Deshalb ist die Frauen-EM für das DFB-Team trotz des Halbfinal-Dramas ein Erfolg
Uns auf Google folgenGegen Spanien verpasst die deutsche Mannschaft denkbar knapp den Einzug ins Finale. Doch das Team von Christian Wück kann stolz auf sich sein.
Zürich – Es war einer der bittersten Momente in der jüngeren Geschichte der deutschen Frauennationalmannschaft. Als Aitana Bonmati in der 113. Minute des EM-Halbfinales von der rechten Seite auf das Tor zulief, einen Stellungsfehler von Keeperin Ann-Kathrin Berger ausnutzte und aus spitzem Winkel die Spanierinnen in Führung brachte, platzte der Finaltraum der DFB-Elf.
Deshalb ist die Frauen-EM für die deutsche Mannschaft trotz des Halbfinal-Dramas ein Erfolg
Wenige Minuten später pfiff die Schiedsrichterin ab – und damit herrschte Gewissheit: Das Endspiel der Frauen-EM, das am kommenden Sonntag (18 Uhr) ausgetragen wird, findet ohne deutsche Beteiligung statt. Kein Wunder, dass die Spielerinnen sich nach dieser bitteren Niederlage niedergeschlagen zeigten.
„Die Enttäuschung ist richtig groß bei uns. Wir haben bis zum Schluss alles gegeben. Die Mädels haben wieder ein großartiges Spiel gemacht, ich bin richtig stolz auf sie. Der Gegentreffer geht auf meine Kappe, die kurze Ecke muss zu sein. Ich bin umso enttäuschter von mir selber. Das tut mir unfassbar leid für die Mannschaft“, sagte etwa Torhüterin Ann-Katrin Berger.
„Es ist Enttäuschung da jetzt, dass es vorbei ist. Wir haben uns in der zweiten Halbzeit und der Verlängerung deutlich mutiger und mehr nach vorne getraut und hatten einige Möglichkeiten. Aber dass dieser Ball dann da reingeht, der blödeste Ball von allen, das tut einfach weh“, fügte Rebecca Knaak hinzu.
Sie ergänzte: „Ich glaube, wir können uns heute nichts vorwerfen.“ Damit traf sie den Nagel auf den Kopf. Denn das Team kann nach den Auftritten bei der diesjährigen Europameisterschaft stolz auf sich sein.
Das Turnier war Werbung für den Frauenfußball
Was die DFB-Elf in der Schweiz gezeigt hat, war Werbung für den Frauenfußball: Das Team von Christian Wück präsentierte sich als Einheit mit einem fantastischen Teamgeist – auf und neben dem Platz. Dabei trotzten Berger, Knaak & Co. auch Widerständen: Ob die Verletzung von Kapitänin Giulia Gwinn, die sich im ersten Gruppenspiel gegen Polen schwer verletzte und für den Rest des Turniers ausfiel, die bittere 1:4-Klatsche gegen Schweden im letzten Gruppenspiel oder die frühe rote Karte für Kathrin Hendrich im Viertelfinale gegen Frankreich – immer wieder kam die deutsche Mannschaft zurück und ließ sich von Rückschlägen nicht aus der Bahn werfen.
Jede Spielerin war stets für ihre Nebenfrau da, gemeinsam gab die DFB-Elf alles für den gemeinsamen Traum vom EM-Titel. Vor allem die Leistung gegen Frankreich war mehr als beeindruckend; das Spiel wird wohl in die Fußballgeschichte der beiden Länder eingehen. Die frühe rote Karte, mehrere Elfmeter, eine in Unterzahl aufopferungsvoll kämpfende deutsche Mannschaft, ein Lattenkracher in der letzten Minute der Verlängerung und schließlich das dramatische Elfmeterschießen, in dem Berger zur Heldin avancierte – diese 120 Minuten waren an Dramatik kaum zu überbieten.

Auch gegen Spanien war Deutschland wieder einmal bereit, über die Schmerzgrenze zu gehen – Sophia Kleinherne nahm in der Verlängerung sogar eine Verletzung in Kauf, als sie heldenhaft in den Zweikampf gegen Salma Paralluelo und die Spanierin am Torschuss hinderte.
Mega-TV-Quoten für DFB-Elf bei Frauen-EM
Umso bitterer ist es, dass das große Ziel – der erste EM-Titel seit 2013 – nicht erreicht wurde. Doch für die Entwicklung des Frauenfußballs in Deutschland war der Auftritt der deutschen Mannschaft in der Schweiz Gold wert. Das belegt auch ein Blick auf die Zahlen: Bereits das Auftaktspiel der deutschen Mannschaft gegen Polen lockte rund 8,22 Millionen TV-Zuschauer in Deutschland hervor.
Beim Viertelfinale gegen Frankreich wurde dann sogar der bisherige EM-Rekord gebrochen: 10,70 Millionen Fans schauten in Deutschland zu – ein Marktanteil von über 50 Prozent. Gegen Spanien waren es sogar 14,26 Millionen Zuschauer, dies entsprach einem Marktanteil von 57,6 Prozent.