„Trump, und noch mal Trump“: Mit diesem Trick hielt Xi den US-Präsidenten geschickt bei Laune

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Von: Alexander Görlach

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Trump empfing Xi mit großem Protokoll in Washington. Konkrete Ergebnisse blieben aber überschaubar. Dafür wirkte vor allem einer am Ende gestärkt. Eine Analyse.

Donald Trump hat ein Jahr lang nahezu darum gebettelt, dass Xi Jinping ihn in Washington besucht. Doch Xi zierte sich eine ganze Weile. Der Empfang auf dem Roten Teppich, das Staatsbankett, für Trump sind all das Bilder, die erfolgreiche Diplomatie vermitteln sollen. Oft genug müssen diese Fotos als Ersatz für substanzielle Fortschritte in der Sache herhalten. Immer wieder nannte er Xi vor und während des Treffens seinen Freund. Xi erwiderte diese Bezeichnung nicht, lachte aber herzlich im Sinne des Gastgebers, als Trump ihm bei einem Rundgang durch die Kolonnade des Weißen Hauses ein „Porträt“ von Präsident Joe Biden zeigte: Allerdings kein Foto, sondern das Bildnis eines Autopen-Geräts, mit dem Trump und seine Anhänger dem Ex-Präsidenten unterstellen, er sei im Amt geistig nicht mehr in der Lage gewesen, selbst zu unterschreiben, und habe dafür ein Gerät benötigt.

Chinas Präsident Xi in den USA bei Donald Trump.
Chinas Präsident Xi in den USA bei Donald Trump. © Alex Brandon/dpa

„Trump, und dann noch mal Trump“, sagte der Präsident und deutete dabei auf seine eigenen Porträts als 45. und als 47. Präsident der Vereinigten Staaten, „und das hier ist der Autopen”. Mit diesen Worten kommentierte Trump gegenüber seinem Gast die Lücke dazwischen, in der eigentlich der 46. Präsident Joe Biden hängen sollte, woraufhin Xi und seine Delegation in lautes Gelächter ausbrachen. Dieses umschmeichelnde Lachen gefiel Trump sichtlich, und genau deshalb hat der starke Mann aus China diese Reaktion auch gewählt.

Wie Xi im Weißen Haus seinen Gastgeber geschickt bei Laune hielt

Klar ist, dass es China unter Biden einfacher hatte, herauszufinden, was der US-Standpunkt war. Auch hielt ein solcher Standpunkt, selbst wenn er Peking wie in Sachen Taiwan zuwiderlief, länger als der Kalendertag, an dem er geäußert wurde. Pekings mächtige Nomenklatura weiß, dass sie von Trump nichts Verlässliches bekommen wird. Von daher war es für Xi vor allem wichtig, dass dieses Treffen unfallfrei verlief. Lange fürchtete man sich in Peking vor den spontanen Einlassungen Trumps und hatte dabei das Dressing-down im Blick, das Trump dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj im Februar 2025 im Oval Office angedeihen ließ. Gleichzeitig weiß China, dass man Trump Karotten, wie den Lacher beim Anblick des „Biden-Bildes“, hinhalten muss, um ihn sich gewogen zu halten.

So geschehen bereits beim Gipfel der beiden im Mai in Peking, wo Xi ihm den Import von Sojabohnen und die Zusage zusicherte, 200 Boeing-Maschinen zu kaufen: Im Gegenzug bekam Xi Zugeständnisse in Sachen Taiwan, die Biden niemals gemacht hätte. Seitdem hält Trump ein Waffenpaket im Umfang von 14 Milliarden Dollar für Taiwan zurück, dessen Freigabe er auch vier Monate später noch verweigert, und wiederholte in einem Fox-News-Interview sogar Pekings Erzählung, wonach Taiwans Präsident Lai Ching-te sein Land in die Unabhängigkeit führen wolle, was faktisch falsch ist, was Xi Jinping aber als Vorwand missbrauchen könnte, um Taiwan eines Tages anzugreifen.

