Tiere fressen Mückenlarven

Baden-Württemberg will „tödlichstes Tier der Welt“ mit lebendiger Waffe ausrotten

Kampf gegen Asiatische Tigermücke in Zürich.
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Die Asiatische Tigermücke ist schwer zu bekämpfen. Forscher stützen sich deshalb gleich auf mehrere Methoden - zum Beispiel gefräßige Krebse (Archivbild).
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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Die Tigermücke ist Microsoft-Gründer Bill Gates zufolge das „tödlichste Tier der Welt“. In Baden-Württemberg bekämpft man sie nun mit ungewöhnlichen Mitteln.

Stuttgart - Die asiatische Tigermücke ist längst in vielen Teilen von Baden-Württemberg heimisch geworden. Weil ihre Stiche nicht nur nerven, sondern auch tödliche Krankheiten übertragen, ist sie allerdings hierzulande nicht gerne gesehen. Über zwanzig sogenannte Arboviren gibt das Insekt weiter. Experten gehen davon aus, dass die Tigermücke in zehn Jahren ganz Baden-Württemberg erobert hat.

„Die Mücke kann sich relativ schnell anpassen“, erklärt auch Norbert Becker gegenüber dem SWR. Der Wissenschaftler beschäftigt sich mit der Bekämpfung der asiatischen Tigermücke. Im Kreis Ludwigsburg sollen Tigermücken mit Bakterien-Tabletten aufgehalten werden. Das ist allerdings nur eine von mehreren Methoden. „Man muss wirklich alle Waffen, die wir haben, in die Waagschale werfen“, warnt Becker. Die neueste Variante: Ruderfußkrebse mit großem Appetit.

„Tödlichstes Tier der Welt“ in Baden-Württemberg: Tigermücke wird mit allen Mitteln bekämpft

Die Bakterien-Tabletten enthalten das „Bacillus thuringiensis israelensis“ (BTI), das von den Mückenlarven aufgenommen wird und sie sozusagen von innen heraus tötet. Die Strategie mit den Ruderfußkrebsen, sogenannten Copepoden, ist etwas direkter. Im Labor konnten Wissenschaftler bereits nachweisen, dass sich die hungrigen Krebse bevorzugt auf Larven der Tigermücke stürzen.

Aktuell setzen Forscher die Ruderfußkrebse erstmals in Freiheit ein, beispielsweise in Regentonnen. Der Kampf gegen die asiatische Tigermücke an mehreren Fronten ist auch zwingend nötig. Denn laut Norbert Becker können die Insekten sogar einen möglichen harten Winter in Baden-Württemberg überleben: Minus 10 Grad für mehrere Wochen sind demnach kein Problem für die Tigermücke.

Kampf gegen die Tigermücke: „Tödlichstes Tier der Welt“ wird in Baden-Württemberg vielseitig bekämpft

Eine mehrgleisige Bekämpfungsstrategie scheint angesichts dieser Widerstandsfähigkeit also vernünftig. Der Einsatz von BTI und den Ruderfußkrebsen zielt direkt auf die Tötung der Mückenlarven ab. Es gibt aber auch Überlegungen, an der Fortpflanzung der Tigermücke anzusetzen.

Im Ausland werden männliche Mücken beispielsweise mit Wolbachia-Bakterien infiziert. Dadurch wird die Folgegeneration lebensunfähig. In Deutschland ist das Ausbringen solcher Bakterien aber nicht erlaubt. Der Südwesten nutzt deshalb eine andere Strategie. Die Tigermücke wird in Baden-Württemberg mit Gammastrahlen behandelt. Die bestrahlten männlichen Tiere pflanzen sich in Freiheit mit Weibchen fort, die aber nur sterile Eier legen. Die Freilassung männlicher Tiere ist deshalb gestattet, weil sie nicht stechen und deshalb auch keine Krankheiten wie das Dengue-Fieber übertragen können.

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