Einzelkritik zur Frauen-EM: Überragende Berger bringt DFB-Team nach großem Kampf ins Halbfinale
Uns auf Google folgenDeutschland steht bei der Frauen-EM im Halbfinale. Gegen Frankreich sorgen ein großer Kampf und Torfrau Ann-Katrin Berger für den Erfolg. Die Einzelkritik.
Basel – Die Frauen-EM in der Schweiz geht für Deutschland weiter! Im Viertelfinale gegen die Mitfavoritinnen Frankreich am Samstagabend im Basler St. Jakob-Park kämpfte sich die Auswahl von Bundestrainer Christian Wück trotz langer Unterzahl über die Runden und hatte im Elfmeterschießen die besseren Nerven.
Es ging schlecht los für den DFB: Nach einem Zopf-Zupfer gegen Griedge Mbock sah Kathrin Hendrich per Videobeweis die Rote Karte. Den außerdem fälligen Strafstoß verwandelte Grace Geyoro zur 1:0-Führung (15.). In Unterzahl musste Deutschland fortan dicke Bretter bohren, kam aber schnell zurück ins Spiel: Sjoeke Nüsken sorgte per Kopf nach einer Ecke von Klara Bühl für den Ausgleich (25.).
DFB-Frauen bieten kämpferische Top-Leistung gegen Frankreich
Was folgte, war leidenschaftlicher Kampf der deutschen Frauen gegen überraschend uninspirierte Französinnen. Die Tür zum Halbfinale blieb so stets geöffnet, der Elfmeter von Nüsken hätte Deutschland schon mit einem Bein durchschreiten lassen können, doch die Mittelfeldspielerin scheiterte (69.). Zwei Abseitstore brachte Frankreich zustande, sonst recht wenig.
So ging es in die Verlängerung, in der Frankreich den Ton angab, bis auf einen Lattenkracher aus der Distanz von Melvine Malard beinahe die Entscheidung brachte (120.+3).
Im Elfmeterschießen parierte Ann-Katrin Berger gegen Amel Majri, der Versuch von Sara Däbritz klatschte von der Latte über den Kasten. In der Verlängerung der Entscheidung vom Punkt wehrte Berger den Versuch von Alice Sombath ab und sorgte so für den Einzug ins Halbfinale gegen Spanien.
Die Einzelkritik und Noten zum Spiel der DFB-Frauen gegen Frankreich in der Übersicht:
Ann-Katrin Berger
Zeigte ihre Qualitäten als Elfmeterkillerin gegen Geyoro, hatte aber Pech, dass der Ball von ihrer Hand ins Netz prallte. Sonst lange kaum gefordert, dafür mit gutem Timing beim Herauslaufen. Dann eine starke Parade gegen Cascarino (56.) und ein herausragender Reflex gegen Katoto (57.). Sensationelle Rettungsaktion beim Fast-Eigentor von Minge (103.). Die Heldin im Elfmeterschießen, auch mit eigenem Treffer. Note: 1,0
Sarai Linder
Gewann auf der ungewohnten rechten Seite ihren ersten wichtigen Zweikampf gegen Cascarino (3.). Musste kurz darauf wegen eines Zusammenpralls lange behandelt werden und bekam den Fuß großflächig verbunden. Biss auf die Zähne, musste aber doch ausgewechselt werden. Note: Keine Bewertung (ab 20. Sophia Kleinherne, kam als letzte Feldspielerin beim DFB zu ihrem Turnierdebüt. Machte ihre Sache gemessen an der Schwere der Aufgabe ordentlich. Note: 3,5)
Kathrin Hendrich
Kam bei ihrem Startelfdebüt ordentlich ins Spiel, machte sich mit einer unbedarften Aktion jedoch alles zunichte: Der leichte Zupfer am langen Zopf von Mbock zog zwangsläufig einen Strafstoß sowie die Rote Karte nach sich. Note: 6
Rebecca Knaak
Bezeichnend, wie sie in der Nachspielzeit der ersten Hälfte einen Kopfball von Katoto mit dem eigenen Kopf blockte und kurzzeitig zu Boden ging (45.+4): Bei Deutschland stimmten Einsatz und Willen definitiv. Verlor gerade in der zweiten Hälfte kaum einen wichtigen Zweikampf. Note: 2,5
Janina Minge
Begann in einer hybriden Rolle als Sechserin, die phasenweise in die Verteidigung rückte. Nach der Roten Karte doch wieder als Abwehrspielerin gebraucht. Dort meistens aufmerksam und doppelt wichtig bei einem französischen Konter kurz vor dem Halbzeitpfiff (45.+5). Note: 2,5
Franziska Kett
Rückte etwas überraschend in die Startelf, agierte auf der linken Seite dann aber erstaunlich souverän. Konnte zwar wenige offensive Akzente setzen, das war aber auch nicht ihre Rolle. Defensiv wurde sie von Minute zu Minute besser. Note: 2,0 (ab 114. Selina Cerci, keine Note)

Sjoeke Nüsken
Stahl sich clever zum ersten Pfosten und ließ die Ecke von Bühl zum Ausgleich stark über ihren Kopf tropfen. War anschließend vor allem als Organisatorin gefragt. Übernahm die Verantwortung beim Strafstoß, der allerdings schwach ausfiel. Dafür nervenstark im Elfmeterschießen. Note: 2,5
Elisa Senß
Das Spiel lief zunächst weitgehend an ihr vorbei, immerhin aber leistete sie wie alle Team-Kolleginnen wertvolle Dienste gegen den Ball. Gerade gegen Ende der regulären Spielzeit und in der Verlängerung gewann sie viele wichtige Zweikämpfe und pushte Mitspielerinnen sowie Fans immer wieder an. Note: 3,0 (ab 120. Linda Dallmann, keine Note)
Jule Brand
War zunächst vor allem darin gefordert, im Rückwärtsgang auszuhelfen. Bekam dabei viele Zweikämpfe als Foul abgepfiffen. Legte unbändige Energie an den Tag und tauchte im Spielverlauf in nahezu allen Zonen des Platzes auf. Eine Energieleistung war es auch, die den Strafstoß herausholte (68.). Hatte in der Nachspielzeit eine der besseren deutschen Gelegenheiten aus dem Spiel per Distanzschuss (90.+5). Note: 2,0 (ab 120. Sara Däbritz, keine Note)
Klara Bühl
Legte abseits ihrer Ecke vor dem Ausgleichstor ein unauffälliges Spiel hin. Viel gelingen wollte der schnellen Außenstürmerin nicht. Note: 4,0
Giovanna Hoffmann
Setzte immer wieder ihre Wucht ein und war sich für kein Duell zu schade. Stand allerdings schon vor der Unterzahl wegen der taktischen Grundausrichtung auf verlorenem Posten. Als Stürmerin damit wirkungslos, aber als Anspielstation und Anläuferin wertvoll. Note: 3,0 (ab 98. Lea Schüller, konnte kaum für Entlastung sorgen und war nach einem Foul sichtlich angeschlagen. Note: 4,0)