„Nicht das Allheilmittel“ – Wie Tauschwohnungen den Mietmarkt verändern
Uns auf Google folgenDie Linken wollen ein bundesweites Recht auf Wohnungstausch, Vermieter und andere Parteien sträuben sich. Doch was kann das Nischenkonzept wirklich?
„Die katastrophale Wohnungssuche ein bisschen besser machen”, so erklärt John Weinert, Gründer der Plattform „Tauschwohnung“ seinen Ansporn. „Ich musste während des Studiums selbst alle drei Monate umziehen. Schon 2014 ist mir aufgefallen, dass viele Leute, ihre Wohnungen untereinander zu tauschen“, erzählt Weinert. Als Wirtschaftsinformatiker kam ihm wenig später die Idee, dafür eine Plattform zu schaffen.
Zehn Jahre später läuft die Plattform gut. Ein kleines Team arbeitet deutschlandweit, mit Weinert als CEO. Neben Kooperationen mit Städten wie München, Freiburg oder Düsseldorf, war Weinert letztes Jahr auch als Sachverständiger im Bundestag zu Gast. Die Frage, zu der er seine Einschätzung teilte: Brauchen wir ein Recht auf Wohnungstausch? Zuvor hatte die Fraktion der Linken erstmals einen Antrag für ein bundesweites Recht auf Wohnungstausch gestellt.

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Wann ist Wohnungstausch erlaubt?
Ein solches Recht soll tauschwilligen Mieterinnen und Mieter den gegenseitigen Eintritt in bestehende Mietverträge unter Beibehaltung der Vertragskonditionen und demnach ohne Erhöhung der Mieten ermöglichen. Laut Forderung der Linken soll zwar die Zustimmung der Vermieter eingeholt werden, die sollen aber nur wegen besonders triftiger Gründe verweigern dürfen. Ein solcher Anspruch würde die Rechtsposition für tauschwillige Wohnungssuchende erheblich verbessern.
Aktuell ist ein Wohnungstausch nur möglich, wenn die Vermieterinnen und Vermieter einwilligen. Die Bedingungen sind zudem frei verhandelbar und können neben Mieterhöhungen jede Art von Änderungen in den Vertragsbedingungen betreffen. Auch der Deutsche Mieterbund fordert seit längerem eine rechtliche Verankerung der Option zum Wohnungstausch und begrüßt den Schritt der Linken.
Bedarfsgerechter und sozialer – so können Tauschwohnungen helfen
Kann Wohnungstausch die Lösung für die Wohnungskrise in Deutschland sein? Mieten steigen und die Ampel verfehlte das im Koalitionsvertrag festgehaltene Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr. Mehr noch: Bundeskanzler Olaf Scholz gab kürzlich erst zu, dass dies die „untere Grenze des Bedarfs“ und sei und es zu „unglaublichen Fehlkalkulationen“ beim Wohnungsbau kam.
Weinert ist davon überzeugt: „Es geht vor allem darum, dass keine neuen Wohnungen gebaut werden müssen. Die Tauschpartner haben direkten Kontakt – ohne Massenbesichtigungen.“ „Im Idealfall“, so Weinert, „könnte es so ablaufen, dass ältere Menschen oder Familien, deren Kinder schon aus dem Haus sind, sich verkleinern wollen.
Jüngere Leute, die mehr Platz brauchen, können dann in diese Wohnung ziehen. Vielleicht ist die kleinere Wohnung auch bereits moderner und barrierefreier für die Älteren.“ Das sei nicht nur bedarfsgerechter, sondern auch nachhaltiger. Laut der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen verursacht jeder neu gebaute Quadratmeter 440 Gramm CO₂.
Markt übersättigt und Konkurrenz aus Schweden
Doch die Realität sieht oft anders aus. Viele Vermieterinnen und Vermieter kennen das Konzept nicht und sind dementsprechend skeptisch, erklärt Weinert. Verzweifelte Menschen auf Wohnungssuche werden zudem von einem Überangebot auf den gängigen Plattformen der Wohnungssuche überrollt. Wer keine Wohnung zum Tauschen hat, ist von diesem Angebot ausgeschlossen und muss sich durch etliche Seiten nicht zugänglicher Wohnungen klicken. Manche Plattformen haben mittlerweile einen Filter dafür entwickelt. Und auf einmal bleiben von 300 Seiten nur noch zwei übrig.
Weinert erklärt: „Tauschwohnungen sind eine Alternative, eine Nische – nicht das Allheilmittel für die Wohnungskrise. Sie haben auch einen ganz anderen Charakter als normale Wohnungen. Während Mietwohnungen innerhalb von ein paar Minuten wieder von den Seiten entfernt werden, weil sich Hunderte darauf bewerben, bleiben Tauschwohnungen, im Schnitt vier bis fünf Monate online.“ Sein Unternehmen versuche außerdem das Angebot zu limitieren – auf 1.500 Wohnungen – und diese auf verschiedene Städte zu verteilen. Nun habe sich aber auch der schwedische Konkurrent „Wohnungs-Swap“ in Deutschland etabliert. Und ein Überangebot sei nicht gut für den Markt.
„Wirkung ernüchternd gering“ – das sagen SPD und FDP
Emily Vontz (SPD), ordentliches Mitglied im Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen und seit 2023 jüngste Bundestagsabgeordnete, begrüßt die Diskussion: „Die Rahmenbedingungen für Wohnungstausche könnten sicherlich noch vereinfacht und verbessert werden“, erklärt Vontz gegenüber BuzzFeed News Deutschland, ein Portal von IPPEN.MEDIA. Die Lösung für die Wohnungskrise sei das Konzept jedoch nicht. „Die Bemühungen, wie Menschen schneller und einfacher eine neue Wohnung finden können, müssen sich aber auf das Schaffen neuer Wohnungen konzentrieren.“
Weniger überzeugt sind die Freien Demokraten. Die Vorsitzende des Ausschusses für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen Sandra Weeser (FDP) erklärt auf Nachfrage von BuzzFeed News Deutschland: „Die Wirkung auf den Wohnungsmarkt ist bei gleichzeitig hohem politischem Aufwand ernüchternd gering“.
Mit diesem Modell schaffe man keine neuen Wohnungen und würde so auch die Eigentumsrechte der Vermieterinnen und Vermieter einschränken, kritisiert Weeser weiter. „Damit nehmen wir Eigentümerinnen und Eigentümern die Motivation, in den Bestand der Immobilie zu investieren.“