Zersplittert und geschwächt: Irans Opposition ist ein Flickenteppich
Uns auf Google folgenTrumps Aufruf zum Sturz trifft auf eine Opposition ohne gemeinsame Führung. Fachleute sehen darin den größten Vorteil des Mullah-Regimes.
Nach dem Tod von Ajatollah Ali Chamenei bleibt die Zukunft des Irans weiter ungewiss. Während der Iran-Krieg immer weitere Kreise zieht, hat US-Präsident Donald Trump die Menschen im Iran schon einmal aufgefordert, das Mullah-Regime in Teheran zu stürzen. Doch eine schlagkräftige Opposition, die ein mögliches Machtvakuum füllen könnte, existiert kaum. Vielmehr ist sie so zersplittert wie kaum eine andere im Nahen Osten. Das macht einen geordneten Machtwechsel unwahrscheinlich.

Die Opposition reicht von säkularen Republikanern über monarchistische Exilnetzwerke bis zu linksgerichteten Gruppierungen. Hinzu kommen ethnisch definierte Parteien, die alle teils völlig gegensätzliche Ziele verfolgen. Eine gemeinsame Führungsfigur oder Plattform gibt es nicht. „Es ist ein Flickenteppich aus verschiedenen Regimegegnern, die nicht mit einem gemeinsamen Programm auftreten“, sagte der Islamwissenschaftler Reinhard Schulze in einem Interview mit dem Schweizer Medienunternehmen SRF.
Opposition im Iran: Reza Pahlavi – eine sichtbare Symbolfigur mit umstrittener Legitimität
Im Ausland erzeugt primär der Sohn des letzten Schahs, Reza Pahlavi, mediales Aufsehen. Er positioniert sich als säkulare Übergangsfigur und lehnt eigenen Angaben zufolge jeden Machtanspruch ab. Als er die Menschen im Iran im Januar zu zwei Protesttagen aufrief, fand er unerwartet viel Gehör. „Ich glaube nicht, dass irgendjemand erwartet hat, dass so viele Menschen Reza Pahlavis Aufruf folgen würden“, zitierte die FAZ den mittlerweile inhaftierten Teheraner Politiker Ali Shakouri-Rad.
Reza Pahlavi lebt seit seinem 18. Lebensjahr nicht mehr im Iran. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz trat der 65-Jährige zuletzt öffentlich auf. Damals bekundete er seinen Willen, den „Übergang“ im Iran in eine „demokratische Zukunft“ anführen zu wollen. Er sei hier, um den Übergang „zu einer säkularen, demokratischen Zukunft“ zu gewährleisten, sagte Pahlavi. „Ich bin entschlossen, für Sie der Anführer dieses Übergangs zu sein. Damit wir eines Tages die endgültige Chance haben, über das Schicksal unseres Landes durch einen demokratischen, transparenten Prozess an der Wahlurne zu entscheiden.“
Opposition im Iran: NWRI und Volksmudschaheddin – gut organisiert, aber diskreditiert
Eine weitere prominente Exilkraft ist der Nationale Widerstandsrat Iran (NWRI) unter Maryam Rajavi. Die 72-Jährige setzt in der Iran-Frage auf einen Machtwechsel durch das iranische Volk selbst – getragen von organisiertem Widerstand und zivilgesellschaftlicher Mobilisierung. Auch sie meldete sich bei der Sicherheitskonferenz in München zu Wort: Per Videobotschaft sagte die NWRI-Präsidentin, der Weg zur großen Veränderung sei „der organisierte Aufstand“, in dem „die rebellischen Jugendlichen und die Aufstandszentren die entscheidende Rolle spielen“.
Ihre Organisation operiert von Paris aus. Ende Februar 2026 rief sie eine Übergangsregierung mit Rajavi als Präsidentin aus. Sein Kern, die Volksmudschaheddin (MEK), verfügt über straffe Strukturen und internationale Netzwerke – ist im Iran selbst aber aufgrund ihrer Kooperation mit dem früheren irakischen Diktator Saddam Hussein tief diskreditiert. „99 Prozent der Iraner lehnen die Volksmudschaheddin ab“, sagte Raz Zimmt vom Institute for National Security Studies in Tel Aviv gegenüber der FAZ.
Reformbewegung im Iran und zivilgesellschaftliche Kräfte
Innerhalb des Irans existieren reformorientierte Strömungen: Ex-Präsident Mohammad Chatami und der 83-jährige Mir-Hossein Mussawi, einstige Galionsfigur der Grünen Bewegung von 2009, stehen für einen geordneten Wandel innerhalb der Verfassung – ohne ausländische Intervention. Doch die Reformbewegung im Inland ist geschwächt. Mussawi steht seit 15 Jahren unter Hausarrest. Für jüngere Iraner gilt er vielen als zu systemkonform.
Der Reformpolitiker Mostafa Tajzadeh, 69 Jahre alt, sitzt im Gefängnis. Schulze betonte: „Es muss eine politische Figur im Land sein, die die Macht übernimmt.“ Ein Regimewechsel müsse von innen kommen. Dafür käme jemand aus dem alten Establishment oder der Armee infrage. Daneben haben Frauenrechtsbewegungen und Studierendengruppen – befeuert durch den Tod von Jina Mahsa Amini 2022 und den Slogan „Frau, Leben, Freiheit“ – erhebliche gesellschaftliche Resonanz entwickelt. Ihre prominenten Vertreterinnen werden jedoch systematisch inhaftiert.
Was geschieht nach einem Regimewechsel im Iran? Viele Fragen, wenig Antworten
Die meisten Fachleute halten einen tatsächlichen Sturz des Regimes derzeit für unwahrscheinlich. Sollte er dennoch eintreten, wäre ein provisorisches Bündnis verschiedener Oppositionskräfte – ergänzt durch Technokraten aus dem bestehenden Apparat – das wahrscheinlichste Szenario. Islamwissenschaftler Schulze betont: „Es muss eine politische Figur im Land sein, die die Macht übernimmt.“ Entscheidend wäre dann, ob die tief zerstrittene Opposition ihre ideologischen Differenzen überwinden kann. Bislang ist genau das ihr größtes Versagen – und das größte Geschenk für das Mullah-Regime in Teheran. (Quellen: SRF, Tagesschau, FAZ) (cs)