„Kein gutes Argument dagegen“– FDP-Ministerin fordert Umdenken bei Gentechnik

Aktualisiert:

Von: Maximilian Kurz

Uns auf Google folgen

Die neuen Pläne rund um den Einsatz von Gentechnik auf EU-Äckern nehmen Fahrt auf. Nun äußert sich neben vielen Wissenschaftlern auch eine deutsche Ministerin.

Brüssel – Die EU-Kommission plant Regelungen, die den Anbau von Pflanzen mit NGT (neuen genomischen Techniken) erleichtern sollen. Nun meldet sich auch Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) zu Wort.

Gentechnik: 1000 Wissenschaftler fordern Veränderung

Ein offener Brief von 1000 europäischen Wissenschaftlern (darunter 35 Nobelpreisträger) hatte zuvor die europäischen Spitzenpolitiker erreicht. Die Wissenschaftler argumentierten in ihrem Schreiben: „Wir müssen uns mehr denn je über Ideologie und Dogmatismus hinwegsetzen“. Sie ergänzten: „Neue genomische Techniken versprechen viel für eine nachhaltige Landwirtschaft, verbesserte Ernährungssicherheit und innovative medizinische Lösungen“.

Forschungsministerin Stark-Watzinger
Bettina Stark-Watzinger bei einer Pressekonferenz. Die FDP-Ministerin ist die erste laute Stimme aus der Bundesregierung, die sich Pro-Gentechnik positioniert. © Bernd von Jutrczenka/dpa

Für die Wissenschaftler ist eines klar: „Politiker sollten sich mit der überwältigenden Mehrheit der Landwirte und echten Experten auseinandersetzen und nicht mit reaktiven Anti-Wissenschafts-Lobbyisten“.

FDP-Ministerin Stark-Watzinger fordert Umdenken bei Gentechnik

Bundesforschungsministerin Stark-Watzinger zeigte sich daraufhin offen für den Einsatz von Gentechnik in Deutschland und Europa. Die FDP-Politikerin erklärte gegenüber der Bild am Sonntag: „Über 1000 Wissenschaftler und 35 Nobelpreisträger sprechen Klartext: Wir brauchen die neuen Züchtungstechniken und müssen sie europaweit zulassen!“ Die FDP-Politikerin fügte hinzu: „In Wahrheit gibt es kein gutes Argument dagegen.“

Bereits in der Vergangenheit setzte sich die Politikerin für ein Umdenken ein. Im Juni 2023 mahnte die liberale Ministerin im Deutschlandfunk, dass man bei der Biotechnologie nicht den Fehler machen sollte, sich von der Zukunft abzumelden. Für die FDP-Frau stecken in den neuen Züchtungstechniken große Chancen, Pflanzen „effizient, zielgerichtet und sicher“ züchten zu können.

EU-Kommission: Neue Gentechnik-Regeln geplant

Mit NGT-Techniken könnten Wissenschaftler künftig in das Erbgut von Pflanzen eingreifen. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die sogenannte Gen-Schere, bei der ein DNA-Strang an einer Stelle durchgeschnitten und daraufhin gezielt verändert werden kann. Da durch dieses Verfahren kein fremdes Erbgut hinzugefügt wird, würde Brüssel die veränderten Pflanzen gerne in Zukunft normal behandeln.

Deutschland zeigte sich bisher kritisch. Umweltministerin Steffi Lemke und Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (beide Bündnis90/Die Grünen) zeigten sich wenig überzeugt von den EU-Plänen. Auch die SPD-Entwicklungsministerin Svenja Schulze erklärte auf X (ehemals Twitter): „Die Gentechnik hat in ihrer Geschichte noch keinen wesentlichen Beitrag zur Ernährungssicherheit geleistet.“

Kommentare

$Teilen