Mit Lilo Wanders und Politikern: 15 queere Persönlichkeiten sagen Rechtsextremismus den Kampf an
Uns auf Google folgenRechtsextreme Pläne richten sich auch gegen die LGBTQ-Community. Queere Politiker, Aktivistinnen, Schauspieler, Autorinnen sprechen über ihre Forderungen und Ängste.
Am vergangenen Wochenende gingen wieder Hunderttausende in Deutschland auf die Straße, um gegen Rechtsextremismus zu demonstrieren. Dabei sind von rechtsextremen Ideen nicht „nur“ Menschen mit Migrationshintergrund, sondern auch anderen Minderheiten wie die queere Community betroffen.
Vertreter der AfD machen gegen die Rechte von LGBTQIA+-Menschen Stimmung und erklären, erreichte Ziele wie die gleichgeschlechtliche Ehe wieder abschaffen zu wollen. Queere Prominente äußern sich bei BuzzFeed News, ein Portal von Ippen.Media und positionieren sich gegen Rechtsextremismus.

Queer-Beauftragter der Bundesregierung warnt vor Gesellschaft, in der Hass entfesselt wird
„Die Enthüllungen von Correctiv haben deutlich gezeigt, was die AfD vorhat. Diese Pläne zielen auch auf Mitglieder unserer Community, sie zielen auf LSBTIQ* of Color, auf LSBTIQ* mit Einwanderungsgeschichte, auf queere Geflüchtete. Eine AfD-Regierung würde erkämpfte Freiheiten und Rechte wieder einschränken. Eine AfD-Regierung würde das Antidiskriminierungsgesetz wieder abschaffen. Das heißt im Klartext, dass die AfD wieder erlauben möchte, jemanden zu kündigen, weil er schwul ist, oder ein lesbisches Paar im Restaurant nicht zu bedienen. Der Verfassungsschutz beobachtet, dass Rechtsextreme immer offener und aggressiver gegen LSBTIQ* agitieren.
Eine Gesellschaft, in der Hass, Verachtung und Wut gefeiert, gar entfesselt werden, ist keine Gesellschaft, in der Minderheiten wie LSBTIQ* sicher sind. Es ist eine Gesellschaft, in der letztlich niemand sicher ist“, sagt Sven Lehmann, Queer-Beauftragter der Bundesregierung
Schauspieler Jo Weil sagt: „Nie wieder ist jetzt! Nicht gestern, nicht morgen, sondern heute. Die Lage ist besorgniserregend, wir dürfen nicht tatenlos zusehen. Gemeinsam gegen Rechts und für ein friedliches Leben in Freiheit, gleich welche sexuelle Orientierung, Herkunft oder Glaube ein Mensch hat.“
„Beim Blick auf die News vergeht auch mir der Humor. Was derzeit passiert, kommt einem auf unheimliche Weise bekannt vor. Dazu das selbstgewisse hämische Lächeln von Alice Weidel, wenn sie vom EU-Austritt faselt. Es würde am Ende wieder die Minderheiten treffen, die Unerwünschten“, sagt Comic-Autor Ralf König.

Queerpolitische Sprecherin der Linken fordert, AfD keine Bühne mehr zu geben
„Gegen die Menschenfeindlichkeit hilft nur ein breites Bündnis der Demokratie und Menschlichkeit. Aber das allein reicht nicht. Man kriegt die AfD nicht klein, wenn man deren Parolen übernimmt und nur etwas gemäßigter vertritt. Auch die demokratischen Parteien und die Medien müssen sich fragen, was sie dazu getan haben, die AfD so stark werden zu lassen. Spätestens jetzt sollte man ihnen keine Bühne mehr geben, wo es irgendwie vermeidbar ist“, sagt Kathrin Vogler, queerpolitische Sprecherin der Linken.
Und Jürgen Lenders, Sprecher für LSBTI der FDP-Fraktion sagt: „Indem wir die Geschichte der Verfolgung von LGBTIQ* für künftige Generationen sichtbar machen, bewahren wir sie vor dem Vergessen. LSBTIQ* sind weiterhin eine verwundbare gesellschaftliche Gruppe, die Zahl der Angriffe auf queere Menschen steigt weiter. Eine große Gefahr sehe ich darin, dass rechte Kreise gezielt Desinformation verbreiten. Queere Menschen fühlen sich zunehmend im öffentlichen Raum nicht mehr sicher. Es ist wichtig, in diesen Zeiten Gesicht zu zeigen und für seine Meinung einzutreten, nicht nur in öffentlichen Akten, sondern auch im persönlichen Alltagsleben und Umfeld. Sich dagegen zu stellen, ist zutiefst bürgerlich - und eint Union, FDP, SPD und Grüne.“
Dies ist ein Artikel von BuzzFeed News Deutschland. Wir sind ein Teil des IPPEN.MEDIA-Netzwerkes. Hier gibt es alle Beiträge von BuzzFeed News Deutschland.
Lilo Wanders, Sprecher des Verbands Sexarbeit und Autor äußern sich zu Demos gegen rechts

„Ich liebe die Vielfalt der Menschen. Sie bereichert seit jeher mein Leben. Gegen Menschen und Gruppierungen, die diese Vielfalt infrage stellen, werde ich meine Stimme immer erheben“, sagt Lilo Wanders.
„Das Erstarken der Rechten lässt einen immer stärker werdenden Rückgang von Toleranz und Respekt bei allen vulnerablen Gruppen verzeichnen – ebenso in der Sexarbeit. Hier war es geschichtlich gesehen immer die gleiche einschleichende Abfolge von aufkommender Moralisierung sowie Stigmatisierung, dann Entrechtung, Kasernierung und Kriminalisierung“, positioniert sich Der Dominus, Aktivist und Pressesprecher Berufsverband Sexarbeit.
Till Randolf Amelung, Autor und Diversity-Experte, sagt: „In der AfD ist man geschickt darin, strittige und damit für sie nützliche Themen zu identifizieren, wie das geplante Selbstbestimmungsgesetz. Leider haben hier viele aus unserer Community durch gezieltes Abwürgen Rechtsextremen eher in die Hände gespielt. Rechtsextreme kritisieren alles vor ihrem ideologischen Hintergrund und nicht auf der Basis demokratischer, aufgeklärter Werte. Das dürfen wir nicht vergessen.“
„Rechte für Frauen, trans* und nicht-binäre Personen sind in Gefahr“
„Die radikale Rechte instrumentalisiert Themen rund um Geschlecht, um radikale rechte Argumente auch in der Mitte der Gesellschaft zu etablieren. Sämtliche Rechte für Frauen, trans* und nicht-binäre Personen und auch andere marginalisierte Gruppen, die in den vergangenen Jahrzehnten erkämpft wurden, sind in Gefahr“, sagt Gabriel_Nox Koenig, Pressesprecher:in des Bundesverbandes Trans*
Jim Baker, Gründer des ersten lesbisch-schwulen Verlags in Deutschland (Querverlag) sagt: „Es muss uns als Schwulen klar sein, dass die Rechte, die wir in jahrelangem Kampf mühevoll errungen haben, genauso schnell wieder demontiert werden können. Und genau daran arbeitet das rechte politische Spektrum. Daher: Mischt Euch ein. Erhebt Eure Stimme. Wer nicht agiert, wird reagiert.“
„Bevor sich die Geschichte wiederholt, müssen wir aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Wie die Gesellschaft eines Landes mit ihren Minderheiten umgeht, ist immer auch ein Beweis dafür, inwiefern dieses Land für alle, nicht nur für die Minderheiten, lebenswert ist. Angriffe auf sexuelle und religiöse Minderheiten sind Warnsignale für uns alle, dass eine Verrohung in der Gesellschaft gerade stattfindet“, positioniert sich Roger Holzapfel-Barta, Geschäftsführer des Hotel Deutsche Eiche.
Kinderbuchautorin Marie Miro fordert Community auf, sich gemeinsam gegen Rechtsextremismus zu stellen
„Wir sind gemeinsam im Regenbogen und daher gilt: Gemeinsam gegen rechts. Trotz allem Streit und Kontroversen, die uns derzeit beschäftigen, so stellen wir uns entschieden gegen jede Form der Gewalt gegen Menschen des Regenbogens“, sagt Florian Greller, Gründer von Just Gay
„Wir müssen uns als Community klar gegen Rechtsextremismus stellen, denn für sie bleiben wir immer minderwertige Menschen zweiter Klasse. Gleichzeitig sollten die Erlebnisse dieser Tage auch ein Weckruf an uns alle sein, auch an die Medien, weniger Stimmungsmache und mehr sachliche Kritik voranzutreiben.“ Marie Miro, Kinderbuchautorin und Kolumnistin
Wir müssen uns gegen die rechte Queerfeindlichkeit wehren. Gute Prävention funktioniert nur, wenn die Gesellschaft die verschiedenen Lebensrealitäten von Menschen akzeptiert. Es muss möglich sein, offen über alle Bedürfnisse und Schutz vor Infektionen zu informieren. Wir müssen uns wehren und uns solidarisieren mit allen Menschen, die von Rechts angegriffen werden.
„Wir positionieren uns klar gegen jede Form der Ausgrenzung von Minderheiten und marginalisierten Gruppen. Mehr denn je braucht es nun Personen, die laut sind, mutig ihre Individualität und unsere Community feiern und sich so gegen Rechts positionieren“, sagt Pavlo Stroblja, CEO und Gründer von Queermentor
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