Umfrage unter Schwarzen Menschen in der EU zeigt üble Missstände – vor allem in Deutschland und Österreich
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Rassismus gegen Schwarze Menschen wird laut einer europäischen Studie immer extremer – und Deutschland schneidet am schlechtesten ab.
Wien – Schwarze Menschen aus gut einem Dutzend EU-Staaten wurden zu erlebtem Rassismus befragt – und Deutschland wird Schlusslicht: In einer Studie gaben 76 Prozent der Befragten an, in den vergangenen fünf Jahren wegen ihrer Hautfarbe, Herkunft oder Religion benachteiligt worden zu sein. Das teilte die Europäische Agentur für Grundrechte (FRA) in Wien am Mittwoch mit.
Das ist der höchste Anteil unter den 13 EU-Ländern, in denen Menschen mit afrikanischen Wurzeln zu Rassismus und Diskriminierung befragt wurden. Österreich hatte laut der Studie ähnlich schlechte Werte.
Über die Studie:
Die Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) bietet Entscheidungsträgern auf europäischer und nationaler Ebene unabhängige, faktengestützte Beratung, um Diskussionen, Strategien und Rechtsetzung im Bereich Grundrechte fachlicher und zielgerichteter zu gestalten. Teilgenommen an der Studie haben knapp 6.800 Menschen aus 13 EU-Ländern.
In folgenden Ländern wurden die Studienteilnehmer und -teilnehmerinnen in persönlichen Interviews befragt: Belgien, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Polen, Portugal, Spanien und Schweden. In folgenden Ländern wurden die Teilnehmer und Teilnehmerinnen zufällig aus Bevölkerungsregistern ausgewählt, per Post kontaktiert und gebeten, einen Onlinefragebogen auszufüllen: Österreich, Dänemark, Finnland, Deutschland und Luxemburg. Quelle: fra.europe.eu
Hinweis: Menschen Schwarzer Communitys schreiben das S in „Schwarze Menschen“ häufig groß, um darauf zu verweisen, dass es dabei um keine Farbe geht, sondern um eine Zuschreibung. Wir haben diese Schreibung übernommen.
Studie zu Rassismus – Das sind die Ergebnisse im Überblick
Im Vergleich dazu erlebten im Durchschnitt nur 45 Prozent der knapp 7.000 Studienteilnehmer in Europa in den vergangenen Jahren rassistische Diskriminierung. Laut dem FRA-Bericht ist das Problem damit aber insgesamt größer geworden. In der ersten Studie aus dem Jahr 2016 hatte der durchschnittliche Anteil noch bei 39 Prozent gelegen. FRA-Direktor Michael O‘Flaherty bezeichnete den Trend als „schockierend“.
Auch bei rassistisch motivierten Übergriffen liegt Deutschland laut der Umfrage im Spitzenfeld. Dort erlebten 54 Prozent der Befragten Belästigungen – der höchste Anteil unter den 13 Staaten. Außerdem berichteten in Deutschland 9 Prozent von persönlichen Gewalterfahrungen. Dieser Wert wurde nur von Finnland mit 11 Prozent übertroffen. Mehr als die Hälfte der befragten Schwarzen Menschen in Deutschland fühlten sich bei der Arbeitssuche diskriminiert. Der Mittelwert der 13 Staaten lag bei etwa einem Drittel. In deutschen Schulen sind demnach fast 40 Prozent der schwarzen Schülerinnen und Schüler mit rassistischen Beleidigungen oder Drohungen konfrontiert, ähnlich wie in Irland, Finnland und Österreich.
Rassismus in Deutschland und Österreich - die Ergebnisse im Detail
In einer Onlinebefragung innerhalb der afrodiasporischen Community in Deutschland im Jahr 2020 wurde herausgearbeitet, dass sich hinter der Beschreibung „Schwarze Menschen“ sehr vielfältig sind: Dazu zählen sich etwa Menschen mit einem oder beiden Elternteilen afrikanischer Herkunft, neu zugewanderte Menschen oder Menschen, die schon lange in Deutschland leben. Die Diskriminierungserfahrungen unterschieden sich in diesem Afrozensus zum Teil sehr deutlich, etwa, was Bildung angeht.
Im Video: Immer mehr Deutsche sind fremdenfeindlich und antisemitisch eingestellt:
Studie zu Rassismus - Das sind die Vorschläge
International berichtet unter anderem der britische Guardian über die Studie. Die Autoren ziehen darin Parallelen zum Erstarken der AfD in Deutschland, und zu steigenden Umfragewerten für die FPÖ in Österreich. Die Studienautoren selbst stellen Forderungen und machen Vorschläge: Es müsse sichergestellt werden, „dass auch Menschen afrikanischer Herkunft ihre Rechte wahrnehmen können – ohne Rassismus und Diskriminierung“, sagte FRA-Direktor O´Flaherty.
Die FRA forderte EU-Staaten unter anderem auf, genauere Daten zu rassistischen Vorfällen zu sammeln und rassistisch motivierte Straftaten härter zu bestrafen. Außerdem sollen spezifische politische Strategien zur Bekämpfung von Rassismus und Rassendiskriminierung in den Bereichen Bildung, Beschäftigung, Wohnen und Gesundheit entwickelt werden. (dpa/kat)