Giftschlangen-Population in Bayern – „Biss ist immer ein medizinischer Notfall“

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Von: Tanja Kipke

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Im Bayerischen Wald wurden kürzlich gleich mehrere Kreuzottern entdeckt, Gen-Tests sollen Aufschluss über die Population geben. Experten ordnen die Gefahr der Giftschlangen ein.

Lindberg – Forscher haben vor wenigen Wochen in der Gemeinde Lindberg eine spannende Entdeckung gemacht. In direkter Nähe zum Nationalpark Bayerischen Wald fanden sie gleich mehrere Exemplare der vom Aussterben bedrohten Kreuzotter auf einer Biotopfläche der Heinz Sielmann Stiftung. Sieben Stück, um genau zu sein. Die Schlange ist gefährdet und die Bestände nehmen weiter ab. Die gefundenen Schlangen könnten, mit der tschechischen Population im Böhmerwald, das vermutlich größte, zusammenhängende Vorkommen Mitteleuropas sein. Die Kreuzotter ist die einzige Giftschlange in Bayern.

Mehrere Kreuzottern in Bayern entdeckt: Gen-Tests sollen Aufschluss geben

Experten der Stiftung untersuchten einige der Schlangen genauer. Einer von ihnen ist Paul Hien – er engagiert sich seit längerem für den Naturschutz. Die Faszination für Schlangen hat er seit seiner Kindheit, in seinem Zuhause hält er selbst Kreuzottern in groß angelegten Gehegen in seinem Garten.

Kreuzottern sind die einzige Giftschlange, welche in Bayern zuhause ist.
Kreuzotter sind die einzigen Giftschlangen, welche in Bayern zu Hause sind. © IMAGO/Zoonar

Hien war für die Speichelproben-Entnahme der gefundenen Kreuzottern zuständig: „Geschützt durch dicke Handschuhe manövrierte er dünne Wattestäbchen an den Zähnen der Giftschlangen vorbei in den Rachen“, wird die Aktion in einer Mitteilung der Stiftung beschrieben. Die Gen-Tests sollen Aufschluss über die Gesamtpopulation im Bayerischen Wald geben.

Wie gefährlich ist ein Biss der Kreuzotter tatsächlich?

Hien erklärt, früher hatten Bisse teils schlimme Folgen. „Betroffene Gliedmaße mussten amputiert werden und es gab Todesfälle durch Blutvergiftung. Damals hatte die Kreuzotter durchweg ein negatives Image.“ Heute sei das anders. Die Folgen könne man gut mithilfe von Penicillin und dem Gegengift behandeln. In jedem Fall sei der Biss aber unangenehm und schmerzhaft.

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Es hänge allerdings auch von verschiedenen Faktoren ab. „An welcher Stelle man gebissen wird, wie viel Gift die Schlange abgibt und in welchem gesundheitlichen Zustand man sich befindet.“ Die Folgen können demnach ganz unterschiedlich sein. „Angefangen von einer wespenbissartigen Wunde bis hin zu Kreislaufkollaps und Herzstillstand.“

Dr. Raphael Stich, geschäftsführender Oberarzt in der Abteilung für klinische Toxikologie am Münchner Klinikum rechts der Isar und beim Giftnotruf München, sieht das ähnlich. „Dennoch ist das Gift der Kreuzottern nicht zu unterschätzen – ein Biss ist immer ein medizinischer Notfall“, sagte er dem BR. An einem Kreuzotter-Biss zu sterben, sei sehr selten, aber möglich.

Was tun bei einem Kreuzotter-Biss?

Es ist entscheidend, nach einem Biss korrekt zu reagieren: Die betroffene Stelle sollte so still wie möglich gehalten werden. Es wäre ein Fehler, zu versuchen, das Gift aus der Wunde zu saugen, sie abzubinden oder auf andere Weise zu behandeln. Da die meisten Bissverletzungen in der Freizeit, etwa beim Wandern, auftreten und häufig Beine oder Füße betreffen, ist es ratsam, den Rettungsdienst zu kontaktieren, anstatt weiterzugehen. Bewegung und Muskelaktivität könnten dazu führen, dass sich das Gift schneller im Körper ausbreitet und die Schwellung erheblich zunimmt.

Vor einem Biss schützen könne man sich laut Hien vor allem durch festes Schuhwerk in Kreuzottergebieten. „Ich sehe auch immer wieder Menschen barfuß in Kreuzotter-Gebieten herumlaufen, weil sie im Fluss baden wollen. Das ist dann so, wie über die Straße laufen, ohne nach links oder rechts zu schauen.“ Außerdem greife die Schlange nur an, wenn sie sich bedroht fühlt. Die meisten Unfälle würden beim Blaubeeren-Pflücken im Wald passieren, wenn die Menschen völlig unvermittelt in die Büsche treten. Hien rät, die Schlange mit einem Stock vorzuwarnen. (tkip)

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