Anti-Wind-Kampagnen fluten soziale Medien – droht Europa jetzt das Trump-Debakel bei der Energiewende?
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Desinformationskampagnen gegen Windenergie breiten sich in Europa aus. Ein neuer Bericht warnt: Die Falschbehauptungen gefährden die europäische Energiewende.
Soziale Medien werden mit Anti-Windenergie-Inhalten überschwemmt. Windräder sollen Krebs verursachen, Trinkwasser vergiften und Stromausfälle auslösen. Das sind die Kernbehauptungen einer wachsenden Desinformationswelle, die Europa erfasst hat. Zu diesem Ergebnis kommt ein neuer Bericht des britischen Forschungsunternehmens CASM Technology, der im Auftrag des europäischen Windenergie-Verbands WindEurope erstellt wurde.
Mehr als 500 Accounts auf sechs sozialen Plattformen haben in den vergangenen zwei Jahren zehntausende Anti-Wind-Posts verbreitet. Für Europa ist das ein Alarmsignal. Die Energiewende steht auf dem Spiel – auch in Deutschland.
Anti-Wind-Posts mit spezifischen Narrativen: Falschbehauptungen mit System
Die Kampagnen sind kein zufälliges Phänomen. Sie sind geografisch präzise und thematisch gezielt. „Was interessant ist, ist wie geografisch spezifisch die Narrative sind“, sagte Carl Miller, Gründer von CASM Technology, gegenüber dem US-Portal Politico. In Schweden, Finnland und Großbritannien dominieren Narrative über Strompreise und Netzinstabilität. In Norwegen und Italien stehen angebliche Umweltschäden im Vordergrund.
Schweden verzeichnet die höchste Zahl an Anti-Wind-Posts. Es folgen Frankreich, Norwegen, Finnland, Großbritannien und Deutschland. Die Forschenden weisen darauf hin, dass das Länder-Ranking teilweise durch Sampling- und Datenzugangsgrenzen beeinflusst wird. Dennoch sei die Nordics-Region eindeutig ein Zentrum der Anti-Wind-Aktivität.
Die Kampagnen tragen seit Jahren Früchte, sie erzeugen lokalen Widerstand. Dieser führt zu Einsprüchen, Verzögerungen und politischem Druck gegen Projekte. Der Bericht dokumentiert verzögerte oder gestoppte Projekte im Wert von Milliarden Euro. Bulgarien gilt als warnendes Beispiel. Nikola Gazdov, Direktor des bulgarischen Unternehmens Element Power, schreibt in einem Linkedin-Post: „Bulgarien hat in zwölf Jahren keinen einzigen neuen Windpark gebaut.“ Weiter berichtet er von einem „Krieg gegen Windkraft“.
Trumps Rhetorik als Blaupause
Die Desinformationswelle in Europa ist nicht losgelöst von der US-amerikanischen Politik zu betrachten. US-Präsident Donald Trump bezeichnet Windkraft als „große hässliche Windmühlen“, als „den Betrug des Jahrhunderts“ und als Energie für „dumme Menschen“. Seine Regierung handelt entsprechend. Trumps Verteidigungsministerium verzögert derzeit die Prüfung von 165 Windkraftprojekten an Land – teils über viele Monate, wie Business Punk berichtet. Offiziell würden Risiken für Radar-, Flug- und Militärsysteme als Begründung genannt. Die Branche spricht von politischer Sabotage.
Seit Sommer 2025 haben sich die Genehmigungsverfahren in den USA massiv verlangsamt. Zusätzlich verhängte die Trump-Regierung Baustopps für Offshore-Windparks. Mehrere Projekte wurden erst nach Gerichtsentscheidungen wieder freigegeben. Gleichzeitig zahlte die US-Regierung Windkraftentwicklern Milliardenentschädigungen dafür, bestimmte Projekte gar nicht erst zu bauen.
Diese Rhetorik und Politik strahlen auf Europa aus. MAGA-typische Botschaften über „wirtschaftliche Eliten“ und globalistische Agenden werden in europäischen Energiedebatten aufgegriffen. „Eines der Dinge, die das Internet ermöglicht hat, ist eine wirklich unübersichtliche Verflechtung politischer Kulturen“, sagte Miller.
Wer die Kampagnen konkret steuert, ist nicht abschließend geklärt. Forscher schließen ausländische Akteure wie Russland nicht aus. Russland sei ein massiver Exporteur fossiler Brennstoffe und Atomkraft, so Miller. Es wolle kein energiesouveränes Europa sehen, das seine Erneuerbaren ausbaut. Das bleibt jedoch Spekulation – direkte Belege fehlen.
Desinformationswelle gegen die Energiewende: Immer mehr KI im Einsatz
Für Europa steht derweil mehr auf dem Spiel als Unternehmensgewinne. Die EU setzt angesichts des Kriegs im Iran langsam, aber zunehmend auf Elektrifizierung und erneuerbare Energien. Brüssel will die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen reduzieren. Mit dem sogenannten Grids-Paket sollen Genehmigungsverfahren für Netz- und Erneuerbare-Projekte verkürzt werden. Doch die Desinformation könnte schneller wachsen, als die Bürokratie schrumpft.
Ein neues Schlachtfeld zeichnet sich bereits ab. CASM-Forscher haben in einer Voruntersuchung festgestellt, dass Anti-Wind-Websites von großen KI-Sprachmodellen prominent zitiert werden, wenn diese Fragen zur Windenergie beantworten. „Ich denke, es ist die neue Grenze“, sagte Miller. „Wie schlechte Akteure Informationskrieg führen, wird sich unweigerlich verändern.“ (Quellen: Politico, CASM Technology, Business Punk, Linkedin, frühere Berichterstattung) (nak)