„Wir wissen, was zu tun ist“

Dritte Corona-Welle: Lauterbach fordert von Merkel drei Sofort-Maßnahmen - „letztes Gefecht“

  • Luisa Billmayer
    VonLuisa Billmayer
    schließen

Für Machtfragen sei jetzt nicht der richtige Zeitpunkt. Corona-Experte Karl Lauterbach (SPD) hat klare Forderungen an Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsident:innen.

München - Bund oder Länder? Wer soll durchgreifen und das letzte Wort haben in der Corona-Pandemie*? Spätestens seit Angela Merkels Auftritt bei Anne Will wird diese Kompetenz-Frage heiß diskutiert. „Das kostet nur Zeit“, findet Karl-Lauterbach. Der SPD-Gesundheitsexperte hält wenig von den Machtkonflikten, wie er in einem Interview mit ntv klarstellte.

Karl Lauterbach: „Wir brauchen jetzt ganz konkrete Regeln“

„Ich glaube, wir sollten uns jetzt nicht zu sehr mit uns selbst beschäftigten, also damit, wer politisch was bestimmt, sondern wir brauchen jetzt ganz konkrete Regeln“, so Lauterbachs Meinung zu der Bund-Länder-Debatte. „Wir wissen ja eigentlich, was zu tun ist. Wir brauchen Ausgangsbeschränkungen am Abend, wir brauchen Home-Office-Pflicht und eine Testpflicht in Betriebsstätten und Schulen“, fasst der Politiker seine drei Hauptforderungen zusammen. Wer die entsprechenden Gesetze verabschiede, sei nicht relevant.

Angesichts der Virus-Variante B.1.1.7* sehe Lauterbach keine andere Möglichkeit, als erneut in einen harten Lockdown zu gehen. „Wir haben seit Januar die B.1.1.7-Mutation in Deutschland beobachtet. Hätten wir damals früh gehandelt, wäre uns das, was jetzt kommt, erspart geblieben“, so die Analyse des Politikers. „Wir müssen nochmal in ein letztes Gefecht mit dem Virus gehen. Denn, ohne einen harten Lockdown kriegt man das nicht begrenzt.“ Die Regeln müssten härter ausfallen, weil die Variante* deutlich ansteckender sei.

Karl Lauterbach (SPD) fordert drei Maßnahmen für das Abwenden der dritten Corona-Welle.

Lauterbach hält dritten Lockdown für alternativlos

Freiheiten für Geimpfte - macht Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) damit berechtigt Hoffnung oder wird er sein Versprechen zurücknehmen müssen? Bei dieser Frage beruft sich Lauterbach auf aktuelle Studien, die zu dem Ergebnis kommen, dass eine Infektion für Geimpfte tatsächlich nahezu ausgeschlossen ist und Geimpfte die Krankheit auch nicht weitergeben können. Daher sei es möglich, Freiheiten zurückzugeben. „Ob es schlau ist, die Debatte jetzt zu führen, sei mal dahingestellt“, sagte Lauterbach. Aus seiner Sicht müsse zunächst die dritte Welle abgewendet werden.

Zwar fordert Karl Lauterbach einen harten Lockdown, aber er macht auch Hoffnung. Er rechne damit, dass allen, die sich gegen das Coronavirus impfen* lassen wollen, bis zum 1. Juli ein Impfangebot gemacht werden könnte. „Dafür müsste aber die Art und Weise, wie wir impfen, verändert werden. Wir müssten dann tatsächlich auch bei Biontech die zweite Impfung erst nach zwölf Wochen machen“, erklärte der Gesundheitsexperte seine Überlegung. Bei den meisten Corona-Impfstoffen sind zwei Dosen nötig, um einen vollständigen Schutz zu gewährleisten. Aber auch die erste Impfung bietet schon Schutz.

Impfen für alle ab 1. Juli? Lauterbach erläutert Plan

Lauterbach zufolge könnten Menschen, die nur die erste Dosis erhalten haben, zwar noch erkranken, sie würden aber nicht schwer an Covid-19 erkranken und auch nicht sterben. Vor allem die Todeszahlen würden durch einen maximal großen Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung deutlich zurückgehen. Zahlen und Grafiken zum aktuellen Impffortschritt in Deutschland finden Sie hier.

Angela Merkel (CDU)* versprach ein Impfangebot für alle bis zum 21. September 2021. Doch der Zweifel an diesem Impfversprechen steigt. Ob sich das Tempo durch Lauterbachs Pläne tatsächlich anziehen lässt, wird sich zeigen. (lb) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Screenshot/RTL.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare