Die Zukunft des deutschen Frauenfußballs bereitet Sorgen

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Von: Yannic-Sébastien Lacombe

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Bei der Frauen-EM kämpft sich die DFB-Elf bis ins Halbfinale – doch das gute Abschneiden kann nicht über strukturelle Mängel hinwegtäuschen.

Zürich – Nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft im EM-Halbfinale gegen Spanien fand Sara Däbritz trotz der knappen 0:1-Niederlage lobende Worte. „Wir haben uns in alles reingeworfen, haben die Räume eng gemacht. Ich finde, dass wir es den Spaniern echt schwer gemacht haben. Komplett alles kann man nicht verhindern, dafür machen sie es zu stark. Ich denke, dass wir das ganze Turnier über richtig starke Leistungen gezeigt haben und nochmal eine richtige Begeisterung im Land auslösen konnten“, betonte die Routinierin.

Trotz EM-Halbfinale: Die Zukunft des deutschen Frauenfußballs bereitet Sorgen

Däbritz, die in diesem Sommer zu von Olympique Lyon zu Real Madrid wechseln wird, fügte hinzu: „Das kann uns jetzt stolz stimmen.“ Und damit hatte die Mittelfeldspielerin sicherlich nicht Unrecht, denn bei der EM zeigte Deutschland mitunter famose Auftritte und trotzte auch Widerständen.

Ob nach der Verletzung von Kapitänin Giulia Gwinn, die sich im ersten Gruppenspiel gegen Polen schwer verletzte und für den Rest des Turniers ausfiel, der frühen roten Karte für Kathrin Hendrich im Viertelfinale gegen Frankreich oder eben im Halbfinale gegen Spanien, als das Team von Christian Wück den amtierenden Weltmeister zeitweise am Rande der Niederlage hatte: Immer wieder kam die deutsche Mannschaft zurück und ließ sich von Rückschlägen nicht aus der Bahn werfen.

Aber: Die kämpferisch überzeugenden Leistungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die DFB-Elf spielerisch über weite Strecken des Turniers enttäuschte. Im letzten Gruppenspiel gegen Schweden etwa, als man gegen die Skandinavierinnen im Duell um Platz 1 chancenlos war und mit 1:4 unterlag, wurden gravierenden Mängel in der Defensive deutlich.

Eklatante Mängel im Spielaufbau – auch bei der EM

Hinzu kommt: Auch im Mittelfeld gehört Deutschland derzeit nicht zu den Top-Nationen im Frauenfußball. Im Halbfinale verließ sich die DFB-Elf allzu oft auf lange Bälle von Torhüterin Ann-Kathrin Berger oder schnelles Umschaltspiel nach Balleroberungen. Ein strukturiertes Aufbauspiel hingegen kam nur selten zustande.

DFB-Star Sjoeke Nüsken aus Hamm war nach dem EM-Aus in Tränen aufgelöst.
DFB-Star Sjoeke Nüsken (Mitte) war nach dem EM-Aus in Tränen aufgelöst. © IMAGO/Hendrik Hamelau

Das belegt auch ein Blick auf die Zahlen: Die Spanierinnen spielten in 120 Minuten mehr als doppelt so viele Pässe. Eine weitere Statistik zeigt das deutsche Defizit noch deutlicher auf: Nur 72 Prozent der deutschen Pässe kamen bei einer Mitspielerin an – auf diesem Niveau ein katastrophaler Wert.

Bundestrainer Wück: „Wir müssen uns im Jugendbereich verbessern“

„Die Ballbesitzphasen müssen wir besser machen, das gehört zu einer Topmannschaft“, erkannte daher auch Bundestrainer Wück. Doch dem 52-Jährigen allein das Versagen seiner Mannschaft in die Schuld zu greifen, wäre sicherlich zu kurz gegriffen. Vielmehr besteht bei der Ausbildung junger Spielerinnen in noch viel Luft nach oben – Nationen wie Spanien, England oder Frankreich sind da schon weiter.

„Wir müssen uns vor allem im Jugendbereich verbessern, dass wir gut ausgebildete Spielerinnen in die Bundesliga bekommen“, betonte daher auch Wück nach dem Ausscheiden. Damit hat er völlig recht – sonst droht der Abstand zur europäischen Top-Konkurrenz weiter zu wachsen. (ysl)

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