmeterschießen für sich entscheiden konnte, wurde dann der bisherige EM-Rekord gebrochen: 10,70 Millionen Fans schauten in Deutschland zu – ein Marktanteil von über 50 Prozent.
Ein solches Interesse bedeutet natürlich auch, dass in Zukunft Transfersummen für die Top-Spielerinnen steigen werden. „Ich glaube, der Transfermarkt wird explodieren“, betonte daher UEFA-Direktorin Nadine Keßler gegenüber der dpa. „Es ist ein enormes, schnelles Wachstum. Ich weiß nicht, wann wir die 100-Millionen-Marke brechen, aber wenn das in dem Tempo so weitergeht, dann dauert es nicht allzu lang.“
Wie im Männerfußball würden dabei vor allem englische Klubs über enorme finanzielle Mittel verfügen. Aber auch außerhalb der Insel erlebt der Frauenfußball einen Boom, wie Jasmina Covic, die Chefin der Berateragentur „Women‘s Football Agency“, anmerkt. „Die Engländer haben Kohle, aber auch Klubs wie Galatasaray, Parma und Como investieren. Dort werden wohl gute Gehälter geboten.“

„Vor zehn Jahren gab es in Europa weniger als zehn Berater, jetzt sind es allein in den Top-Ligen über 300 – mindestens. Es ist extrem viel Konkurrenz entstanden. Mittlerweile haben alle Spielerinnen im Profibereich einen Berater. Das geht in den Top-Ligen wie England, Deutschland, Spanien und Frankreich runter bis zur U16“, führt Covic weiter aus.
Schweizer Kapitänin: „Kein Mensch ist so viel Wert“
Bei allen positiven Aspekten des gesteigerten Interesses am Frauenfußball wird diese Entwicklung aber nicht ausschließlich positiv gesehen – auch von den Spielerinnen selbst. Einige befürchten eine aus dem Ruder laufende Kommerzialisierung wie bei den Männern – und waren davor.
„Die Dimensionen anzustreben, die es bei den Männern gibt? Ich weiß nicht, ob wir das wollen“, sagte etwa die Schweizer Kapitänin Lia Wälti unlängst. „Ich finde es unmenschlich. Kein Mensch ist so viel wert, wie ein Fußballer verdient. Es gehen auch die Werte verloren oder sind schon verloren gegangen.“ (ysl)