Gift für die Ewigkeit: Ihre Pfanne Sie könnte krank machen
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Viele Verbraucher sind noch völlig ahnungslos. Und dennoch sind sie überall: PFAS – „Ewigkeits-Chemikalien“ – die sich im Körper anreichern und nie wieder abgebaut werden.
Antihaft-Pfannen sind praktisch, keine Frage. Spiegelei rutscht perfekt heraus, Pfannkuchen klebt nicht fest. Doch was die wenigsten wissen: Diese scheinbar harmlosen Küchenhelfer enthalten PFAS – per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen1. Ausgerechnet das beliebte Teflon ist der bekannteste Handelsname für den Kunststoff PTFE (Polytetrafluorethylen) – und zählt zur extrem gesundheitsschädlichen Gruppe der PFAS, die auch „Ewigkeits-Chemikalien“ genannt werden.
Eine aktuelle Untersuchung der Verbraucherzentrale Hamburg schlägt Alarm: In vier von sechs getesteten Markenpfannen wurden hohe Mengen dieser „Ewigkeits-Chemikalien“ nachgewiesen2. Aber auch in deutschem Leitungswasser und Lebensmitteln reichert sich die Chemikalie an.
Manche Hersteller tricksen und die Zahlen sind erschreckend: Bis zu 37 Prozent organisches Fluor steckte in den Beschichtungen von Tefal, Zwilling und anderen bekannten Herstellern2. Dabei stand auf keiner einzigen Verpackung ein Warnhinweis. Die Industrie verschleiert das Problem geschickt mit Aufdrucken wie „PFOA-frei“ – doch das bedeutet nur, dass eine spezielle PFAS-Variante fehlt, nicht alle.
Wenn Chemikalien für immer bleiben
PFAS werden nicht umsonst „Ewigkeits-Chemikalien“ genannt. Sie bauen sich niemals ab – weder in der Natur noch im menschlichen Körper3. Einmal freigesetzt, bleiben sie für Generationen bestehen. Forscher finden diese Stoffe heute sogar in der Antarktis und auf entlegenen Berggipfeln.
Das Perfide: Die Eigenschaften, die PFAS so nützlich machen, machen sie auch so gefährlich. Sie sind wasser-, fett- und hitzeabweisend. Deshalb nutzt die Industrie sie seit den 1950er Jahren für alles Mögliche – von Pfannenbeschichtungen über Outdoor-Kleidung bis hin zu Fast-Food-Verpackungen.
Krankmacher im Körper, oft enthalten in Pfannen

Die gesundheitlichen Folgen sind dramatisch. Neue Studien zeigen: PFAS im Blut erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erheblich1. Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen fand heraus, dass diese Chemikalien ungünstige Fettprofile im Blut fördern. Sogar die Stiftung Warentest testet keine PTFE-Pfannen mehr – zu groß sind die Umwelt- und Gesundheitsrisiken6. Stattdessen konzentriert sich das Verbrauchermagazin auf fluorfreie Alternativen.
Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. PFAS können:
- Das Immunsystem schwächen und Impfungen wirkungslos machen
- Krebs verursachen, besonders Nieren- und Hodenkrebs3.
- Die Fruchtbarkeit verringern
- Leberschäden hervorrufen
- Bei Schwangeren das ungeborene Kind schädigen
Besonders alarmierend: Alle deutschen Kinder sind bereits belastet. Eine Studie des Umweltbundesamtes zeigte, dass 100 Prozent der untersuchten Kinder PFAS im Blut hatten4. Bei jedem fünften Kind lagen die Werte so hoch, dass Gesundheitsschäden nicht mehr ausgeschlossen werden können.
Die Tricks der Hersteller durchschauen

Woran erkennen Sie PFAS-belastete Pfannen? Die Industrie macht es Verbrauchern schwer. Statt klarer Kennzeichnung gibt es irreführende Werbesprüche. „PFOA-frei“ heißt nicht PFAS-frei – das ist ein billiger Trick5.
