Tierversuche

Stephen Hawking verteidigte vor 25 Jahren eine Art von Wissenschaft, die heute umstritten ist

Stephen Hawking im Rollstuhl
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Stephen Hawking erhielt 1963 die Diagnose Amyotrophe Lateralsklerose. Er gab nie die Hoffnung auf Heilung auf.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Stephen Hawking war einer der brillantesten Köpfe unserer Zeit. Der berühmte Wissenschaftler ist hoch anerkannt. Doch befürwortete er früher eine heute umstrittene Art von Wissenschaft.

Cambridge - Der britische Astrophysiker Stephen Hawking gehörte zu Lebzeiten zu den schlausten Köpfen der Welt. Seine Meinung und Einschätzungen waren viel gefragt. Berühmt wurde der Wissenschaftler allerdings für seine bahnbrechenden Beiträge in der theoretischen Physik, aber er verdiente sich durch sein Wissen auch Anerkennung in Kultur und Politik. In seiner letzten Botschaft machte Stephen Hawking etwa eine Vorhersage für E-Autos.

In seiner Position als Lehrender an der Universität Cambridge nutzte er sein Wissen über den Kosmos und Astrophysik, um es verständlich an die Menschheit weiterzugeben. Er machte sich stets Gedanken darüber, wie die Zukunft der Menschheit aussehen würde. So war er sich zum Beispiel sicher, dass eine „neue Form von Leben“ eines Tages den Kern der Menschheit auslöschen wird.

Stephan Hawking träumte davon, Bedingungen zu schaffen, unter denen wir das Universum besser verstehen und gleichzeitig das Leben aller Menschen verbessern können. Doch mit seiner Meinung zu einem ganz speziellen kontroversen Thema sorgt er auch nach seinem Tod noch für Aufsehen: Seiner Befürwortung von Tierversuchen.

Stephen Hawking: Die Aufregung um Tierversuche ist „lächerlich“

Wie die Foundation for Biomedical Research berichtet, trat Stephen Hawking 1998 einer Debatte bei, in welcher er seine Unterstützung für Tierversuche zugab. Während Tierschützer etwa 161 Kilometer östlich vom Austragungsort der Debatte gegen die Polizei kämpften, sprach sich Hawking gegen Gewalt und Einschüchterung gegen die Wissenschaftler aus.

Was er damals sagte, würde heutzutage sicherlich noch mehr für Entrüstung sorgen: „Ich denke, die Aufregung um die Verwendung von Tieren in der medizinischen Forschung ist lächerlich. Warum ist es schlimmer, mit Tierversuchen Leben zu retten, als sie zu essen, was die Mehrheit der Bevölkerung gerne tut?“, sagte Stephen Hawking damals. Und weiter: „Ich vermute, dass Extremisten sich den Tierrechten zuwenden, weil sie nicht mehr die lohnenderen Gründe der Vergangenheit haben, wie die nukleare Abrüstung.“

Seine Meinung zu medizinischen Tierversuchen kam nicht von ungefähr: 1963 wurde bei dem Wissenschaftler die Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS, diagnostiziert.  Die degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems gilt bis heute als nicht heilbar. Die Ärzte gaben ihm damals nur noch wenige Jahre zu leben.

Astrophysiker Stephen Hawking: „Computer werden Tierversuche nie ersetzen“

Entgegen der Prognosen sollte Stephen Hawking sogar 76 Jahre alt werden. In den Jahrzehnten nach seiner Diagnose wurde Stephen Hawking zu einem der berühmtesten Wissenschaftler. Doch während er Bestseller schrieb, Fachvorträge hielt und seine Forschungen vorantrieb, ließ ihn sein Körper aufgrund der Krankheit immer mehr im Stich. Letztendlich war er von 1968 an auf den Rollstuhl angewiesen, konnte später nur noch Finger und Augen bewegen. Um sich mitzuteilen, nutzte er einen Sprachcomputer, den er mit seinen Augen steuerte.

Obwohl der Fortschritt der Technik ihm half, besser mit seiner Krankheit und den damit verbundenen Einschränkungen zurechtzukommen, glaubte er nicht, dass die Technik Tierversuche überflüssig machen würde. Denn ein Heilmittel für seine Erkrankung an ALS könne ihm die Technik nicht geben.

Ein Zitat, das heute für Empörung sorgen würde: „Computer können erstaunliche Dinge tun. Aber auch die leistungsfähigsten Computer können Tierversuche in der medizinischen Forschung nicht ersetzen“, sagte er 1966 in einer Rede. Er war der Meinung, dass Computersimulationen und -technologien im medizinischen Bereich weiter nötig sein würden.

Auch in einer anderen Sache setzte Stephen Hawking sein Vertrauen nicht in Computer und Technik: Eine große Gefahr bestehe laut dem Wissenschaftler durch ein Experiment, das ganz in der Nähe von Baden-Württemberg stattfindet: Er warnte, dass das sogenannte „Gottesteilchen“ das Universum kollabieren lassen könnte. Stephen Hawkings Befürwortung von Tierversuchen zeigt, wie sehr er sich eine Heilung und eine Therapiemöglichkeit für ALS gewünscht hatte. Sein lebenslanges Streben nach Wissen und Fortschritt ist womöglich der beste Beweis dafür.

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