PKK-Fahnen und Wolfsgrüße: Was hinter der Gewalt in Belgien steckt

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Von: Erkan Pehlivan

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In Belgien wollte eine Gruppe türkischer Nationalisten offenbar das Haus einer kurdischen Familie in Brand setzen. Schwappt die Gewalt jetzt nach Deutschland über?

Heusden-Zolder – Zwischen der türkischen und deutschen Regierung bahnt sich erneut Ärger an. Das türkische Außenministerium warnte in einer Mitteilung Deutschland und europäischen Staaten davor, tatenlos gegen Anhänger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK zu sein. Grund dafür soll ein Angriff von Anhängern der PKK auf das türkische Generalkonsulat in Hannover sein.

„Nach dem Angriff wurden deutsche Beamte kontaktiert und daran erinnert, dass sie für die Sicherheit unserer Bürger und diplomatischen Vertretungen verantwortlich sind und dass Provokationen gegen die türkische Gemeinschaft in Europa nicht toleriert werden sollten“, heißt es darin. „Wir erwarten von den betroffenen Ländern, dass sie keine Toleranz gegenüber den Aktionen der Anhänger der Terrororganisation zeigen und die Täter so schnell wie möglich vor Gericht stellen.“

Polizei Hannover bestätigt Angriff auf türkisches Generalkonsulat

Dass es zu Angriffen auf das türkische Generalkonsulat am Dienstag kam, bestätigt jetzt auch die Polizei Hannover. Etwa 20 Personen seien gestern nach den Solidaritätsprotesten für die Kurden in Belgien in Richtung des türkischen Generalkonsulats weitergegangen. „Die Personen warfen Steine und schlugen mit Eisenstangen gegen Fensterscheiben des Konsulats, wobei diese beschädigt wurden. Beim Eintreffen der weiteren Polizeikräfte flüchteten die Täter zu Fuß in unterschiedliche Richtungen. Im Rahmen der Fahndungsmaßnahmen nahmen Polizeikräfte zunächst zwei Personen im Nahbereich fest“, so die Polizei Hannover in einer Pressemitteilung. Ob es sich bei den Tätern um ehemalige Versammlungsteilnehmende handelt, sei derzeit jedoch ungewiss.

Kurdische Flaggen und Symbole sollen „provoziert“ haben

Der Vorfall in Hannover ist offenbar nur eine Fortsetzung der Krawalle in Belgien. Dort war es am Rande der Feierlichkeiten zum kurdischen Neujahrsfest „Newroz“ zu Auseinandersetzungen zwischen Kurden und türkischen Nationalisten gekommen. Etwa 5000 Kurden aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland hatten sich am Sonntag zu der kurdischen Feierlichkeit versammelt.

„Nach dieser Veranstaltung fuhr ein kleiner Autokonvoi nach Heusden-Zolder. Mit Hupen, kurdischen Fahnen, PKK-Parolen und Bildern provozierten sie die örtliche türkische Gemeinde auf der Koolmijnlaan in Heusden-Zolder“, schreibt die Gazet van Antwerpen. Dies soll zu einem Angriff auf einen türkischen Mann geführt haben. „Diese Nachricht verbreitete sich über die sozialen Medien, und innerhalb kurzer Zeit hatten sich Dutzende von Türken versammelt. Der Vorfall führte zu mehreren Konfrontationen, die sich über die Region Houthalen und Heusden-Zolder ausbreiteten“, so Bürgermeister Alain Yzermans gegenüber der Zeitung.

