Erdogan als Friedensvermittler im Nahen Osten und Ukraine-Krieg? Wie die Türkei sich das zunutze macht
Uns auf Google folgenDer türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan fungiert im Nahen Osten und im Ukraine-Krieg als Friedensvermittler. Damit kann Erdogan sein Image wieder aufpolieren.
Ankara – Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gilt derzeit als Friedensvermittler im Nahen Osten. Sein US-amerikanischer Amtskollege Donald Trump hat ihn in den vergangenen Wochen immer wieder öffentlich gelobt. „Weißt ihr, wie hart dieser Mann ist? Ich mag ihn“, sagte Trump, als er den türkischen Präsidenten in Ägypten empfing, um den Waffenstillstand im Gazastreifen zu besiegeln. „Er ist immer da, wenn ich ihn brauche. Er ist ein harter Kerl – so hart wie man nur sein kann – aber wir lieben ihn“, ergänzte der US-Präsident später.

Erdogan nutzt enge Kontakte zur Hamas für Frieden im Gaza-Krieg
Und Erdogans gutes Verhältnis insbesondere zur Hamas hat sich bezahlt gemacht. Seit Monaten laufen Gespräche mit der Hamas. „Der Leiter des türkischen Geheimdienstes MIT, İbrahim Kalın, hat gestern Abend ein Telefongespräch mit dem stellvertretenden Leiter des Politbüros der Hamas, Halil Hayye, geführt“, teilte die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi zum Beispiel am 2. Juni mit.
Zugleich hieß es, dass die Türkei das palästinensische Volk unterstütze: „Im Gespräch, in dem auch die von der Türkei gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft unternommenen Anstrengungen zur Beendigung der humanitären Katastrophe und der Zerstörung im Gazastreifen sowie zur sofortigen Sicherstellung von Hilfslieferungen thematisiert wurden, wurde betont, dass die Türkei fest an der Seite des palästinensischen Volkes stehe.“ Erdogan traf sich im April 2024 mit dem politischen Chef der Hamas, Ismail Haniyeh, in Istanbul. . Die beiden sprachen rund im Dolmabahce-Palast unter anderem über humanitäre Hilfe für Gaza sowie über eine Waffenruhe.
Erdogan als Friedensvermittler im Ukraine-Krieg
Die Türkei gilt auch im Ukraine-Krieg als Vermittler. Erdogan hat beste Beziehungen sowohl zum russischen Präsidenten Wladimir Putin als auch dem ukrainischen Staatsoberhaupt Wolodymyr Selenskyj und genießt von beiden Seiten Respekt. Bei einem Telefongespräch am 20. August hatte Erdogan seinem russischen Kollegen die Unterstützung für einen Ukraine-Friedensprozess zugesichert.
Die Türkei habe sich „seit Kriegsbeginn aufrichtig um einen gerechten Frieden bemüht und unterstütze in diesem Zusammenhang Ansätze zur Herstellung eines dauerhaften Friedens unter Beteiligung aller Kriegsparteien“, erklärte das türkische Präsidialbüro. Putin habe dabei sogar Erdogan für seine Rolle als „Gastgeber von Friedensgesprächen“. In Istanbul hatte sich mehrfach Unterhändler aus der Ukraine und Russland getroffen, um über einen Friedensprozess zu diskutieren.
Obwohl der Ukraine-Krieg unvermindert weitergeht, hatten sich beide Seiten in direkten Gesprächen in Istanbul im Juli auf einen weiteren Gefangenenaustausch geeinigt. Eine Einigung auf eine Waffenruhe ist allerdings noch immer nicht in Sicht. „Wir haben uns darauf verständigt, weiter im Kontakt zu bleiben“, sagte der russische Chefunterhändler Wladimir Medinski damals.
Die Gespräche in Istanbul waren die dritte direkte Verhandlungsrunde zwischen der Ukraine und Russland. Das einzige konkrete Ergebnis der vorherigen Treffen in der türkischen Metropole war ebenfalls die Einigung auf einen Gefangenenaustausch gewesen. Beide Seiten hatte sich dabei auf die Freilassung von jeweils 1200 Kriegsgefangen verständigt.
Selenskyj besucht Erdogan in Ankara
Im Mai hatte Selenskyj die Türkei besucht. Bei dem Treffen im Präsidentenpalast wurden die „Bemühungen um eine Lösung des Russland-Ukraine-Konflikts sowie bilaterale und regionale Themen erörtert“, teilte das türkische Präsidialbüro mit. Erdogan unterstrich damals, dass die Türkei großen Wert darauf lege, die Dialogkanäle zwischen der Ukraine und Russland offenzuhalten, um einen raschen Frieden zu erreichen. Zudem wäre man als Gastgeberland erfreut, die Staatsoberhäupter beider Länder auch in Zukunft zu empfangen.
Türkei leidet unter massivem Imageverlust
Die Türkei hat in den vergangenen Jahren wegen massiver Menschenrechtsverstöße und Demokratiedefizite stark an Ansehen verloren. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch kritisieren deswegen die Türkei immer wieder. Die Schuld für den Imageverlust gibt Erdogan jedoch der Opposition. „Es ist keine Politik, den vom Volk gewählten Präsidenten dieses Landes in den westlichen Hauptstädten von seinen Kameraden ausbuhen zu lassen“, schrieb Erdogan auf X. Mit seiner Initiative als Friedensvermittler hofft er wohl darauf, das Ansehen der Türkei und vor allem sein eigenes Image aufpolieren zu können. (Quellen: AFP, İletişim Başkanlığı, Anadolu Ajansı, X) (erpe)