Wir wollten es ganz genau wissen und haben nicht etwa die KI oder Google gefragt, sondern tatsächlich jemanden, der sich auskennt: Daniela Krehl, die stellvertretende Referatsleiterin der Verbraucherzentrale Bayern. „Die häufig verwendete Werbeaussage „PFOA-frei“ oder „PFOA/PFOS-frei“ schließt daher nur zwei von über 10.000 Fluorchemikalien aus. Sie sagt nichts darüber aus, ob andere PFAS eingesetzt werden. In der Praxis sind Pfannen, die mit diesen Aussagen beworben werden, in der Regel weiterhin mit dem fluorhaltigen Kunststoff PTFE (Polytetrafluorethylen) beschichtet“, klärt Daniela Krehl.
Echte Warnsignale, dass PFAS enthalten sein können, sind:
- Temperaturwarnungen unter 300 Grad auf der Verpackung
- Hinweise gegen scharfe Gegenstände
- Antihaft-Eigenschaften bei kratzempfindlichen Oberflächen
Ein einfacher Test für zu Hause: Tropfen Sie Öl auf die Pfanne. Bildet es Perlen, statt einzuziehen, stecken höchstwahrscheinlich PFAS drin.
Gesunde Alternativen: PFAS-freie Pfannen

Daniela Krehl, die stellvertretende Referatsleiterin der Verbraucherzentrale Bayern. Sie hat gute Nachrichten für alle, die in Zukunft auf Pfannen ohne PFAS setzen möchten:
„Es gibt durchaus Pfannenmaterialien, bei denen PFAS technisch nicht erforderlich sind und nach heutigem Kenntnisstand auch nicht eingesetzt werden. Dazu zählen unbeschichtete Pfannen aus Gusseisen, Schmiedeeisen oder Carbonstahl, Edelstahlpfannen ohne Antihaftbeschichtung sowie emaillierte Pfannen mit glasartiger Oberfläche. Diese Materialien kommen ohne fluorhaltige Kunststoffe aus und gelten daher mit sehr hoher Sicherheit als PFAS-frei“.
Eine ebenfalls PFAS-freie Alternative sind Keramikpfannen. Sie basieren auf mineralischen bzw. silikatischen Beschichtungen und gelten nach aktuellem Wissensstand überwiegend als PFAS-frei. Allerdings ist der Begriff „Keramikbeschichtung“ rechtlich nicht geschützt, weshalb auch hier Transparenz der Hersteller entscheidend ist.
Diese Pfannen gelten nach heutigem Wissensstand als PFAS-frei:
Wo die “Ewigkeits-Chemiekalie” sonst noch lauert

PFAS sind inzwischen so weit verbreitet, dass sie in unzähligen Alltagsprodukten zu finden sind – oft, ohne dass Verbraucher davon wissen. Die „Ewigkeits-Chemikalien“ haben aufgrund ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften ihren Weg in praktisch alle Lebensbereiche gefunden, sogar in Pizzakartons und Zahnseide kommen sie zum Einsatz.
Outdoor-Ausrüstung und Sportbekleidung
Besonders problematisch ist die Verwendung von PFAS in Outdoor-Kleidung. Eine internationale Studie aus dem Jahr 2023 fand PFAS in Outdoor-Jacken und -Kleidung aus 13 Ländern. Regenjacken, wasserdichte Hosen, Wanderschuhe und Imprägniersprays enthalten häufig diese Chemikalien, um ihre wasserabweisenden Eigenschaften zu gewährleisten7. Viele Hersteller von Skiwachs nutzen ebenfalls die Eigenschaften von PFAS in ihren Produkten, die die giftige Substanz an den Schnee abgeben – und damit auch an Boden und Grundwasser..