China hat im Moment gegenüber den USA die Oberhand: Peking verteilt KI-Modelle kostenfrei in alle Welt und sichert sich damit eine Stellung in den Ländern des Globalen Südens, die sich die teuren US-Modelle nicht leisten können. Die seltenen Erden, die es vor allem in China gibt bzw. dort aufbereitet werden, können jederzeit die US-Ökonomie abwürgen. Gleichzeitig kann Xi derzeit keinen Handelskrieg mit Washington gebrauchen, denn der heimischen Wirtschaft geht es nicht besonders gut. Und Donald Trump, der aufgrund der Abhängigkeit von China seinen Ton und seine Politik gegenüber dem Reich der Mitte, vor allem im Vergleich zu seiner ersten Präsidentschaft, extrem abgemildert hat, kann so kurz vor den Midterm-Wahlen im November nichts gebrauchen, was das Leben der Amerikaner noch weiter verteuert. Es war also im Interesse beider Staatenlenker, dass das Treffen nicht eskalierte.

Kam bei den Gesprächen etwas Konkretes heraus? Beim Handel immerhin eine Verlängerung der im Mai vereinbarten Zollwaffenruhe um zwei Monate, bis zum 10. Januar 2027. Von den vollmundigen Zusagen aus Peking, mindestens 17 Milliarden Dollar Agrarkäufe pro Jahr, 200 Boeing-Maschinen, geöffnete Märkte für amerikanisches Rind- und Geflügelfleisch, hat sich bislang jedoch wenig materialisiert. Washington lockerte im Gegenzug seine Beschränkungen für den Export fortschrittlicher Halbleiter, ohne bei den seltenen Erden auch nur eine verbindliche neue Zusage zu erhalten. Die US-Regierung selbst geht davon aus, dass Peking gerade einmal zwei Drittel seiner Mai-Zusagen bei den seltenen Erden erfüllt hat, weshalb die kurze Verlängerung offiziell als Bewährungsprobe verkauft wird. 

Bei der Künstlichen Intelligenz trat der ideologische Graben zwischen beiden Staatschefs offen zutage: Trump lehnt jede neue gesetzliche Regulierung dessen ab, was er „Superintelligenz“ nennt, und will notfalls erst im Nachhinein über das Justizministerium gegen Missbrauch vorgehen, statt vorab Leitplanken zu setzen. Xi widersprach dem in seiner Rede unmissverständlich: Man trage die Verantwortung, KI von vornherein so zu entwickeln und zu steuern, dass sie stets unter menschlicher Kontrolle bleibe und dem Wohl der Menschen diene, im Klartext ein Plädoyer für genau jene Regeln, die Trump ablehnt. Tech-Granden wie Sam Altman, Jensen Huang und Sundar Pichai saßen zwar artig beim Staatsbankett, ein gemeinsames Rahmenwerk zur KI-Kooperation kam dennoch nicht zustande. Der Auftritt half aber vor allem Peking: Xi konnte sich als der besonnenere, verantwortungsvollere Akteur inszenieren. 

Xi drängte darauf, dass Washington in der Taiwan-Frage vorsichtig vorgehe, und forderte eine klare amerikanische Absage an taiwanesische Unabhängigkeitsbestrebungen. Zu einer Änderung der offiziellen US-Position der „strategischen Ambiguität“, wonach sich Washington offenhält, Taiwan im Falle eines Angriffs auch gegen China militärisch zu verteidigen, kam es nicht. Das bereits erwähnte Waffenpaket für Taipeh dürfte dennoch bis auf weiteres auf Eis liegen. Dass Xi hier nicht noch weiter Druck machte, könnte man im Sinne der Dynamik zwischen den beiden Staaten, dem Pendel, das derzeit zugunsten Pekings schwingt, tatsächlich als einen Punkt für die USA verbuchen.

Beide Seiten scheinen sich vorab, ganz anders als in der Vergangenheit, zum Leisetreten verpflichtet zu haben. Und so betonten Xi und Trump, wie wichtig es sei, im Gespräch zu bleiben, und bekräftigten den bereits im Mai verabredeten Kurs der „konstruktiven strategischen Stabilität“. Wiedersehen werden sich die beiden Staatschefs ohnehin bald: im November am Rande des APEC-Gipfels im chinesischen Shenzhen, und im Dezember dann beim G20-Treffen in Trumps eigenem Golfresort Trump National Doral in Miami. 

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