Faszinierend, empfindlich, krankheitsanfällig? Mythen über Pferde mit blauen Augen im Check

Aktualisiert:

Von: Lara-Sabrina Kiehl

Uns auf Google folgen
Die Detailaufnahme von einem blauen Auge eines Painthorses
Blaue Augen bei Pferden gelten als selten und faszinierend, sind zugleich aber von Mythen umrankt. © Frank Sorge/Imago

Blaue Augen bei Pferden sind selten und sorgen oft für Gesprächsstoff. Manche finden sie schön, andere halten sie für unheimlich. Es gibt viele Vorurteile.

Blaue Augen bei Pferden wirken geheimnisvoll und ziehen Blicke auf sich. Doch mit ihrer Seltenheit gehen auch viele Vorurteile einher: von schlechter Sehkraft über aggressives Temperament bis hin zu erhöhter Krankheitsanfälligkeit. Doch was ist dran an diesen Mythen – und was sagen Forschung und Experten wirklich?

Mythos Nummer Eins: Blaue Augen verschlechtern die Sehkraft

Immer wieder heißt es, Pferde mit blauen Augen seien sehschwächer oder sogar anfälliger für Blindheit. Das stimmt nicht. Eine Studie der University of Illinois veröffentlicht in Equine Veterinary Education zeigt klar: Pferde mit einem oder zwei blauen Augen haben kein höheres Risiko für Augenerkrankungen als dunkeläugige Tiere. Erkrankungen wie Grauer Star, Glaukom oder periodische Augenentzündung treten bei ihnen nicht häufiger auf.

Manche Pferde reagieren zwar sensibel auf grelles Licht – doch das hängt nicht mit der Irisfarbe zusammen, sondern mit der Haut rund ums Auge. Besonders rosa Hautpartien lassen mehr UV-Strahlung durch. Mit Sonnenschutz, Fliegenmasken oder schlicht Schatten lassen sich diese Pferde aber problemlos schützen.

Mythos Nummer Zwei: Blaue Augen bedeuten aggressives Temperament

Ein weiteres Vorurteil: Pferde mit blauen Augen seien schwieriger im Umgang, nervöser oder aggressiver. Auch dafür gibt es keinerlei Belege. Experten betonen, dass das Verhalten eines Pferdes durch Genetik, Aufzucht und Training geprägt wird – nicht durch die Augenfarbe. Ob Quarter Horse, Paint oder Araber: Ein blaues Auge sagt nichts über den Charakter aus. Dass das Klischee trotzdem so hartnäckig ist, dürfte vor allem daran liegen, dass die ungewöhnliche Augenfarbe auffällt und dadurch besonders mystisch wirkt.

Noch mehr spannende Tier-Themen finden Sie im Newsletter von Landtiere.de, den Sie gleich hier abonnieren können.

Mythos Nummer Drei: Blaue Augen erhöhen das Krebsrisiko

Häufig wird behauptet, dass Pferde mit blauen Augen häufiger an Hautkrebs erkranken. Das stimmt so nicht ganz. Entscheidend ist nicht die Augenfarbe selbst, sondern die Pigmentierung der Haut um das Auge. Pferde mit rosa Haut am Lid oder in der Augenumgebung haben tatsächlich ein höheres Risiko für Plattenepithelkarzinome (“Squamous Cell Carcinoma“, kurz SCC).

Die Illinois-Studie bestätigt: Blauäugige Pferde entwickeln zwar keine zusätzlichen Augenkrankheiten, sind aber häufiger von Hauttumoren im Bereich der Augenlider betroffen – vor allem in Regionen mit hoher UV-Strahlung wie in den Alpen oder in Äquatornähe. Fachleute empfehlen deshalb UV-Schutzmasken, Schattenplätze in der Mittagszeit und regelmäßige tierärztliche Kontrollen, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Blaue Augen machen Pferde nicht krank, nicht aggressiv und auch nicht sehschwach. Sie sind vor allem ein optisches Merkmal, das mit bestimmten Fellfarben und Genen verknüpft ist – etwa bei Paints, Cremellos oder Perlinos. Mit einfachem Sonnenschutz lässt sich das erhöhte Hautkrebsrisiko um die Augen minimieren. Am Ende bleibt: Es sind einfach besonders schöne und auffällige Augen, die Pferde einzigartig machen.

Kommentare

$Teilen