Tennis-Star macht Hass-Nachrichten öffentlich
Uns auf Google folgenProfisportler sind immer wieder von beleidigenden Kommentaren im Netz betroffen. Teilweise wird dabei sogar der Familie Gewalt angedroht, wie eine deutsche Tennisspielerin nun berichtet.
Hamburg – Eva Lys ist zweifelsohne derzeit einer der erfolgreichsten deutschen Tennisspielerinnen: In der Weltrangliste steht sie momentan auf Platz 40, zudem schaffte sie in diesem Jahr bei den Australian Open den Einzug ins Achtelfinale. Hinzu kommt: Die gebürtige Ukrainerin, die im Alter von zwei Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland kam, ist erst 23 Jahre alt – eine große Karriere könnte also noch vor ihr liegen.

Doch das Leben als prominente Sportlerin bringt auch Schattenseiten mit sich – das offenbarte Lys jetzt im Interview mit der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit. Nach jedem verlorenen Spiel bekomme sie auf Instagram Tausende Hassnachrichten, sagt Lys. „Es wird detailliert beschrieben, wie man mich vergewaltigt. Wie man meine Mutter vergewaltigt. Und wie man meine Familie umbringt. Ich habe alles gelesen, was man Schlimmes über sich und seine Familie lesen kann“, so Lys weiter.
Erschütternde Offenbarung von Tennis-Star: „Tausende Hassnachrichten lassen niemanden kalt“
„Irgendwie schaffe ich es, die meisten Nachrichten an mir abperlen zu lassen. Aber es macht mich trotzdem wahnsinnig sauer. Und es sind so viele, dass ich ahne, dass irgendetwas in mir passiert, auch wenn ich heute hier sitze und Ihnen ehrlich sage, dass es mich eigentlich nicht berührt. Tausende Hassnachrichten lassen niemanden kalt“, gesteht die 23-Jährige.
Derartigen Hass im Netz erlebt sie seit ihrem 16. Lebensjahr. „Mir wurde immer gesagt: Ignorieren, ignorieren, gib den Leuten keine Plattform. Und das habe ich auch jahrelang geglaubt. Bis ich dachte: So geht es nicht weiter. (…) Ein schlechtes Match, und es geht los“, so der erschreckende Bericht von Lys.
Die Täter seien meist Männer, die bei Sportwettenanbietern Geld auf einen Sieg von Lys gesetzt hätten. „Wenn ein Match eng ist, in den dritten Satz geht und ich zurückliege, finde ich später üble Nachrichten, die zu diesem Zeitpunkt geschrieben worden sein müssen. Gewinne ich dann doch, schreibt der gleiche Typ, ich solle die Nachricht vorher vergessen, es tue ihm leid. Er habe nun 5.000 Euro gewonnen“, erzählt sie.
Von derartig beleidigenden Kommentaren auf Social Media sind indes auch andere Sportler betroffen: Fußballnationalspieler David Raum machte im Oktober eine Hassnachricht öffentlich, die er auf Instagram erhalten hatte. Darin wurde er von einem User unter anderem als „Schwuchtel“ bezeichnet. (ysl)