„Folgen wären dramatisch“: Im Iran-Krieg wird Wasserinfrastruktur zum militärischen Ziel

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Von: Alexander Görlach

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Der Iran hat bereits Entsalzungsanlagen attackiert. Ein großer Ausfall könnte Städte binnen Tagen ins Wanken bringen. Eine Analyse.

Der Nahe Osten hat viele strategische Achillesfersen: Öl, Gas, Meerengen, Pipelines. Doch im Frühjahr 2026 zeichnet sich eine neue, womöglich noch gefährlichere Verwundbarkeit ab: Wasser. Während Raketen und Drohnen zwischen Iran, Israel, den USA und ihren regionalen Partnern fliegen, rückt eine Infrastruktur in den Mittelpunkt, die jahrzehntelang kaum jemand auf der geopolitischen Landkarte beachtet hat: die Entsalzungsanlagen entlang des Persischen Golfs. Ohne sie gäbe es die modernen Metropolen der Region schlichtweg nicht. Und ohne sie könnten sie binnen Tagen kollabieren.

Denn anders als Europa oder Nordamerika verfügt die Golfregion kaum über natürliche Süßwasserquellen. Die Staaten der Arabischen Halbinsel haben ihre Zivilisation buchstäblich auf entsalztem Meerwasser gebaut. Heute stammen rund 70 Prozent des Trinkwassers in Saudi-Arabien, etwa 90 Prozent in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kuwait und nahezu der gesamte Bedarf in kleineren Golfstaaten aus Entsalzung. 

„Folgen wären dramatisch“: Wasserinfrastruktur zum militärischen Ziel

Wer diese Anlagen angreift, greift also nicht nur Infrastruktur an, sondern das Fundament des täglichen Lebens. Anfang März wurde in Bahrain eine solche Lebensader durch einen iranischen Drohnenangriff beschädigt. Damit ist ein gefährlicher Präzedenzfall geschaffen: Wasserinfrastruktur wird zum militärischen Ziel.

Seitdem mehren sich Angriffe auf weitere Anlagen: Neben Bahrain wurden auch Anlagen in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait und Katar vom Iran attackiert und teilweise auch beschädigt. Jede einzelne dieser Anlagen versorgt Millionen von Menschen mit Trinkwasser. Die USA haben eine Entsalzungsanlage im Iran bombardiert, die rund 30 Dörfer mit Trinkwasser versorgt. Die Wasserproduktion am Golf ist somit zu einem zentralen Teil der militärischen Kalkulation auf beiden Seiten geworden.

Die Folgen eines erfolgreichen Angriffs auf eine große Entsalzungsanlage wären dramatisch. Die meisten Golfstaaten verfügen nur über begrenzte Wasserspeicher, oft reichen die Reserven lediglich für wenige Tage oder höchstens Wochen. Danach müsste Trinkwasser rationiert werden. Die saudi-arabische Hauptstadt Riad, acht Millionen Menschen, müssten womöglich gar evakuiert werden, ein Albtraum, der die Region politisch und wirtschaftlich erschüttern würde. Auch Bahrain, Kuwait oder Katar könnten einen längeren Ausfall kaum kompensieren. 

Deshalb könnte der Krieg Israels und der USA gegen den Iran rasch in einen regionalen Krieg ums Wasser eskalieren. Sollte Iran eine große Entsalzungsanlage in Saudi-Arabien, den Emiraten oder Katar gezielt zerstören, wäre das mehr als eine militärische Eskalation. Es wäre ein Angriff auf das Überleben ganzer Gesellschaften. Die politische Logik wäre dann kaum aufzuhalten: Staaten von Saudi-Arabien über Bahrain bis Kuwait hätten kaum eine andere Wahl, als militärisch gegen den Iran vorzugehen und Teheran den Krieg zu erklären.

Jetzt gäbe es nur noch einen Weg, diese Eskalationsspirale zu stoppen, bevor sie sich richtig in Bewegung setzt: eine politische und völkerrechtliche Ächtung von Angriffen auf Wasserinfrastruktur. Die Genfer Konventionen verbieten bereits heute Angriffe auf Anlagen zur Trinkwasserversorgung, weil sie unmittelbar die Zivilbevölkerung treffen. Doch Papier schützt keine Pipelines und keine Pumpstationen, was der bisherige Kriegsverlauf gelehrt hat. Was nötig wäre, ist eine internationale Initiative, getragen von den USA, Europa, China und den Golfstaaten selbst, die Entsalzungsanlagen ähnlich behandelt wie Atomkraftwerke: als illegitimes Angriffsziel im Kriegsfall.

Gegenwärtig ist nicht davon auszugehen, dass die USA sich an die Spitze einer solchen Bewegung setzen würden. Donald Trump formuliert seine Kriegsziele im Stakkato der Widersprüche. Mal spricht er von der „vollständigen Zerstörung“ des iranischen Atomprogramms, dann wieder von einem raschen Rückzug amerikanischer Kräfte. Einmal soll der Konflikt „in Tagen“ entschieden sein, ein anderes Mal kündigt er eine „lange Operation“ an. Diese Volatilität zeugt kaum von einer Leadership, die für ein solches internationales Unterfangen vonnöten wäre. Und solange Washington selbst nicht klar sagen kann, wohin dieser Krieg führen soll, wird kein anderer Staat die politische Energie aufbringen wollen, seine gefährlichste Eskalationsstufe präventiv zu ächten. 

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