Brillen und optische Geräte
Ein überraschender Anwendungsbereich sind Antibeschlagmittel für Brillengläser. Diese Produkte verwenden oft PFAS, um die feuchtigkeitsabweisende Wirkung zu erzielen8. Auch in Beschichtungen für Touchscreens und Display-Schutzfolien von Smartphones und Tablets kommen PFAS zum Einsatz. Verbraucher sollten bei Antibeschlagmitteln auf Begriffe wie „-fluor“, „-fluoro“, „hydrophob“ oder „wasserabweisend“ achten, da diese auf PFAS hinweisen können8.
Haushalt und Möbel
Im Wohnbereich sind PFAS weit verbreitet: Sie finden sich laut einer Veröffentlichung der Verbraucherzentrale1 als Fleckenschutz auf Polstermöbeln, Teppichen, Tischdecken und Bettwäsche. Matratzen, Sofas und Sessel werden oft mit PFAS behandelt, um sie schmutz-, fett- oder wasserabweisend zu machen. Auch Outdoor-Polster und -Kissen für Gartenmöbel enthalten häufig diese Chemikalien1.
Kinder- und Babyprodukte
Besonders beunruhigend ist das Vorkommen von PFAS in Produkten für Kinder. Stiftung Warentest fand 2024 erstmals PFAS in Buggys, vermutlich zur Imprägnierung der Stoffe9.. Weitere Kinderprodukte, die PFAS enthalten können, sind Autositze, Babymatratzen, Lätzchen, Trinklernbecher, Wickelauflagen, Windeln, Hochstühle, Spielmatten, Babytragen und Beißringe.
Elektronik und Technik
In der Elektronikbranche werden PFAS für verschiedene Anwendungen eingesetzt: in Smartphones, Batterien, Windrädern und Photovoltaikanlagen10. Die Chemikalien sorgen hier für bessere Isolierung und Schutz vor Feuchtigkeit.
Versteckte Quellen
PFAS verstecken sich auch in weniger offensichtlichen Produkten: Zahnseide, bestimmte Kosmetika (erkennbar am Begriff „fluoro“ in Inhaltsstoffen), Ski-Wachse, Schmiermittel und sogar in medizinischen Geräten wie Stents. Fast-Food-Verpackungen wie Pommes- und Gebäcktüten oder Schüsseln aus Bagasse enthalten ebenfalls häufig PFAS7.
Die schiere Menge an Produkten, die PFAS enthalten können, macht deutlich, warum diese Chemikalien inzwischen überall in der Umwelt und im menschlichen Körper nachweisbar sind. Verbraucher können sich durch bewusste Produktwahl schützen, indem sie auf Kennzeichnungen wie „fluorfrei“, „frei von PFC“ oder „ohne PFAS“ achten7.
Quellen:
1 „Ewigkeitschemikalien“: PFAS im Blut sind allgegenwärtig und mit erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden, Pressemitteilung des Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e. V. (DZNE)
2 PFAS: Labor bestätigt hohe Mengen organischen Fluors in Antihaft-Pfannen, Mitteilung der Verbraucherzentrale Hamburg
3 PFAS – Wie gefährlich sind die Chemikalien?, Veröffentlichung des Zentrums für Gesundheit
4 Gekommen, um zu bleiben: Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) in Lebensmitteln und der Umwelt, Veröffentlichung des Bundesministeriums für Risikobwertung
5 PFAS: Labor bestätigt hohe Mengen organischen Fluors in Antihaft-Pfannen, Veröffentlichung der Verbraucherzentrale Hamburg
6 Pfannen im Test: Nachhaltig brutzeln, Veröffentlichung auf www.test.de
7 PFAS: Wo sind die Chemikalien enthalten? Beitrag des NDR
8 Antibeschlagmittel für Brillen: Warnung vor giftigen Inhaltsstoffen, Veröffentlichung der Verbraucherzentrale
9 Buggys im Test: Schadstoffe bleiben ein Problem, Veröffentlichung auf www.test.de
10 Was heißt PFAS-frei und wie finde ich das? Veröffentlichung auf www.pfas-dilemma.info