Die Krawalle zwischen Kurden und Türken drohen nach Deutschland überzuschwappen.
In Belgien hat es Auschreitungen nach einer Lynchattacke auf eine kurdische Familie gegeben. © IMAGO/ERIC LALMAND

Aussagen von belgischem Bürgermeister sorgen für Verwirrung bei Kurden

Die Aussagen des belgischen Politikers sorgt beim Vorsitzenden der Informationsstelle für antikuridschen Rassismus, Civan Akbulut für Unverständnis. „Irritierend ist, dass der Bürgermeister von Houthalen-Helchteren, Alain Yzermans, in kürzester Zeit, noch während kurdische Personen vermisst wurden, die Schuld bei den Opfern dieser Attacke suchte. Das von uns eingesehene Material zeigt eine andere Situation. Wir stehen solidarisch an der Seite derer, die an diesem Tag extreme Gewalt erfahren mussten, nur weil sie mit kurdischen Symbolen Newroz feierten. Herr Yzermans ist auch Bürgermeister jener, die durch die Angriffe der türkischen Rechtsextremisten noch immer schwer verletzt im Krankenhaus liegen. Das muss er wissen“, sagt Akbulut im Gespräch mit fr.de von IPPEN.MEDIA.

Doch auch der stellvertretende Bürgermeister von Heusden-Zolder, Yasin Gül, beschuldigt die Kurden an der Eskaltion der Gewalt. „Wir leben seit 60 Jahren als westeuropäische Türken. Unsere Gemeinde hat vorher so etwas noch nicht erlebt“, sagte Gül der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu. In einem Gespräch mit dem TV-Sender CNN Türk sagt Yasin, die Kurden hätten mit den Flaggen des „sogenannten“ Kurdistan und des inhaftierten Vorsitzenden der PKK, Abdullah Öcalan, die nationalen und religiösen Gefühle der Türkischstämmigen in seiner Stadt verletzt. Gül soll selbst Verbindungen zu türkischen Nationalisten haben, wie mehrere Aufnahmen auf X zeigen sollen.

Mob mit Wolfsgruß will Haus von kurdischer Familie in Brand setzen

Bilder in den sozialen Medien sprechen allerdings eine andere Sprache. Dort hatten sich türkische Nationalisten vor dem Haus einer kurdischen Familie versammelt und versucht, dieses in Brand zu setzen, erzählte auch der kurdische Journalist Deniz Babir. Aus der Gruppe werden immer wieder der Wolfsgruß gezeigt, das Symbol der nationalistischen Grauen Wölfe. Die Bewohner seien mit einigen anderen kurdischen Familien von den Newroz-Feierlichkeiten zurückgekehrt, als sie angegriffen worden seien. Sie hätten sich mit ihren Kindern im Haus verschanzen müssen. Der Mob habe sogar versucht, das Haus der kurdischen Familie in Brand zu setzen. Der Einsatz der Polizei habe das allerdings verhindern können.

Nur wenige Tage zuvor war der türkische Außenminister in Belgien

„Nur wenige Tage vor den Krawallen war der türkische Außenminister Hakan Fidan in Belgien. Dort hat sich Fidan auch mit Vertretern der Community getroffen. Kurze Zeit später eskaliert dann die Gewalt auf den belgischen Straßen“, sagte der kurdische Journalist Deniz Babir. Babir steht mit der kurdischen Familie in Kontakt, deren Haus von den türkischen Nationalisten angegriffen wurde. Fidan war zuvor Chef des türkischen Geheimdienstes MIT und versteht, wie Oppositionelle mundtot gemacht werden sollen.

„Von der Europäischen Union wird sie seit 2002 als Terrororganisation gelistet, in Deutschland unterliegt sie bereits seit 1993 einem Betätigungsverbot“, schreibt das Bundesamt für Verfassungsschutz über die PKK. Die Grauen Wölfe stehen ebenfalls im Visier der deutschen Behörden und werden sowohl vom Bundesamt für Verfassungsschutz als auch verschiedenen Landesämtern für Verfassungsschutz beobachtet. Politiker der Linken sowie mehrere Nichtregierungsorganisationen fordern immer wieder eine Aufhebung des PKK-Verbots. Bislang war dieses Vorhaben immer wieder gescheitert – offenbar aus Rücksicht vor dem Nato-Partner Türkei und ihres Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Aus demselben Grund dürften auch die Verbotsanträge gegen die Grauen Wölfe gescheitert sein. (erpe)

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