Erdogan strebt massive Ausweitung der Raketenproduktion an

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Von: Erkan Pehlivan

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Der türkische Präsident möchte die Herstellung von Raketen deutlich steigern, um abzuschrecken. Doch das ist unzureichend. Der Luftwaffe fehlen Piloten.

Ankara – Angesichts der Eskalation des Krieges zwischen Israel und dem Iran will der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Abschreckungskapazitäten der Türkei verstärken. Sein Land wolle deswegen das Raketenarsenal erweitern: „Wir erarbeiten Produktionspläne, um unsere Mittel- und Langstreckenraketenbestände angesichts der jüngsten Entwicklungen auf ein abschreckendes Niveau zu bringen. Wir hoffen, dass wir in kurzer Zeit ein Niveau der Verteidigungsfähigkeit erreichen werden, auf dem es niemand mehr wagen wird, uns auch nur herauszufordern.“ Zuvor hatte der Regierungspartner und Anführer der rechtsradikalen MHP, Devlet Bahceli, angedeutet, die Türkei sei das nächste Ziel: Israel wolle Anatolien umzingeln.

Luftverteidigung der Türkei schwach

Die Türkei hat es derzeit schwer. Nachdem das Land aus dem F-35-Programm suspendiert worden war, hat es jahrelang versucht, moderne Versionen des Kampfjets F-16 aus den USA zu kaufen. Die vorhandenen Modelle der Türkei sind veraltet. Doch das türkische Militär hat noch weitere Mängel, sagt Özgur Unluhisarcikli, Türkei-Analyst beim German Marshall Fund gegenüber The Independent. „Obwohl die Türkei über eine sehr große Armee – die zweitgrößte in der NATO – verfügt, ist ihre Luftmacht, ihre Luftverteidigung relativ schwach“, so Unluhisarcikli. Der anhaltende Konflikt habe die Bedeutung der Luftüberlegenheit, einschließlich Raketen und Raketenabwehrsystemen, verstärkt und die Länder in der Region, einschließlich der Türkei, dazu veranlasst, „ihre Luftstreitkräfte zu stärken“, erläutert Unluhisarcikli.

Türkei fehlen Kampfpiloten

Wie schlimm es insbesondere um die türkische Luftwaffe steht, erklärt der ehemalige Oberst der türkischen Luftwaffe, Yüksel Akkale, auf X. Auch wenn die Türkei über moderne Kampfflugzeuge verfügen sollte, gebe es zu wenige Piloten, die die Maschinen fliegen könnten. Die Türkei sei alleine schon deswegen Israel unterlegen. Die Türkei habe mehr als 850 Kampfpiloten nach dem Putschversuch 2016 entlassen. Derzeit würden mehr als 900 Kadetten zu Kampfpiloten ausgebildet. „Das Problem dabei besteht nicht darin, ob wir eine F-16 fliegen können oder nicht, sondern darin, dass die Einsatzfähigkeit der Luftwaffe auf eine Weise zerstört wurde, die nicht wiederhergestellt werden kann.“

Präsident Erdogan will durch den Ausbau der Raketenproduktion Abschreckungspotential schaffen.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will die Produktion von Raketen ausbauen, um abzuschrecken. © dpa/Khalil Hamra

Solche Maschinen seien nicht etwas, was man mit 20 bis 30 Piloten im Ruhestand, denen man viel Geld angeboten habe, wieder fliegen könnte. Es dauere sechs Jahre, bis ein Pilot so ausgebildet sei, dass er einen Kampfjet fliegen könne. 14 Jahre dauere es, bis ein Kampfpilot erfahren genug sei, selber Kampfpiloten auszubilden, schreibt Akkale, früher Pilot der türkischen Luftwaffe. Viele der entlassenen Piloten und auch Anwärter wurden nach dem Putschversuch verhaftet. Erdogan warf ihnen vor, Mitglieder der Gülen-Bewegung zu sein. Die Bewegung wurde 2016 zur Terrororganisation erklärt und hunderttausende Menschen, die ihr nahestehen sollen, verhaftet.

Türkei fordert von Pakistan Hilfe bei Kampfpiloten-Ausbildung

In einem Aufsatz des Atlantic Council von 2017 wird der Pilotenmangel der türkischen Luftwaffe bestätigt. „Um den Mangel an Ausbildern zu beheben, hat die Türkei auch die pakistanischen Luftstreitkräfte um Hilfe gebeten, um das Produktions- und Aufnahmeproblem zu lösen.“ Doch diese Ausbildung an F-16 verstoße gegen den US-amerikanischen International Traffic in Arms Regulations (ITAR), das Regelwerk, das die US-Rüstungsexporte begrenzt. „In diesem Fall würde die pakistanische Ausbildung eine Wiederausfuhr von technischen Daten darstellen und unterliegt somit den US-Ausfuhrkontrollbeschränkungen. Die pakistanische Luftwaffe leistet jedoch Berichten zufolge Unterstützung bei der Ausbildung an einmotorigen Flugzeugen, der ersten Stufe eines dreistufigen Ausbildungsprogramms für F-16-Piloten“, heißt es in dem Aufsatz.

Kaplan, Bora, Tayfun, Cenk – Türkei stellt neue Raketen vor

Auf X stellt die Turkish Defence Agency derweil einige ihrer „inländischen und nationalen ballistischen Raketen“ vor. Dazu zählen der „Kaplan“ (Reichweite 30km bis 120km), Bora (80km bis 280 km), Tayfun (Reichweite über 560 km) und Cenk (Reichweite mehr als 1500 km). Ob sich alleine mit Raketen ein Abschreckungspotenzial aufbauen lässt, wird sich aber noch zeigen müssen. (erpe)

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