Dauerhafte Ausfälle

Forscher alarmiert: Sonnensturm könnte „Internet-Apokalypse“ auslösen

  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Was passiert mit dem Internet, wenn es zu einer Sonneneruption kommt? Mit dieser Frage beschäftigte sich eine Forscherin aus Kalifornien - mit einem überrschenden Ergebnis.

Stuttgart/Irvine - Ein Leben ohne Internet - heutzutage kaum noch vorstellbar. Durch Smartphone, Laptop und Co. hat man immer und von überall Zugriff auf das Wissen der Welt. Verbraucherschützer bemängeln indes zu hohe Preise für mobiles Internet. Eine Forscherin der University of California warnt vor einem weitaus größerem Problem, als zu hohe Internetkosten: Ihrer Forschung zufolge könnte ein Sonnensturm eine „Internet-Apokalypse“ auslösen.

Auf den ersten Blick scheinen Sonnenstürme zu weit entfernt, um Auswirkungen auf unsere Erde haben zu können. Doch das tun sie tatsächlich, unter anderem haben sie Einflüsse auf das Wetter in Deutschland. Doch viel schlimmer: Heftige Sonnenstürme oder koronare Massenauswürfe können massive Schäden anrichten, weil sie das Magnetfeld der Erde stören, berichtet t3n.de. Das wiederum kann auch die Stromnetze schwer beschädigen.

Der Zusammenhang und das Problem der Stromausfälle mit Sonnenstürmen ist Forschern schon länger bekannt. Forscherin Sangeetha Abdu Jyothi von der University of California in Irvine (USA) weist darauf hin, dass Sonnenstürme nicht nur die Stromversorgung auf der Erde bedrohen, sondern auch einen globalen Zusammenbruch des Internets zufolge haben könnten.

Forscherin warnt vor „Internet-Apokalypse“: Sonnenstürme bedrohen weltweites Netz

Sonnenstürme hatten schon in der Vergangenheit Auswirkungen auf unser Versorgungsnetz, berichtet extremnews.com. Im Nordosten Kanadas sorgte ein Sonnensturm 1989 dafür, dass Netze des kanadischen Versorgers Hydro-Quebec ausfielen. Die Region war über neun Stunden komplett ohne Strom. Ähnlich könnten laut Jyothi die Auswirkungen von Sonnenstürmen auf das Internet sein. Sie schätzt den potenziellen Schaden allein für die USA auf sieben Milliarden Dollar am Tag. Zuletzt bedrohte im Dezember 2020 ein Sonnensturm Stromnetz und GPS.

Das größte Problem laut der Forscherin: Die Internetinfrastruktur sei bisher noch gar nicht auf ein solches Ereignis vorbereitet. In ihrem Vortrag „Solar Superstorms: Planning for an Internet Apocalypse“ auf der Konferenz Sigcomm 2021 wies sie auf diesen Umstand hin. Ein Grund ist die Tatsache, dass es in den vergangenen 30 Jahren nicht zu heftigen Sonneneruptionen mit Auswirkungen auf die Erde gekommen ist. Doch das heißt nicht, dass uns das künftig nicht bevorsteht. „Wir verfügen über ein sehr begrenztes Verständnis dessen, welches Ausmaß der Schaden haben könnte“, sagt die Wissenschaftlerin der Fachzeitschrift „Wired“.

Die Schwachstelle dabei sind der Forscherin zufolge nicht die Glasfaserkabel, die regional und lokal verlegt werden, sondern die Unterseekabel, die das weltweite Netz ausbauen. Ihnen können die magnetisierten Sonnenpartikel durchaus etwas anhaben. Denn die Unterseekabel enthalten sogenannte Repeater, welche das Signal verstärken und sich alle 50 bis 150 Kilometer befinden. Die elektrischen Bauteile der Repeater sind besonders anfällig, wenn es zu Sonneneruptionen kommt. Eine Reparatur gestaltet sich durch ihre Lage unter Wasser zudem besonders schwierig. Sollte es zu Ausfällen kommen, wären diese dadurch umso länger, so Sangeetha Abdu Jyothi.

„Internet-Apokalypse“ durch Sonnenstürme: Ist ein globaler Internetausfall unabwendbar?

Kabel, die sich in höheren Breitengraden befinden, also näher zum Süd- oder Nordpol, sind besonders anfällig für Schäden durch Sonnenstürme. Somit sei das Risiko, insbesondere zwischen Europa und den USA, laut Sangeetha Abdu Jyothi sehr groß. Wohl weitaus schlimmer als eine „Internet-Apokalypse“ ist jedoch ein anderes Forschungsergebnis: Forscher berechnen, wann auf der Erde kein Leben mehr möglich ist.

Die Befürchtung der Wissenschaftlerin: Durch die Sonnenstürme kommt es in Zukunft zu großen Ausfällen der Unterwasserkabel. Das könnte die gesamte Internetinfrastruktur auf der Erde destabilisieren. Ganze Wirtschaftszweige könnten dadurch lahmgelegt werden. Der Schaden wäre immens. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Regionale Verbindungen und Kabel in niedrigen Breiten sind von solchen Ausfällen nicht bedroht und sollten ihre Konnektivität somit beibehalten.

Wirklich viel tun kann man gegen die mögliche „Internet-Apokalypse“ allerdings vorerst nicht. Sangeetha Abdu Jyothi rät, vorsorgliche Messungen durchzuführen und weiterhin zu forschen. Für den weiteren Ausbau der Netze sollten zudem die möglichen Gefahren durch Sonneneruptionen eingeplant werden, fordert die Forscherin.

Rubriklistenbild: © IMAGO

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