Aus den Tiefen der Galaxis

„Wir haben so etwas noch nie gesehen“ - Teleskop empfängt mysteriöse Radiosignale

  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
    schließen

Ein Radioteleskop in Australien hat ungewöhnlich Signale aus dem Zentrum der Milchstraße empfangen. Was hat es damit auf sich?

Sydney - Der Astronom Ziteng Wang und sein Team von der Universität Sydney sind auf eine zuvor unentdeckte Quelle von Radiosignalen gestoßen. Diese könnten von einem neuartigen Stern stammen. „Wir entdeckten ein ungewöhnliches Radiosignal, das von irgendwo in der Nähe des Zentrums unserer Galaxie kam“, erklärt Wang in einem Artikel auf theconversation.com. „Das Signal blinkte auf und ab und wurde mit der Zeit 100 Mal heller und dunkler.“

Ihre Entdeckung machten die Forscher bereits Anfang 2020, nun stellten sie ihre bisherigen Erkenntnisse vor. „Wir entdeckten das Signal zunächst mit dem Australian Square Kilometre Array Pathfinder Telescope (ASKAP) und verfolgten es dann mit anderen Teleskopen auf der ganzen Welt und im Weltraum. Trotz unserer Bemühungen ist es uns immer noch nicht gelungen, die genaue Ursache dieser mysteriösen Radiowellen zu ermitteln“, so Wang. Eins sei jedoch sicher: „Wir haben so etwas noch nie gesehen.“

ASKAP J173608.2-321635: Bezeichnung stammt von Koordinaten am Himmel

Laut Wang wiesen die Radiowellen des Signals eine ungewöhnliche „zirkuläre Polarisation“ auf. Polarisierende Radioquellen sind extrem selten. Wegen der Polarisation des Lichts habe man zunächst angenommen, dass es von einem Pulsar oder einem flackernden Stern komme. Beides sei aber unwahrscheinlich, weil man weder die charakteristischen Pulse noch Spuren in anderen Wellenlängen gefunden habe. Die Wissenschaftler nannten das Objekt ASKAP J173608.2-321635. Die nicht sehr einprägsame Bezeichnung stammt von seinen Koordinaten am Himmel.

„Dieses Objekt war insofern einzigartig, als dass es zunächst unsichtbar war, dann hell wurde, dann verblasste und schließlich wieder auftauchte. Dieses Verhalten war außergewöhnlich“, erklärt Wang. „Unter Tausenden von Quellen finden wir vielleicht weniger als zehn zirkular polarisierte Quellen. Bei fast allen handelt es sich um Quellen, die wir gut kennen. Wie Pulsare, die schnell rotierenden, stark magnetisierenden Überreste explodierter Sterne.“

Wissenschaftler verfolgen das Signal mit Teleskopen auf der ganzen Welt

Die Entschlüsselung des Phänomens wird dadurch erschwert, dass es nicht konsistent zu finden ist. Zwischen April 2019 und August 2020 tauchte das Signal dreizehnmal in den Daten des ASKAP auf. Einen weiteren Treffer wies das Meerkat-Radioteleskop in Südafrika im Februar 2021 auf. „Da das Signal intermittierend war, beobachteten wir es alle paar Wochen für fünfzehn Minuten in der Hoffnung, es wiederzusehen“, erklärt Wang. „Glücklicherweise kehrte das Signal zurück, aber das Verhalten der Quelle war nun dramatisch anders. Sie verschwand innerhalb eines einzigen Tages, obwohl sie bei unseren früheren ASKAP-Beobachtungen wochenlang angehalten hatte“. Auch das Australia Telescope Compact Array (ATCA) entdeckte im April 2021 etwas.

„Wir haben dieses seltsame Objekt bei verschiedenen Wellenlängen mit Teleskopen auf drei Kontinenten und im Weltraum beobachtet“, so Wang. Letztendlich können die Astronomen aber nicht genau sagen, womit sie es zu tun haben. Ausschließen konnten sie jedoch Röntgendoppelsterne, Gammastrahlenausbrüche und Supernovae.

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare