„Blingbling“ für Donald Trump bei Charles – doch unter der Oberfläche rumort es

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Von: Alexander Görlach

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Schöne Bilder – und was noch? Hinter Donald Trumps Besuch bei Charles III. versteckt sich eine düstere Wahrheit, meint Geopolitik-Experte Alexander Görlach.

Alexander Görlach ist Geopolitik-Experte und unterrichtet an der New York University. Für IPPEN.MEDIA blickt er auf die Brennpunkte dieser Welt.

Der festlich geschmückte Bankett-Saal in Schloss Windsor, König Charles III. und US-Präsident Donald Trump im Frack, umkränzt von 160 zum Festmahl geladenen bedeutenden Persönlichkeiten; Gold, Glanz und Glorie.

Das Geschehen hatte die Anmutung eines Gestern, an das viele Menschen in England und in den Vereinigten Staaten gerne anknüpfen wollen: Amerika und England zusammen, das erinnert an die neue Weltordnung, die die Staatsmänner beider Länder noch während das Grauen des Zweiten Weltkriegs tobte, aus der Taufe zu heben wagten. Es ist die „gute, alte Zeit“, in der sich die transatlantischen Freunde auf der richtigen Seite der Geschichte wussten. König Charles sagte, dieser Vergangenheit eingedenk, dass Amerikaner und Engländer „enge Verwandte“ seien. Der vom König verwendete Ausdruck, „closest of kin“, „engste Verwandte“, der das Verhältnis beider Länder zusammenfassen sollte, hat in diesem Sinne eine verbindliche Bedeutung.  

Trump und Charles III. – und der Griff nach der „guten alten Zeit“

Beide Länder, so wollte es das Hofzeremoniell nahelegen, befinden sich auf dem Höhepunkt ihrer Macht, so wie nach 1945. Doch der Schein trügt. Mit dem Ende des Kolonialzeitalters hat London sein Weltreich wieder an die Menschen zurückgeben müssen, deren Land es zuvor besetzt hielt. Nach dem Brexit schrumpfte die Bedeutung des Vereinigten Königreichs noch weiter. Die USA haben sich durch den Vietnam- und Irakkrieg desavouiert. Die Volksrepublik China fordert die alten Mächte heraus. Nicht zuletzt in den Ländern, die unter US-amerikanischer und britischer Außenpolitik zu leiden hatten, hat Peking Fuß gefasst.

Donald Trump, König Charles III. und die britischen Royals beim bescheidenen Umtrunk.
Cheers: Donald Trump, König Charles III. und die britischen Royals beim bescheidenen Umtrunk. © IMAGO/Spotlight Royal

Beide Länder kämpfen gegen den ökonomischen Niedergang an, das Ende des Bergbaus in England und das der Autostadt Detroit sind Sinnbilder einer tiefergehenden Malaise. Aus diesem Grund formieren sich in beiden Ländern Bewegungen, die die „gute, alte Zeit“ zurückwollen, in der man unangefochten an der Spitze des Menschheitsgeschehens stand. Dieser Wunsch ist nicht nur einfach ein ökonomischer.

Er knüpft direkt an die über 400 Jahre lange gültige Vorstellung an, dass die „weiße Rasse“ die überlegene, zum Herrschen über den Rest bestimmte sei. Nur wenige Tage vor der Landung des US-Präsidenten in England protestierten in der Londoner Innenstadt rund 110.000 Menschen für eine Insel ohne Einwanderer, für ein weißes Eiland. Die Partei des Brexit-Architekten Nigel Farage, Reform UK, führt in den landesweiten Umfragen.

Rechtsnationale in USA und Großbritannien: Etwas ist zerbrochen

Donald Trump hat schon in seiner ersten Amtszeit rechtsradikale, gewaltbereite Nationalisten als „good people” gelobt. Die Aufständischen, die am 6. Januar 2021 den Regierungswechsel verhindern wollten, hat er begnadigt. Den abscheulichen Mord am Rechtspopulisten Charlie Kirk nutzt die Trump-Administation jetzt, um gegen politisch Andersdenkende vorzugehen. Dass Donald Trump die Nationalgarde in Washington D.C. befehligt, bedeutet in Konsequenz nichts anderes, als dass der Präsident mithilfe dieser Prätorianer nach der nächsten Wahl, zu der er eigentlich nicht mehr antreten darf, entweder selbst im Amt bleiben oder seinen designierten Nachfolger ins Weiße Haus befördern kann. 

Die rechtsnationalen Bewegungen in beiden Ländern führen vor Augen, dass das Narrativ, der die Gesellschaft zusammenhielt, zerbrochen ist. Weder ist England ein „land of hope and glory“, noch sind die USA noch „das Land der unbegrenzten Möglichkeiten“. Sie wollen, dass sich ihre Länder radikal verändern. Der politische Gegner ist zum Feind geworden, den es auszuradieren gilt. Keine Demokratie kann so verhärtet überleben. 

„Blingbling“ für Donald Trump: Charles III. und der US-Präsident in der „Welt von gestern“

Auch das außergewöhnliche Verhältnis, auf das König und Präsident anstoßen, hat in Wirklichkeit Risse bekommen. Der ganze Pomp in Windsor dient eigentlich nur dazu, den auf Blingbling und Lobhudeleien fixierten US-Präsidenten bei Laune zu halten. Nur so kann man Trumps Strafzöllen entgegenwirken, glaubt man in der Downing Street. London ist es gelungen, einen Handelsdeal abzuschließen. Für den Moment herrscht Burgfriede. 

Das Besteck, das sich schon König Viktoria und ihr Hofstaat in den Mund geschoben haben sollen und mit dem heute König Charles und Donald Trump klappern, ist das einzige, was Beständigkeit und eine Verbindung zu der Welt von gestern herstellt, einer Welt, die nicht zurückkommt – auch wenn man es sich noch so sehr wünscht. 

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