Kia EV9 im Alltagstest: Kantiger Koloss mit Charakter

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Von: Volker Pfau

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Mit über fünf Metern ist der KIA EV9 ein echter Koloss. Optisch weis das Elektroauto zu überzeugen. Bei der Reichweite bleibt er jedoch hinter den Erwartungen zurück.

Nicht nur wegen seiner Dimensionen fällt der EV9 auf, auch das Design polarisiert. Die Reaktionen der Betrachter liegen zwischen großer Begeisterung und totaler Ablehnung, wobei erstaunlicherweise die positiven Rückmeldungen überwiegen. Damit hat das Team um Kia-Chefdesigner Karim Habib alles richtig gemacht, denn wichtig ist, dass man über das Aussehen redet. Eine russische Uni hat ebenfalls ein Elektroauto entwickelt, über das man spricht – nur wird dieses als hässlichstes Elektroauto der Welt bezeichnet. Die glatten Flächen mit einfahrbaren Bügeltürgriffen und die auffällige Lackierung Ocean Blue Matt (1.800 Euro Aufpreis), in der die von uns im Alltagstest gefahrene Version GT-line Launch Edition daherkam, stechen ins Auge.

Der Kia EV9 hat vier Einzelsitze und eine Dreier-Sitzbank

Unser Exemplar war mit vier Einzelsitzen – alle davon beheiz- und klimatisierbar – und einer Dreier-Sitzbank im Heck ausgestattet. Die mittleren zwei Sitze lassen sich leicht per Hebel um 90 Grad drehen, sodass man einfach einsteigen kann und auch bequem nach ganz hinten kommt oder den kleinen Nachwuchs bequem und rückenschonend im Kindersitz festschnallen kann. Ganz hinten setzen sich wegen des dort deutlich reduzierten Raumangebots am besten nur sehr gelenkige Naturen oder Nachwuchs ohne vollen Platzbedarf. Laut Hersteller ist übrigens das gesamte Gestühl vegan.

Innenraum mit zwei Einzelsitzen
Die beiden Einzelsitze in der mittleren Reihe lassen sich ganz einfach um 90 Grad drehen. © Kia

Per Knopfdruck lassen sich die Sitze der zweiten und dritten Reihe vom Kofferraum aus umklappen. Das Gepäckraumvolumen liegt zwischen bescheidenen 333 Litern bei siebensitziger Fahrt und 2.318 Litern bei voller Nutzung des Laderaums. Zum Einladen muss aber eine 82 Zentimeter hohe Ladekante überwunden werden. Zusätzlichen Stauraum, zum Beispiel fürs Ladekabel, bietet das 52 Liter fassende Fach unter der Fronthaube. In der Version ohne Allrad fasst der Frunk sogar 90 Liter. Die Motorhaube wird zum Öffnen mit einer Teleskopstange abgestützt, was lästiges Gefummel unter der Motorhaube vermeidet. 625 Kilogramm beträgt die maximale Zuladung. Wird diese voll ausgereizt, ist man also mit einem 3,3-Tonner unterwegs.

Üppige Dimensionen: 5,01 Meter lang, 2,26 Meter hoch und 1,78 Meter hoch

Im Stadtverkehr bewegt man das Kia-SUV, das übrigens fünf Zentimeter kürzer ist als ein 5er-BMW, naturgemäß vorsichtig, aber nach kurzer Gewöhnung souverän. Nur beim Parken muss man besonders die Breite von 2,26 Metern beachten. Erfreulicherweise und zur Beruhigung der Nerven sind außerdem piepsende und leuchtende elektrische Helferlein zuhauf an Bord. Der Wendekreis von 12,8 Metern erfordert aber immer wieder gutes Augenmaß in Kombination mit intensiver Kurbelei am Lenkrad. Zur Auswahl stehen drei Fahrprogramme plus einem zusätzlichen Individual-Programm. Darüber hinaus bietet der EV9 Wahlmöglichkeit für kritischen Untergrund wie Sand, Schnee und Regen.

Vollelektrischer Kia EV9 dynamisch unterwegs
Der vollelektrische Kia EV9 ist ein luxuriös ausgestatteter Reise-Riese. © Kia

Dank 385 PS ist der Korea-Koloss bis zu 200 km/h schnell

Der Elektromotor liefert Ur-Kräfte von 385 PS und ein Drehmoment von 700 Nm. Diese Power lässt sich problemlos bändigen, zudem ist der 1,78 Meter hohe EV9 konzeptbedingt eher als feiner Reiseschlitten denn als sportliches Vehikel ausgelegt. Trotzdem ist man im Allrad-SUV auch bei hoher Geschwindigkeit sehr stabil unterwegs, sollte sich aber stets gewahr sein, welche Masse dabei bewegt wird. Nähert man sich jedoch der Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h, kann man in der Anzeige im Cockpit der schwindenden Reichweite zuschauen, zudem stören dann auch starke Windgeräusche.

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Obwohl wir selten schneller als mit Richtgeschwindigkeit unterwegs waren, erreichten wir die von Kia angegebene Reichweite von 512 Kilometern nicht annähernd. Mit mehr als 350 Kilometern pro geladener 99,8-kWh-Akkus konnten wir nie beruhigt kalkulieren. Von dem vom Hersteller angegebenen Verbrauch von 20,2 kWh auf 100 Kilometer blieben wir weit entfernt, bei fast durchgehend moderater Fahrweise kamen wir letztlich auf einen Durchschnitt von 27,8 kWh auf 100 Kilometer. Mit ein paar Tricks kann man dank Rekuperation aber auch einige Kilometer Reichweite zusätzlich herausholen.

Stolzer Preis und luxuriöse Ausstattung

Der Grundpreis für den EV9 AWD in der GT-line-Ausstattung betragen 83.190 Euro. Dafür gibt es ein Auto mit Luxus-Ausstattung. So hat der EV9 zum Beispiel zwei Schiebedächer, für die zweite Sitzreihe ist ein großes, verschiebbares Staufach in der Mittelkonsole versteckt und im Kofferraum befindet sich eine 230-Volt-Steckdose. Nobel und benutzerfreundlich ist auch, dass sich der Deckel der Ladebuchse auf Knopfdruck schließt. Nicht ganz optimal ist dagegen, dass der Lenkstockhebel mit dem Startknopf und der Fahrprogrammwahl vom Lenkrad verdeckt wird. Es dauert geraume Zeit, bis man intuitiv draufhat, wie dies ohne Fehler zu bedienen ist. Wenig benutzerfreundlich sind auch die fummeligen Drehregler auf dem Lenkrad.

Sehr gut ausgestattetes Cockpit im Kia EV9
Cockpit des Kia EV9 mit übersichtlichen und leicht bedienbaren Instrumenten und sehr viel Platz für Fahrer und Beifahrer. © Kia

Fazit: Aufgrund seiner Dimensionen, seiner Komfortausstattung und seines üppigen Platzangebots taugt der Kia EV9 primär als Reiseriese. Doch dem stehen ein zu hoher Verbrauch und eine zu geringe Reichweite entgegen. Und preiswert ist er ebenfalls nicht. Experten gehen allerdings davon aus, dass die Preise für Elektroautos in den kommenden Jahren fallen werden. Grund: Die Akkus können billiger produziert werden. Übrigens ist Kia nicht der einzige Hersteller, der einen Elektro-Van mit sieben Sitzen anbietet. Allerdings haben einige davon noch eher den Charme eines Nutzfahrzeugs.

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