Wegen Arbeitskräftemangel: Gastronom setzt auf Roboter-Koch – „Von der Nostalgie freimachen“
Uns auf Google folgenEin Restaurantbesitzer nutzt moderne Technologie und setzt Roboter ein, um Gerichte anzubieten. Dahinter steckt ein Ladepark für E-Autos.
Wertheim – Zahlreiche Gastronomien mussten wegen zunehmender Schwierigkeiten bereits schließen. Mehr Ausgaben für Energie, mehr für Personal, dafür aber immer weniger verfügbare Fachkräfte und hohe Krankenstände im Team. Eine ungünstige Mischung, die nach Lösungen ruft. Ein Konzept, das in Deutschland bereits erprobt wird, klingt vielversprechend.
Ladepark nutzt Energie für Elektroautos und für die Küche
Wer ein Elektroauto fährt, weiß: Wartezeiten für den Ladevorgang müssen einkalkuliert werden. Die betragen manchmal mehrere Stunden. Da kommt eine Essenspause gelegen. Diese Tatsache haben sich die Betreiber der HomE World mit innovativem Lade- und Genusskonzept zunutze gemacht. An der A3 bei Wertheim nahe Würzburg können E-Auto-Fahrer ihre Reichweite aufpeppen und innen im Bistro-Café Energía auch ihre Mägen füllen. Gekocht wird dabei nicht von Menschen, sondern von einem Roboter.

Dabei steckt hinter dem Gastrobereich jemand, der etwas von seinem Bereich versteht: Holger Stromberg (53) ist Chefkoch, verwöhnt den Gaumen unter anderem in München, kochte für die Fußball-Nationalmannschaft und wurde auch schon mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Stromberg überwacht das System, bei dem sich ein Roboter die immer frischen Zutaten ohne Konservierungs- und Zusatzstoffe aus dem Kühlschrank holt und sie erhitzt. Die menschliche Komponente, die bleibt: den Kühlschrank einmal täglich mit Lebensmitteln aufzufüllen.
Auf dem mehr als 20.000 Quadratmeter großen Areal entsteht einer der größten Ladeparks Deutschlands. Die Betreiber setzen auf das Fortschrittsdenken der Elektroauto-Fahrer und heben die angeschlossene Gastronomie deshalb ebenfalls in die Zukunft. Koch Stromberg kommt aus einem 180 Jahre alten Gastronomiebetrieb und weiß, dass der Wandel in der Branche zwingend kommen muss: „Man muss sich von der Nostalgie freimachen, dass morgens jemand einkaufen geht, sich Gerichte ausdenkt und dann noch kocht“, so Stromberg.
Gäste sind überzeugt von neuem Restaurant-Konzept: „Wie frisch gekocht“
Besonders im Hinblick auf Personalmangel sei es dem Profi zufolge schwer, den Bedarf zu bestimmten Uhrzeiten und an bestimmten Wochentagen zu decken. Der Roboter benötige keine Pause und sei immer im Einsatz. Bestellt wird ebenso ohne Personalhilfe am Terminal, die meisten Gerichte kommen der praktischen Anwendbarkeit halber in einer Schüssel daher. Einen Caesar-Salat zum Beispiel gibt es ab 12,90 Euro, eine Zusammenstellung aus Gemüse und Fleisch für 17,90 Euro.

Die Gäste sind weitgehend überzeugt. Ein Ehepaar findet: „Schmeckt wie frisch gekocht“. Bei einer anderen Dame werden allerdings auch die maschinellen Grenzen deutlich. Sie konnte ihren Sonderwunsch nicht äußern, die Sauce getrennt vom Gericht zu servieren: „Der Roboter hat alles in einen Topf geschmissen … na ja.“ Auch, wenn die Zusammenstellung der Zutaten vorab durchdacht ist: Die gehobene Küche lebt noch immer von einer feinen Abstimmung des Geschmacks, den ein Roboter bisher noch nicht übernehmen kann. Auch für eine Beratung zu Allergien oder Unverträglichkeiten sind Betroffene noch immer auf die menschliche Komponente angewiesen, um ganz sicherzugehen.
Roboter kommen in zahlreichen Lebensbereichen zum Einsatz. Bei einem Empfang übernahm ein Roboter sogar die Begrüßung wichtiger Personen. (diase)