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Weltraum-Hotel soll 2027 eröffnen: Ein Ziel für den boomenden Weltraumtourismus

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Von: Tanja Banner

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Das Weltraum-Hotel soll schon 2027 eröffnen. (Symbolbild)
Das Weltraum-Hotel soll schon 2027 eröffnen. (Symbolfoto) © Science Photo Library/Imago Images

Der Weltraumtourismus nimmt an Fahrt auf und soll ein Ziel im Weltall bekommen: Ein Hotel, das bereits 2027 eröffnen soll. Doch wer kann sich das leisten?

Huntsville – Bereits 2001 flog der erste zahlende Tourist ins Weltall, doch erst im Jahr 2021 hat der Weltraumtourismus an Fahrt aufgenommen. Erst flog der Milliardär Richard Branson mit dem Raumflugzeug „VSS Unity“ seiner Firma Virgin Galactic ins Weltall, kurz darauf folgte der Milliardär Jeff Bezos, der sich mit der Rakete „New Shepard“ seines Unternehmens Blue Origin in den Weltraum schießen ließ. Auch SpaceX, das Raumfahrtunternehmen von Milliardär Elon Musk, mischt mit und schickte erst vier Privatpersonen für mehrere Tage in die Erdumlaufbahn und anschließend eine private vierköpfige Crew zur Internationalen Raumstation ISS.

Der Weltraumtourismus boomt, doch den Unternehmen, die Privatpersonen ins Weltall schicken, fehlt dort ein Ziel, glaubt Tim Alatorre, Chef des Unternehmens Orbital Assembly, das gleich zwei Hotels im Weltraum aufbauen will. Die Situation bisher sei „wie wenn man den Grand Canyon besuchen will und dann fährt man daran vorbei und kehrt direkt wieder nach Hause zurück“, vergleicht er gegenüber CNN Travel. Die Internationale Raumstation ISS sei hauptsächlich ein Ort zum Arbeiten und Forschen, die Weltraum-Hotels seines Unternehmens sollten dagegen eine andere Nische besetzen, so Alatorre weiter. Es solle sich wie ein „Sci-Fi-Traum“ anfühlen. In einem Artikel der Washington Post ist unter anderem auch von bekannten Köchen die Rede, die für die Gäste im Weltall kochen sollen.

Weltraum-Hotel: „Voyager Station“ soll bereits 2027 eröffnen

Die Idee für das Weltraum-Hotel, das Orbital Assembly plant, kursiert bereits seit einigen Jahren. Ursprünglich wurde es vom Unternehmen Gateway Foundation vorgestellt und trug den Namen „Von Braun Station“, berichtet CNN Travel. Doch die Verbindungen des deutschen Raumfahrt-Visionärs Wernher von Braun zum Nationalsozialismus sorgten dafür, dass der Name geändert wurde. „Die Station ist nicht wirklich auf ihn bezogen. Sie basiert auf seinem Entwurf, und wir mögen seine Beiträge zu Wissenschaft und Raumfahrt“, erklärte der frühere Chef von Orbital Assembly, John Blincow, 2021 gegenüber CNN. Nun trägt das geplante Hotel im Weltraum den Namen „Voyager Station“.

Das Weltraum-Hotel „Voyager Station“ soll Firmenangaben zufolge im Jahr 2027 eröffnen und Platz für etwa 400 Personen bieten. Gleichzeitig ist ein kleineres Hotel geplant: Die „Pioneer Station“ soll 28 Personen beherbergen können und innerhalb von drei Jahren in Betrieb genommen werden können. In den beiden Hotels soll es Büroräume, Forschungseinrichtungen und Hotelzimmer für Reisende geben, die man mieten kann. Beide Raumstationen sollen die Form eines Rads haben, das sich dreht, um für eine künstliche Schwerkraft an Bord des Weltraum-Hotels zu sorgen. Im Außenbereich des Rads soll die künstliche Schwerkraft Annehmlichkeiten wie Duschen oder eine Toilette möglich machen, im inneren Teil wäre weniger oder gar keine Schwerkraft vorhanden – Besuchende könnten dort die Schwerelosigkeit genießen.

Voyager StationPioneer Station
Durchmesser: 200 MeterDurchmesser: mind. 35,5 Meter
Personen: 316 bis 440Personen: 14 bis 56
Annehmlichkeiten: Hotelzimmer, Fitnessraum, Restaurant, BarAnnehmlichkeiten: 2-8 bewohnbare Module
Start: geplant für 2027Start: möglich innerhalb von drei Jahren
Quelle: Orbital Assembly

Weltraum-Hotel: Reisen ins Weltall sind sehr teuer

Doch es gibt noch einen großen Haken: Reisen ins Weltall sind bisher sehr teuer – für die meisten Menschen unerreichbar teuer. Alatorre gibt sich gegenüber CNN jedoch optimistisch: „Das Ziel war es immer, es für eine große Zahl von Menschen möglich zu machen, im Weltraum zu leben, zu arbeiten und zu gedeihen“. In der Zukunft soll Weltraumtourismus keine Nische für Milliardäre sein: „Wir tun alles, was wir können, um den Weltraum für jeden zugänglich zu machen, nicht nur für die Wohlhabenden“, betont Alatorre.

2021 berichtete die Washington Post, eine Reise zum ersten Weltraum-Hotel solle fünf Millionen US-Dollar für dreieinhalb Tage kosten. Ein stolzer Preis, den sich nur die wenigsten Menschen leisten können – der jedoch verglichen mit anderen Weltraumausflügen geradezu günstig daherkommt. Die privaten Astronauten, die im April 2022 mit SpaceX für mehrere Tage zur Internationalen Raumstation ISS geflogen sind, sollen jeweils 55 Millionen US-Dollar für ihre Reise ins Weltall gezahlt haben.

Weltraum-Hotel soll aufgebaut werden – Kritik am Weltraumtourismus

Kritik am Weltraumtourismus und den Hinweis, man könne mit dem Geld auf der Erde mehr anfangen, weist Alatorre zurück: Zahlreiche „lebensverändernde Technologien“ stammten aus der Raumfahrt, wie GPS. Außerdem biete das Leben im Weltall die Chance, etwas zu verändern: „Diese geschlossenen Systeme werden die Kultur verändern, die Art, wie Menschen über die Nutzung von Ressourcen denken“, betont er.

Aufbau einer Raumstation im Weltall

Der Aufbau der Internationalen Raumstation ISS, die kleiner sein dürfte als die geplante „Voyager Station“, war eine langfristige Angelegenheit: 42 Raketenstarts waren nötig, um alle benötigen Teile in die Erdatmosphäre zu bringen. Es dauerte elf Jahre, bis die ISS als „fertig aufgebaut“ galt – und auch heute noch werden Elemente umgebaut oder ergänzt.

Zum Vergleich: Die ISS hat nach Angaben der US-Raumfahrtorganisation Nasa ein unter Druck stehendes Volumen von etwa 915 Kubikmeter. Die „Voyager Station“ soll nach Unternehmensangaben über 51.104 Kubikmeter verfügen.

Wann und mit welchem Raketenbetreiber die Weltraum-Hotels tatsächlich ins Weltall transportiert und dort aufgebaut werden sollen, ist nicht bekannt. Dagegen macht ein anderes Unternehmen bereits Nägel mit Köpfen: Amazon hat sich bereits jetzt Raketenstarts für die Satelliten-Konstellation „Project Kuiper“ gesichert – und fast den gesamten Markt mit Ausnahme von SpaceX leergekauft. (tab)

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